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Coronavirus
Minister Spahn sieht Deutschland am Beginn einer Epidemie

Berlin. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet eine deutlich stärkere Verbreitung des neuartigen Coronavirus in Deutschland. „Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland“, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. dpa

„Die Infektionsketten sind teilweise – und das ist die neue Qualität – nicht nachzuvollziehen.“ Es gebe eine Vielzahl von Personen, die mit Erkrankten Kontakt hatten. Das Virus war bis Mittwochabend bei zwei Menschen in Nordrhein-Westfalen, vier Personen in Baden-Württemberg und einem Soldaten im rheinland-pfälzischen Koblenz neu nachgewiesen worden. Bereits vorher hatte es vereinzelte Fälle von Corona gegeben.

Vor diesem neuen Hintergrund sei es fraglich, „ob unsere bisherige Strategie, das Virus einzugrenzen und Infektionsketten zu beenden, auch weiterhin aufgeht.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass die Epidemie an Deutschland vorbeigehe, sinke. In einer Telefonkonferenz habe er die Gesundheitsminister der Länder gebeten, ihre Landespandemiepläne in Kraft zu setzen, sofern noch nicht geschehen, und sich entsprechend auf eine Ausbreitung von Corona vorzubereiten. Ein Treffen mit seinen Länderkollegen sei für nächsten Mittwoch vereinbart. Auch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste und Unternehmen verfügten über Pandemiepläne. Diese sollten auch aktualisiert werden. Die Bevölkerung rief Spahn auf, nicht bei jedem Husten zum Arzt zu gehen. Aber Bürger sollten ihren Hausarzt anrufen, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise in ein Risikogebiet Fieber, Husten oder Atemnot hätten. Bei vorhandener Symptomatik und einem Verdacht solle besser einmal mehr auf das Virus getestet werden als einmal zu wenig. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 sei vorbereitet. Dass es eine Knappheit bei Schutzausrüstung geben könne, sei absehbar – zumal alle Länder auf der Welt genau da Bedarf hätten und die größten Produzenten teils in China ansässig seien.

Auch alle anderen EU-Staaten müssen sich nach Aussagen von Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides mit Notfallplänen auf einen größeren Ausbruch des Virus vorbereiten. Bei dem größten bisher in Europa bekannten Coronavirus-Ausbruch in Italien stieg die Zahl der Infizierten trotz teils drastischer Schutzmaßen weiter. Mittlerweile seien 400 Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 angesteckt, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Mittwochabend. Am Vortag hatte die Zahl der Infizierten bei gut 320 gelegen. Borrelli gab die Zahl der Toten am Mittag mit zwölf an. Der Schwerpunkt der Krise befindet sich mit 253 Infektionen in der norditalienischen Region Lombardei, unweit der Millionenstadt Mailand. Insgesamt sind inzwischen mindestens zehn von 20 italienischen Regionen betroffen.