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Leitartikel
Merz, die Millionen und ein interessantes Detail

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Es ist Privatsache, dass Friedrich Merz jährlich eine Million Euro verdient. Politisch dürften sich Nutzen und Schaden dieser Nachricht ohnehin die Waage halten. Von Werner Kolhoff

Einerseits könnten Gegner sein hohes Einkommen natürlich für Neidkampagnen nutzen. Andererseits mögen aber gerade die CDU-Wähler durchaus die Erfolgreichen.

Außerdem: In die Kategorie Normaleinkommen, geschweige denn arm, gehören auch die anderen Bewerber um den CDU-Vorsitz nicht, weder die frühere saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, noch der Bankkaufmann und Minister Jens Spahn. Von den Kandidaten muss keiner wirklich lange nachdenken, ob er ins Restaurant geht, sich ein Auto kauft oder eine Wohnung in Berlin. Das ist alles sehr gehobene Mittelschicht, wie alle Spitzenpolitiker in allen Parteien. Merz halt nur noch etwas gehobener, mit zwei kleinen Flugzeugen. Zweifellos ein teures Hobby, aber das sind Pferde (von der Leyen, Nahles) auch.

Außerdem sagt das Einkommen nicht viel über das Denken. Die SPD hatte auch mal den Industriellen Philip Rosenthal, der es bis zum Staatssekretär brachte und in seinem Unternehmen die Mitbestimmung nach Kräften förderte. Es kommt eben viel mehr darauf an, ob ein Politiker trotz Reichtums noch Bodenhaftung hat, ob er noch Kontakt zur Realität der „normalen“ Menschen unterhält und über Empathie für ihre Lage verfügt. Das müssen die CDU-Mitglieder bei den Regionalkonferenzen bei allen Bewerbern herausfinden, nicht, was bei jedem auf dem Gehaltszettel steht.



Bisher war der parteiinterne Wahlkampf der CDU sehr fair. Keiner der Bewerber ist der Verführung erlegen, die Konkurrenten anzugreifen; der Blick auf das Ganze, auf den Erfolg der Union, überwiegt. Persönliches ist weitgehend in der Schublade geblieben, zu Recht. Für die Bewertung der Bewerber ist nicht der jeweilige private Hintergrund entscheidend. Nicht Spahns Homosexualität, nicht Kramp-Karrenbauers Katholizismus und auch nicht Merz’ Millionen. Sondern das, was sie sagen.

Im Übrigen: Ab 100 000 oder 200 000 Euro Jahreseinkommen aufwärts kann man sein Geld für persönlichen Luxus sowieso nicht mehr ausgeben, erst recht nicht als Politiker. Da fängt die Ebene der Geldvermehrung an, als Unternehmer, als Vermieter, als Aktionär, als Spekulant.

Hier allerdings wird die Sache interessanter, auch im Fall Merz.  Dass der Kandidat zum Beispiel findet, viel mehr Deutsche müssten Aktien besitzen, lässt eher einen Erfahrungshorizont vermuten, der Leute, die am Monatsende nichts zum Aktienkaufen übrig haben, nicht mehr auf dem Radar hat. So etwas sollten die CDU-Mitglieder fragen, vielleicht auch noch, wie er Mieter vor Erhöhungen schützen will, nicht tarifgebundene Beschäftigte vor Ausbeutung, Rentner ohne Vermögen vor Altersarmut und den Staat vor Cum-Ex-Spekulanten. Das wollen die Wähler später nämlich auch alles wissen.