| 22:51 Uhr

Brandstiftung
Feuerwehr nach Brandanschlag ausgesperrt

 Unfassbar: Autos von Anwohnern wurden in der Nacht zum gestrigen Mittwoch vor dem Feuerwehrgerätehaus im Wadgasser Ortsteil Werbeln angezündet, die Schlösser zur Feuerwache waren vorsätzlich verstopft worden. 
Unfassbar: Autos von Anwohnern wurden in der Nacht zum gestrigen Mittwoch vor dem Feuerwehrgerätehaus im Wadgasser Ortsteil Werbeln angezündet, die Schlösser zur Feuerwache waren vorsätzlich verstopft worden.  FOTO: Ruppenthal
Werbeln . Sechs Autos brennen in Wadgassen-Werbeln. Die Feuerwehr kommt zunächst nicht an ihre Geräte – der Brandstifter hat vorgesorgt. Von Rolf Ruppenthal und Nicole Bastong

Mittwochmorgen, kurz vor sechs Uhr, es dämmert. Erschöpfte Feuerwehrmänner und -frauen sitzen im Gemeinschaftsraum des Feuerwehrgerätehauses im Wadgasser Ortsteil Werbeln, stärken sich mit Kaffee, Cola und Brötchen. Konsterniert lassen sie den zurückliegenden außergewöhnlichen Einsatz noch einmal Revue passieren: Ein hinterhältiger Brandanschlag, der nicht nur sechs Autos zerstörte, sondern bei dem die Feuerwehr zunächst am Löschen gehindert wurde.

Um 3.20 Uhr piepsten die Melder, die Sirene heulte: Anwohner hatten den Autobrand in der Ludweiler Straße gemeldet. Die eintreffenden Feuerwehrleute trauten ihren Augen nicht: Direkt vor dem Feuerwehrgerätehaus brannten geparkte Autos von Anwohnern lichterloh. Doch als sie in aller Eile die Tore des Gerätehauses aufschließen wollten, funktionierten die Schlösser nicht: Jemand hatte sie verstopft, vermutlich der oder die Brandstifter. Kurzentschlossen schlugen die Einsatzkräfte die dicken Sicherheitsglasscheiben der Eingangstore ein. Ein 26-jähriger Feuerwehrmann verletzte sich dabei schwer an der rechten Hand, er wurde im Krankenhaus behandelt.

„Das war vorsätzliche Brandstiftung“, erklärt Peter Becker, Werbelner Löschbezirksführer und stellvertretender Wadgasser Wehrführer, entschieden. Die Polizei Völklingen bestätigt das, die Ermittler fanden einen Kanister mit Brandbeschleuniger bei den abgebrannten Autos.
Fassungslos sind die Feuerwehrleute vor allem darüber, dass der oder die Täter absichtlich die Schlösser der Eingangstore zum Feuerwehrgerätehaus mit Zahnstochern verstopft haben und so ihren Einsatz behinderten. Der oder die Täter müssen sich gut am Gerätehaus auskennen, meint Wehrführer Guido Hübschen, denn auch der kaum sichtbare Seiteneingang wurde manipuliert. Die Polizei hat die Schlösser ausgebaut und sichergestellt, um sie kriminaltechnisch untersuchen zu lassen.



Auch die Gemeinde reagierte mit Wut und Entsetzen: „Da ist man fassungslos, es fällt einem wirklich nichts mehr ein“, fasst Bürgermeister Sebastian Greiber zusammen, der sich am Morgen vor Ort ein Bild machte. Er verurteilte den „schweren Anschlag auch auf die Arbeit der Feuerwehr“ aufs Schärfste und kündigte verstärkte Patrouillen der Sicherheitsdienste an.

Mit dem Einsatz selbst ist Wehrführer Guido Hübschen hoch zufrieden. „Die Männer und Frauen haben trotz der misslichen Umstände gut gearbeitet“, betont er. Geistesgewärtig hatten die ersten Einsatzkräfte die Löschbezirke Wadgassen Mitte und Differten sowie den DRK-Rettungsdienst nachalarmieren lassen. So waren rund 60 Feuerwehrleute mit insgesamt acht Fahrzeugen im Einsatz. Sie konnten den Brand löschen, bevor er auf weitere daneben parkende Autos übergreifen konnte. Schon so ist der Sachschaden sehr hoch, er liegt laut Polizei bei rund 150 000 Euro; sechs Wagen brannten komplett aus oder wurden stark beschädigt. Weitere Fahrzeuge sollen nach Angaben der Feuerwehr ebenfalls mit einer leicht entflammbaren Flüssigkeit übergossen worden sein. Vorsorglich wurden alle elf Autos auf dem Parkplatz eingeschäumt.

Während des Löscheinsatzes war die Ludweiler Straße für rund eine Stunde voll gesperrt. Eine Ermittlugnsgruppe des Kriminaldienstes der Polizei Völklingen nahm am Morgen die Arbeit auf. Die Beamten hoffen nun auf Zeugen, die in der Nacht zum gestrigen Mittwoch im Umfeld des Werbelner Feuerwehrgerätehauses verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben.

 Die Feuerwehrleute mussten die schweren Sicherheitsglasscheiben am Feuerwehrhaus einschlagen, um an ihre Geräte zu gelangen.
Die Feuerwehrleute mussten die schweren Sicherheitsglasscheiben am Feuerwehrhaus einschlagen, um an ihre Geräte zu gelangen. FOTO: Ruppenthal
 Die Kriminalpolizei Völklingen hat die manipulierten Schlösser am Feuerwehrgerätehaus ausgebaut und wird sie nun auf Spuren untersuchen, die vielleicht zum Täter führen.
Die Kriminalpolizei Völklingen hat die manipulierten Schlösser am Feuerwehrgerätehaus ausgebaut und wird sie nun auf Spuren untersuchen, die vielleicht zum Täter führen. FOTO: Ruppenthal