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Überblick
Corona weltweit – Wie andere Länder gegen das Virus kämpfen

Berlin. Die Corona-Krise zwingt Regierungen auf der ganzen Welt zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Nicht überall sind sie gleichermaßen drastisch: dpa/red

Großbritannien handelt bisher eher zurückhaltend. Die Regierung in London will mit kleineren Schritten verhindern, dass der Ausbruch zu stark unterdrückt wird und im Herbst mit voller Wucht zurückkehrt. Schließungen von Schulen oder Bars wurden bisher nicht angeordnet. Premier Boris Johnson hat die Menschen aber dazu aufgerufen, unnötige soziale Kontakte, Reisen oder den Besuch von Massenveranstaltungen zu vermeiden. Zum Wochenbeginn waren in Großbritannien mehr als 1500 Infizierte registriert, das Gesundheitsministerium meldete 53 Tote.



Italien bleibt in Europa bisher am stärksten von der Pandemie betroffen. Die Zahl der Toten liegt mittlerweile bei mehr als 2000, die der bestätigten Infektionen bei rund 28 000. Das öffentliche Leben ruht. Es gilt eine Ausgangssperre. Fast alle Läden mit Ausnahme jener zur Versorgung sind zu, Bars und Restaurants ebenfalls. Italien hatte diese Maßnahmen allerdings in mehreren Schritten über längere Zeit gestreckt eingeführt. In Ländern wie Deutschland oder Frankreich wurden sie – auch mit Blick auf Italien – schneller umgesetzt.

In Spanien gilt seit Sonntag eine Ausgangssperre bis auf die nötigsten Gänge. In Madrid, der in Spanien von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffenen Region, sind mit Lautsprechern ausgestattete Fluggeräte im Einsatz. Die Menschen werden damit aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Nach Italien ist Spanien in Europa am stärksten betroffen. Die Zahl der Infizierten ist auf mehr als 11 000 geklettert. Es gibt bereits fast 500 Tote.

Österreich hat die Bewegungsfreiheit seiner Bürger seit Wochenbeginn stark eingeschränkt. Skigebiete, Restaurants, Bars und Geschäfte – bis auf wichtige Läden, wie Supermärkte oder Apotheken – sind geschlossen. Die neun Millionen Einwohner sollen Häuser und Wohnungen nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Auf den Straßen patrouilliert Polizei, um das zu überwachen. Die Maßnahmen sind zunächst auf eine Woche befristet. Österreich meldete am Dienstag 1132 bestätigte Coronavirus-Fälle und bislang drei Tote.

In der Schweiz wurde am Montag der Notstand erklärt. Das öffentliche Leben ist bis 19. April weitgehend lahmgelegt. Eine Ausgangssperre gibt es nicht. Stand Dienstag gab es in der Schweiz 2269 bestätigte Infektionen und 14 Tote. Den Notstand erklärte am Dienstag auch Luxemburg, Bosnien rief den Ausnahmezustand aus. Solche Regelungen geben Regierung und Behörden zusätzliche Durchgriffsrechte und ermöglichen Maßnahmen, die auch bestehendem Recht widersprechen können.

In Israel soll im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus auch Überwachungstechnologie zum Einsatz kommen, die sonst für die Terrorbekämpfung genutzt wird. Nach Medienberichten sollen die Handys von Kranken und Verdachtsfällen geortet werden, um angeordnete häusliche Quarantäne zu überwachen. Leerstehende Hotels sollen umfunktioniert werden, um leicht erkrankte Patienten unterzubringen. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt. Infiziert haben sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 300 Personen. Todesfälle wurden bisher nicht erfasst.

Auf den Philippinen ordnete Präsident Rodrigo Duterte am Dienstag einen sechsmonatigen Notstand an. Die Hauptinsel Luzon, auf der mehr als die Hälfte der über 100 Millionen Einwohner des Landes leben, wurde für einen Monat abgeriegelt. Dort fällt der Schulunterricht aus, der öffentliche Nahverkehr steht still. 187 Infektionen und mindestens zwölf Corona-Tote meldete das Land.