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Bizarrer Weihnachtskrieg in den USA
„Merry Christmas“ oder einfach nur „Frohes Fest“?

Washington. In den USA bricht jedes Jahr aufs Neue ein kurioser Krieg aus. Die Konservativen wollen verhindern, dass das Christliche im Weihnachtsgruß zu kurz kommt. Auch Präsident Donald Trump mischt ordentlich mit. Von Frank Herrmann

Weihnachten ist die Zeit, in der die USA wahre Lichterkettenorgien feiern. Es ist aber auch die Zeit bizarrer Wortschlachten, denn jedes Jahr aufs Neue bricht ein Krieg aus: „The War on Christmas“. In den US-Kaufhäusern wird den Verkäufern eingeschärft, ihren Kunden einfach nur „Happy Holidays“ hinterherzurufen – schöne Feiertage. Aber das christlich-konservative Amerika ist damit nicht einverstanden. Es beklagt sich über das Diktat des politisch Korrekten, über die Allerweltszeile „Happy Holidays“.

An vorderster Front marschierte lange Zeit ein sehr konservativer Fernsehmoderator namens Bill O’Reilly, der dafür sorgte, dass sich seine These, wonach sich Weihnachten im Belagerungszustand befinde, wie ein Schlachtruf durch die Reihen seiner Fans zog. Immer zur Weihnachtszeit durfte O’Reilly auf dem konservativen Nachrichtensender Fox News gegen den Happy-Holidays-Unfug wettern, bevor er seinen Studiosessel räumen musste. Einmal erklärte O‘Reilly, die Liberalen wollten aus Weihnachten ein säkulares Fest machen. Denn sie strebten ein neues Amerika an, in dem für Weihnachten, wie man es kenne, kein Platz mehr sei. Fünf Monate vor seinem Rausschmiss verkündete er feierlich, dass der Weihnachtskrieg nunmehr entschieden sei: „Gewonnen haben die Guten“. Denn jetzt habe sich Donald Trump der Sache angenommen. Das war im Dezember 2016, einen Monat nach dem Wahlsieg des Immobilie-Tycoons. Der ließ eine Bühne in Wisconsin mit einer langen Reihe bunt geschmückter Weihnachtsbäume dekorieren und feierte einen Triumph. Nicht nur den an den Wahlurnen, sondern auch den im Weihnachtsgefecht. 18 Monate zuvor hatte der Kandidat Trump auf seiner allerersten Kundgebung in Wisconsin versprochen, „dass wir eines Tages zurückkommen und endlich wieder Merry Christmas sagen“. Mittlerweile fliegt der Präsident jeden Dezember mindestens einmal in die Provinz  um eine Merry-Christmas-Kundgebung zu zelebrieren.

Weihnachten in Amerika, eine kontroverse Angelegenheit. Da gibt es die America Family Association, angesiedelt in Tupelo in Mississippi, die sich als Aufpasserin versteht. Sie wacht darüber, welche Geschäftskette, so wörtlich, frech und welche brav ist. Welches Unternehmen Weihnachten in seiner Werbung angemessen würdigt und welches das Christliche zu kurz kommen lässt. Starbucks handelt sich dort regelmäßig eine Rüge ein, weil die vorweihnachtlichen Becher der Kaffeehausmarke nach dem Geschmack der evangelikalen Wächter viel zu beliebig sind.



Dennoch: Die Fronten im Weihnachtskrieg sind vielleicht gar nicht so verhärtet, wie es aussieht. Die meisten Amerikaner sehen in dem Krieg nur eine Serie von Scheingefechten. Nach einer Umfrage des Pew-Instituts favorisieren 32 Prozent die Formel „Merry Christmas“, während 15 Prozent das unverfängliche „Happy Holidays“ bevorzugen. Eine Mehrheit, 52 Prozent, kann mit jeder Variante leben.