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Julien Clerc in Luxemburg
Der Glanz in den Augen der Frauen

So schön bunt wie im Olympia in Paris: Julien Clerc bei seinem Konzert in Esch.
So schön bunt wie im Olympia in Paris: Julien Clerc bei seinem Konzert in Esch. FOTO: Eric Devillet/Francofolies du Luxembourg / Eric Devillet
Esch. Julien Clercs Konzert in Esch hat das neue Francofolies-Festival in Luxemburg gekrönt. Von Oliver Schwambach

Höchste Zeit, den Luxemburgern mal „merci“, „danke“ oder „villmools merci“ zu sagen. Holen sie doch in der Philharmonie und in der Rockhal ständig musikalische Welt- und Extraklasse auch für uns quasi direkt vor die Haustür. Jetzt gibt’s dazu in Esch-sur-Alzette noch eine Dependance der großartigen Francofolies. Wer mal nicht bloß als Saarländer denkt, sondern großregional fühlt, kann, nein muss das einfach fantastisch finden.

Dank des kleinen Ablegers des großen Francofolies-Urfestivals von La Rochelle war jetzt auch Julien Clerc, einer der letzten französischen Chanson-Granden, im alten Stahlstädtchen Esch zu Gast. Doch was darf man noch von einem, pardon, älteren Herrn erwarten? In ein paar Wochen feiert Monsieur Paul Alain Leclerc, wie er eigentlich allerweltsnamentlich heißt, seinen 71. Und man weiß ja: Er hat immer gelebt wie er singt, mit aller Lust – und das in allen Daseinslagen.

Die ersten Schritte ins Rampenlicht: zaghaft, tastend, als müsse Clerc sich erst wieder seines Star-Selbst versichern. Dabei ist er seit einem halben Jahrhundert ein Gefeierter, überall dort, wo man Französisch spricht. Doch es braucht nur wenige Takte von „Si on chantait“. Und alle, alle singen, im Parkett wie im Rang, jedes Wort. So selbstverständlich als sei das irgendwie Teil gallischer DNA. Dann wächst das kleine städtische Theater in Esch, wird zum Olympia in Paris, dem Nabel des Chanson-Universums. Und Clercs Lächeln überstrahlt plötzlich die ganzen Scheinwerferbatterien hinter ihm, dann wagt er sogar mal einen Hüftwackler, das Rockerherz, „Coeur de rocker“, schlägt höher. Nie aber wird der Abend inniger als zu jenem Augenblick, da Clerc mit „C’est en septembre“, dieser Hymne an Frankreichs Süden, sich vor einem noch Größeren verneigt, der ihm auch Mentor war: Gilbert Bécaud.



Nein, natürlich kann nicht mehr alles wie früher sein. Clercs Stimme war mal wie der Scirocco, der Wind, der von der Sahara heranstürmend heiß und wirbelnd über die Mittelmeerküste hereinbricht. Heute weht das Lüftchen öfters lau. Die Stimme tönt leicht heiser, eher brüchig als geschmeidig. Aber er muss auch nicht mehr jeden Höhenton attackieren, jede Melodie umschmachten, er hat eine exzellente Combo an der Seite, gekrönt von einem veritablen Streich- und Gesangsquartett, vier Damen, die bei sängerischen Klippen stets zur Stelle sind. Ihn charmant geleiten. Ohne Clerc aber wäre das alles ohne Bedeutung, seine Präsenz füllt den Saal, beglaubigt die Worte seiner Leidenschaftslieder. Deren innigstes Konzentrat ist „Femmes, je vous aime“, und hundertfacher Augenglanz im Saal beweist: Jede fühlt sich gemeint. Und die zugehörigen Herren Begleitung werden nicht mal eifersüchtig, sondern rufen „Bravo Julien!“. Wie macht er das bloß?

Gute anderthalb Stunden ist Julien Clerc für sein Publikum da, das ihn gerne noch länger feiern würde. Am Ende aber war es wohl doch auch ein Kraftakt für ihn. Aber man hofft, dass er ihn noch lange, lange auf sich nimmt.