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Handwerk mit Tradition
Bürstenmacher brauchen flinke Finger

Kristina Bauer, Azubi zur Pinsel- und Bürstenmacherin, misst die Länge der Borsten in einer Zwinge.
Kristina Bauer, Azubi zur Pinsel- und Bürstenmacherin, misst die Länge der Borsten in einer Zwinge. FOTO: dpa-tmn / Daniel Karmann
Bechhofen. Hochwertige Pinsel werden immer noch per Hand hergestellt. Doch auch das traditionsreiche Handwerk setzt auf moderne Maschinen, um mit der Zeit zu gehen. Die Branche ist klein und sucht Nachwuchs.

() Plötzlich rutscht das ganze Büschel Haare weg und verteilt sich kreuz und quer über den Tisch. Bei der Herstellung von Pinseln ist Konzentration gefragt, rasch kann etwas schiefgehen. Auch Kristina Bauer hat manches Missgeschick erlebt. „Am Anfang habe ich mich mit den Formen sehr schwer getan“, erzählt sie. Inzwischen ist sie im dritten Ausbildungsjahr zur Bürsten- und Pinselmacherin und bereits routiniert. „Heute habe ich zum Beispiel Katzenzungen gemacht“, erzählt sie. Das sind flache Pinsel mit ovaler Spitze.

Die 17-Jährige macht ihre Ausbildung in Bechhofen, bei der Zahn Pinsel GmbH. Der Ort ist ein traditionelles Zentrum der Pinsel- und Bürstenproduktion. Die deutschlandweit einzige Berufsschule für diese Profession hat hier ihren Sitz.

Bürsten- und Pinselmacher arbeiten mit Tierhaaren und -borsten sowie pflanzlichen und synthetischen Fasern. Diese schneiden die Handwerker auf die richtige Länge und fassen sie zusammen. Die Bündel befestigen sie an Bürstenkörpern. Bei Pinseln werden sie mit Metallzwingen eingefasst. Keine einfache Aufgabe. „Dabei kann es passieren, dass man die Haare vertauscht oder das Rohmaterial einfach rausfällt“, erläutert Timo Schwarzer. Der 28-jährige Meister bildet bei der Zahn Pinsel GmbH angehende Bürsten- und Pinselmacher aus. Auch wenn anfangs mal etwas schiefgeht: „Spätestens nach drei bis vier Monaten hat man ein gewisses Grundgefühl“, sagt Schwarzer. Fingerfertigkeit ist eine Voraussetzung für diesen Job.



Praxisphasen wechseln sich in der dreijährigen Ausbildung mit Blockunterricht an der Berufsschule ab. Dort lernen Azubis etwa verschiedene Haarsorten kennen. Neben der Materialkunde werden auch Fachrechnen und Fachzeichnen gelehrt. Auf dem Plan steht außerdem die Arbeit mit Maschinen.

Pinsel der gehobenen Klasse entstehen nach wie vor hauptsächlich in Handarbeit. Bei der Bürstenherstellung allerdings werde inzwischen vor allem mit Maschinen gearbeitet, erklärt Brigitte Seyfried vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Der vermehrte Einsatz von Maschinen sei deshalb in der neuen, 2017 in Kraft getretenen Ausbildungsordnung berücksichtigt worden. Die kleine Branche der Pinsel- und Bürstenhersteller konzentriert sich vor allem auf Bayern und Sachsen. Und es ist ein Handwerk mit wenig Nachwuchs. Die meisten Gesellen bleiben in ihrem Lehrbetrieb, sagt BIBB-Expertin Seyfried. „Die Fluktuation ist gering.“ Zahn betont: „Wir bilden aus, um zu übernehmen.“ Zahns Betrieb wurde vor 110 Jahren von seinem Ur-Ur-Großvater gegründet. „Es ist immer noch ein Handwerksberuf. Aber wir müssen mit der Zeit gehen“, sagt er. So stellt der Betrieb unter anderem vegane Pinsel her und nutzt moderne Technologien wie etwa einen 3D-Drucker für die Herstellung von Prototypen und Werkzeugen.

Seit Mitte der 90er-Jahre seien in Deutschland viele Betriebe vom Markt verschwunden. Vor allem solche, die billige Pinsel für den Massenmarkt hergestellt hätten. „Diejenigen, die sich eine Nische gesucht haben, haben überlebt“, sagt Zahn. Sein Betrieb hat sich auf Pinsel für Künstler spezialisiert. Hinzu kommen Schmink- und Rasier-, Maler- und medizinische Pinsel.

(dpa)