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Bundesregierung sagt Plastikmüll den Kampf an
Regierung verbietet Plastiktüten ab 2020

 Plastiktüten sollen aus dem Handel verschwinden. Die Bundesumweltministerin hat einen Gesetzes-Entwurf auf den Weg gebracht.
Plastiktüten sollen aus dem Handel verschwinden. Die Bundesumweltministerin hat einen Gesetzes-Entwurf auf den Weg gebracht. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Berlin. Leichte Tragetaschen aus Kunststoff sollen aus dem Handel verschwinden. Eine Ausnahme bleiben leichte Tütchen, etwa für Obst und Gemüse. dpa

„Möchten Sie eine Plastiktüte?“ Diese Frage an der Ladenkasse sollen Kunden ab 2020 nicht mehr zu hören bekommen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat am Freitag einen Gesetzentwurf vorgelegt, der „leichte Kunststofftragetaschen“ verbietet. „Ich bin sicher, dass schon bald kaum einer die Wegwerftüten vermissen wird“, sagte die SPD-Politikerin. Die ganz leichten Tütchen, etwa für Obst und Gemüse, und auch besonders stabile Modelle sind nicht betroffen.

In Deutschland würden pro Jahr und Kopf noch 20 leichte Plastik-Tragetaschen verbraucht, heißt es im Entwurf: „Häufig landen sie in der Umwelt, wo sie über viele Jahrzehnte verbleiben und jede Menge Schäden anrichten können“, erklärte Schulze. Verboten werden soll Geschäften, solche Tüten auszugeben, „die dazu bestimmt sind, in der Verkaufsstelle mit Waren gefüllt zu werden“. Das sei aber nur ein Schritt, Wegwerfplastik insgesamt zu verbieten, sagte die Ministerin. „Die Plastiktüte, das ist erst der Anfang.“

Seit 2016 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Plastiktaschen an der Ladenkasse nicht umsonst rauszugeben. Diese hatte Erfolg, der Verbrauch ging insgesamt von 68 Stück pro Kopf im Jahr 2015 zurück auf 24 im vergangenen Jahr – von den Tüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 49 Mikrometer, die Schulze nun verbieten will, kamen 2018 noch 20 Stück pro Kopf in Umlauf. Die EU-Vorgaben unterbietet Deutschland damit deutlich.



Der Handelsverband HDE, der die Vereinbarung mit dem Umweltministerium getroffen hatte, reagierte verärgert: „Das Verbot ist ein klarer Vertrags- und Vertrauensbruch“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der „Welt“. „Der Handel mit seinen drei Millionen Beschäftigten fragt sich, ob man sich auf das Wort der Regierung noch verlassen kann.“ Auch die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zeigte kein Verständnis: Plastiktüten würden „nach oftmals mehrmaligem Gebrauch als Müllbeutel verwendet“. Sie landeten nur in der Umwelt, wenn Verbraucher sie falsch entsorgten. In den vergangenen Jahren hatte sich das Umweltministerium mit dem Rückgang der Tütenzahl eigentlich zufrieden gezeigt, obwohl Umweltverbände mehr forderten. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach von einer „schönen Sache“, die aber eher eine „symbolische Maßnahme“ sei. Es brauche ein Gesamtkonzept gegen Verpackungsmüll. Der WWF sieht das auch so: Dem Verbot komme in Deutschland „eher symbolische Bedeutung zu“, sagte Abfallexperte Bernhard Bauske. „Wenn stattdessen der Verbrauch von Papiertüten steigt oder die Verbraucher auf die kostenlosen Hemdchenbeutel von der Obsttheke ausweichen, ist aus ökologischer Sicht nichts gewonnen.“ Umweltverbände wie der Nabu weisen darauf hin, dass Papiertüten sich leichter zersetzen, aber in der Herstellung nicht ökologischer sind als Plastiktüten. Lob kam von der Deutschen Umwelthilfe (DUH): Das Verbot sei richtig, so die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Für die Herstellung der Tüten würden Ressourcen vergeudet und das Klima belastet. „Begleitend zu einem Tütenverbot sollten im Handel attraktive Mehrwegtragetaschen als Alternative zum Kauf angeboten und deren häufige Wiederverwendung durch Bonuspunkte oder Rabatte gefördert werden“, sagte sie.