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Der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland warnt beim Coronavirus vor Panik
„Die meisten bisherigen Fälle sind mild verlaufen“

 Der leitende Oberarzt am Institut für Virologie im Universitätsklinikum des Saarlandes, Dr. Jürgen Rissland.
Der leitende Oberarzt am Institut für Virologie im Universitätsklinikum des Saarlandes, Dr. Jürgen Rissland. FOTO: Rüdiger Koop/UKS
Homburg. Der leitende Oberarzt am Institut für Virologie in der Homburger Uniklinik sieht trotz der vielen Coronavirus-Erkrankungen in Italien keinen Grund zur Panik. Von Manuel Görtz

Die Gefahr, am neuen Corona-Virus zu sterben, ist wesentlich geringer als bei den vorangegangenen Sars- und Mers-Epidemien, betont der leitende Oberarzt am Instiut für Virologie im Universitätsklinikum des Saarlandes. Trotzdem solle man die Gefahr ernst nehmen, rät Dr. Jürgen Rissland im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Dr. Rissland. In Italien sind bereits sechs Menschen an dem neuen Corona-Virus gestorben, es gibt über 200 Infizierte. Was bedeutet das für die Menschen hier im Saarland?

RISSLAND Keine Frage, das Geschehen rückt geografisch näher an Deutschland. Und wir müssen auch damit rechnen, dass Leute, die aus den betroffenen Regionen Italiens einreisen, das Virus mitbringen. Aber man sollte jetzt nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.



Und das heißt?

RISSLAND Es gibt keinen Grund zur Panik. Die meisten bisherigen Fälle sind mild verlaufen. Für einen gesunden Erwachsenen ist die Gefahr überschaubar. Ähnlich wie bei einer Influenza.

Und trotzdem werden täglich neue Todesfälle gemeldet. Wie groß ist die Gefahr, an einer Infektion mit dem neuen Coronavirus zu sterben?

RISSLAND Während wir bei der Sars-Epidemie 2002 und 2003 eine Letalität, also die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, von zehn Prozent hatten und beim rund zehn Jahre später aufgetretenen Mers-Coronavirus von 30 Prozent, liegt sie beim aktuellen Coronavirus bei etwa drei Prozent. Wie gesagt: Man sollte die Gefahr ernst nehmen, aber es gibt keinen Grund zur Panik.

Kann man die Krankheit eindämmen, indem man wie in China und jetzt auch in Italien ganze Städte und Dörfer abriegelt?

RISSLAND Die Frage, wie effektiv so etwas ist, wird man erst beantworten können, wenn man weiß, wie sich die Fallzahlen nach den eingeleiteten Maßnahmen entwickeln. Ich denke, man gewinnt damit ein bisschen Zeit. Aber die Ausbreitung der Krankheit wird man dadurch wohl nicht verhindern können. Schon allein, weil das Verständnis der Menschen für solche drastischen Maßnahmen begrenzt ist.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

RISSLAND Man sollte aufs Händeschütteln verzichten. Und in die Armbeuge husten, nicht in die Hand. Viel mehr kann man nicht tun. Denn einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus gibt es im Unterschied zur echten Influenza-Grippe noch nicht.

Und wie sieht es mit Atemschutz aus?

RISSLAND Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für die gesunde Allgemeinbevölkerung würde ich nicht empfehlen. Denn diese Masken verlieren schnell an Wirkung, wenn sie etwa beim Ausatmen feucht und damit durchlässig werden. Bei Patienten mit grippalen Symptomen kann es jedoch ebenso wie bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem beim Aufenthalt im öffentlichen Raum durchaus sinnvoll sein. Dann gilt aber für die optimale Wirksamkeit auch, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzen muss, das heißt eng anliegend getragen wird, bei Durchfeuchtung gewechselt wird, und dass während des Tragens keine, auch keine unbewussten Manipulationen daran vorgenommen werden.

Was mache ich denn als Reiserückkehrer zum Beispiel aus China oder Norditalien sinnvollerweise, wenn ich glaube, am neuen Coronavirus erkrankt zu sein?

RISSLAND Am besten ist es, sich vor dem Besuch einer Praxis oder einer Notfallambulanz mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen. Auf diese Weise trägt man dazu bei, dass geeignete Prävention- und Schutzmaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden können.