| 21:10 Uhr

Fußball-WM in Russland
Cavani und Co. schicken Ronaldo nach Hause

Sotschi. Der Stürmer von Uruguay erzielt beide Tore beim 2:1 gegen Portugal, muss danach aber verletzt ausgewechselt werden.

Tief in der Nacht humpelte Uruguays verletzter Fußball-Held Edinson Cavani ins Mannschaftshotel in Sotschi, da vergaß er beim begeisternden Empfang durch hunderte Fans für einen Moment die Schmerzen. „Edi, Edi, Edi!“, brüllten die vom Viertelfinaleinzug euphorisierten Anhänger immer wieder den Namen des Matchwinners beim 2:1 (1:0)-Sieg der Himmelblauen im WM-Achtelfinale über Europameister Portugal. Cavani winkte lächelnd in die jubelnde Menge, dann verschwand der Doppeltorschütze auf seinem Zimmer.

„Ich bin unendlich glücklich. Es ist unglaublich beeindruckend und es rührt mich zutiefst, was hier passiert ist. Das haut mich um“, gab Cavani zu. „Aber jetzt geht es weiter. Wir sehen, dass das Ganze jetzt läuft und müssen diesen Traum weiterleben. Wir glauben, dass wir bis zum Schluss durchhalten können.“ Ob der Topstürmer vom französischen Meister Paris im Viertelfinale gegen Vize-Europameister Frankreich um seinen Vereinskollegen Kylian Mbappé dabei mithelfen kann, ist jedoch fraglich. Direkt nach dem Duell mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo, das Cavani klar für sich entschied, begann nämlich das große Bangen um den 31-Jährigen.

„Wir alle hoffen und drücken die Daumen, dass er sich so schnell wie möglich erholt. Edi ist sehr wichtig für die Mannschaft“, sagte sein kongenialer Sturm-Partner Luis Suárez. Auch Uruguays Trainer Oscar Tabarez bleibt vor dem Duell mit den Franzosen nur die Hoffnung. Er mache sich Sorgen, da nicht viel Zeit bleibe, sagte der 71-Jährige. „Es ist noch unklar, wie ernst es ist“.



Gestützt von Ronaldo und unter dem Applaus der Zuschauer war Cavani in der 74. Minute vom Feld gehumpelt. Wade, Knie, Schienbein – den genauen Ort der Schmerzen konnte er zunächst selbst nicht so genau lokalisieren. „Ich habe einen Schlag abbekommen“, berichtete er. Sollte Cavani ausfallen, wäre das für die Südamerikaner ein herber Verlust. Wer soll ihn auch ersetzen? Das Offensivspiel Uruguays lässt sich auf zwei Namen reduzieren: Suárez und Cavani. Beim frühen 1:0 in der 7. Minute hatte Cavani zunächst das Spiel mit einem langen Querpass auf Suárez verlagert. Dieser flankte anschließend in den Strafraum, wo Cavani den Ball zur Führung ins Tor köpfte. Beim spiel­entscheidenden 2:1 schlenzte der Matchwinner den Ball dann herrlich ins lange Eck.

Der ausgeschiedene Cristiano Ronaldo lächelte nach dem Ende seines vielleicht letzten WM-Traums vieles weg. Seinen Frust über den nächsten gescheiterten Anlauf auf den goldenen Pokal wollte sich Portugals Weltfußballer nicht ansehen lassen. Ausführlich darüber reden mochte der 33-Jährige nicht. Aber zumindest an einem Mikrofon des Weltverbandes Fifa blieb er dann doch für wenige Sekunden stehen – und deutete seinen Abschied aus der Nationalelf an. „Ich bin mir sicher, dass die Seleção auch in Zukunft zu den Besten der Welt gehören wird, mit großartigen Spielern und einer fantastischen, jungen Mannschaft“, sagte „CR7“. Ob er nach der früh zerstörten Titel-Hoffnung dann auch noch zu dieser Mannschaft gehört, ließ der Champions-League-Sieger von Real Madrid dagegen offen. Das sei nicht der Moment, um darüber zu reden, meinte er knapp.

Auch wenn Ronaldo es sich nicht ansehen lassen wollte, der Abschied von dem Turnier in Russland war schmerzhaft für ihn. Er hat in seiner außergewöhnlichen Karriere praktisch alles gewonnen – und das mehrfach. Aber zwischen all den Champions-League-Erfolgen, dem EM-Titel vor zwei Jahren, den Meisterschaften und Pokalsiegen, wird ihm sehr wahrscheinlich immer der eine Pokal fehlen, der seine große Karriere zur größten gemacht hätte. Bei der nächsten WM 2022 in Katar wäre er 37 Jahre alt.

Nationaltrainer Fernando Santos will sich eine Zukunft des Nationalteams ohne den Superstar gar nicht vorstellen. „Wir haben viele junge Spieler in der Mannschaft, und da ist es wichtig, dass der Kapitän an Bord bleibt“, sagte der 63-Jährige. „In solchen Momenten hat er bisher immer „Ja“ gesagt.“ Diesmal aber könnte es anders kommen.

Anders als es etwa Polens Kapitän Robert Lewandowski getan hatte, verlor Ronaldo nach dem bitteren Ende der WM-Mission keine schlechten Worte über seine Mitspieler. Stattdessen gratulierte er dem Sieger und Doppeltorschütze Cavani, den er wenige Minuten vor dem Ende der Partie gestützt und Arm in Arm vom Platz zur Auswechslung geführt hatte. Diese Geste ließ viele Zuschauer in der Arena aufstehen und applaudieren. Vielleicht war es die letzte von Cristiano Ronaldo im Trikot der Nationalmannschaft.