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Playoffs der DEL ohne Zuschauer?
Coronavirus bedroht DEL-Playoffs

 DEB-Präsident Franz Reindl fordert Entscheidung der Politik.
DEB-Präsident Franz Reindl fordert Entscheidung der Politik. FOTO: dpa / Tobias Hase
Köln. Eishockey: Am Mittwoch soll die erste Runde beginnen. Es drohen leere Ränge. sid

Die Spieler trainierten wie gewohnt, die Fans kauften Tickets, und die Clubs bemühten sich um Normalität. Doch die Verunsicherung vor dem Start in die Playoffs um die 100. deutsche Eishockey-Meisterschaft ist groß. Wegen des Coronavirus drohen Absagen und Geisterspiele. „Wir gehen aktuell davon aus, dass mit Zuschauern gespielt wird. Wir bereiten uns normal vor“, sagte Manager Karl-Heinz Fliegauf von den Grizzlys Wolfsburg.

An diesem Mittwoch (19.30 Uhr/MagentaSport) sollen die Niedersachsen in der ersten Runde bei den Nürnberg Ice Tigers antreten. Im zweiten Duell um einen der beiden letzten Viertelfinalplätze sollen zeitgleich der ERC Ingolstadt und die Augsburger Panther aufeinandertreffen – wenn die lokalen Behörden es nicht verbieten.

Von der Stadt Nürnberg gab es „bislang keine Intervention“, wie Pressesprecher Siegfried Zelnhefer am Montag bestätigte: „Das kann morgen aber anders sein.“ Jeder Veranstalter müsse sich „die Frage selbst stellen“. Freiwillig will die Deutsche Eishockey Liga (DEL) der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen, nicht folgen.



Kritik am Umgang der Politik mit der Pandemie äußert Verbandspräsident Franz Reindl. „Es ist wichtig, dass Entscheidungen von den zuständigen Behörden bekanntgegeben werden. Mit Empfehlungen ist im Sport schwer zu arbeiten“, sagte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). In der Schweiz wurden die Playoffs vorerst verschoben, nachdem der Bundesrat Großveranstaltungen verboten hatte.

Eine Absage der ab Mittwoch geplanten Vor-Playoffs in der DEL würde „einen Rattenschwanz hinter sich herziehen“, sagt Fliegauf, dann könnte das Viertelfinale nicht wie geplant in einer Woche beginnen. In Wolfsburg war in der vergangenen Woche bereits die DEL-Gala abgesagt worden.

Die finanziellen Folgen von Geisterspielen wären für die Clubs enorm. Brutto-Einnahmen von 60 000 bis über 200 000 Euro würden pro Spiel allein durch den Ticketverkauf wegfallen. „Natürlich zieht das einen Schaden nach sich“, sagte Fliegauf, „woanders geht es allerdings noch um wesentlich mehr Geld.“ Zu den Grizzlys kamen in der Vorrunde im Schnitt nur 2888 Fans, bei den Eisbären Berlin (12 901) und Titelverteidiger Adler Mannheim (11 891) mehr als dreimal so viele.

Nürnbergs Geschäftsführer Wolfgang Gastner spielte allerdings die wirtschaftlichen Konsequenzen herunter. „Wir haben so gut gewirtschaftet wie nie in unserer Geschichte“, sagte er: „Wir könnten es verkraften, vor leeren Rängen zu spielen.“ Ob Versicherungen einspringen, ist offen. „Wir haben eine Ausfallversicherung, aber ob die in diesem Fall greift, kann ich nicht sagen“, erklärte Fliegauf.

Die Empfehlung von Spahn unterstützte auch der bayerische Coronavirus-Krisenstab. „Deshalb empfehlen wir den Veranstaltern und den zuständigen lokalen Behörden ein solches Vorgehen auch für Bayern“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml.