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Filmfestspiele in Cannes
Cannes zwischen „MeToo“-Debatte und Netflix-Boykott

Cannes. Beim Festival an der Croisette sind nur drei Filme im Hauptwettbewerb von Frauen.

Der Strand an der Croisette ist rechtzeitig aufgehübscht worden. Baustellen gibt’s beim Filmfestival von Cannes, das am Dienstag beginnt, allerdings noch genug. Im Zuge der „MeToo“-Debatte muss sich auch das Festival an der Côte d‘Azur mit sexuellen Übergriffen in der Filmbranche auseinandersetzen. Und dann liegt das Festival auch noch mit dem Streamingdienst Netflix im Clinch.

Der Skandal um den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wirft auch auf Cannes seine Schatten. „Das Festival wird ohne Zweifel nicht mehr dasselbe sein“, sagte sein Direktor Thierry Frémaux. In der Jury jedenfalls ist das Bewusstsein für die Problematik ausgeprägt: Ihr gehört unter anderem die französische Schauspielerin Léa Seydoux an, die Weinstein ebenfalls sexuelle Übergriffe vorwirft. Die Jury-Vorsitzende, die australische Schauspielerin Cate Blanchett, ist eine Unterstützerin der Initiative Time‘s up für Opfer sexueller Übergriffe. Von sexueller Gewalt abgesehen wird die Rolle von Frauen beim Festival in Cannes auch allgemein kritisiert. Dieses Jahr stammen nur drei der 21 Filme im Hauptwettbewerb von Frauen. Die Festivalleitung verweist darauf, dass dieses Verhältnis lediglich widerspiegele, dass Frauen im Filmgeschäft unterrepräsentiert seien. „Es wird bei der Auswahl niemals eine positive Diskriminierung von Frauen geben“, sagte Frémeaux. Eröffnet wird das Festival – wieder mal – von einem Mann. Der iranische Regisseur Ashgar Farhadi stellt seinen Psychothriller „Everybody Knows“ vor.

 Aus freier Entscheidung fernbleiben wird der Streamingdienst Netflix. Das US-Unternehmen boykottiert die Festspiele wegen einer Regelung, wonach Wettbewerbsfilme drei Jahre vor dem Streaming in französischen Kinos gezeigt werden müssen.