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Projekt Icarus
Biologen wollen Tiere aus dem Weltraum verfolgen

 Forscher des Icarus-Projekts wollen aus dem All Wanderungen vieler Tierarten verfolgen. Bei ersten Tests wurden Elefanten mit Sendern ausgerüstet.
Forscher des Icarus-Projekts wollen aus dem All Wanderungen vieler Tierarten verfolgen. Bei ersten Tests wurden Elefanten mit Sendern ausgerüstet. FOTO: dpa / Rolf Ruppenthal
Berlin. Das Projekt Icarus soll von der Internationalen Raumstation aus Daten über viele Tierarten sammeln. Erste Tests in der afrikanischen Steppe.

(np) In der Wissenschaft werden Forschungsthemen gern mit seltsamen Abkürzungen belegt. Icarus ist ein Beispiel dafür. Der Name stammt aus der griechischen Sagenwelt – Icarus war ein junger Mann, der sich aus Federn gefertigte Flügel umschnallte, um damit zu fliegen. Weil er mutwillig zu hoch aufstieg, zerstörte die Sonnenhitze die Federkonstruktion und er stürzte ab. Der Icarus aus der Mythologie steht also für den Absturz als Folge des Übermuts.

Nun hat sich ein Forschungskonsortium des Namens des antiken Bruchpiloten bemächtigt und gibt ihm eine ganz andere Bedeutung. Auch hier steht Icarus für hochfliegende Ideen – doch bitteschön keinen Absturz. Die „International Cooperation for Animal Research Using Space“ ist eine Fernerkundungsplattform im Weltraum, welche die Wanderung vieler Tierarten auf der Erdoberfläche verfolgen will.

Eine auf der Internationalen Raumstation ISS installierte Sende- und Empfangsanlage soll mit einem von der Max-Planck-Gesellschaft und der Uni Konstanz entwickelten Computersystem Flugstrecken von Zugvögeln, Wanderungen von Tieren am Boden und im Meer aus der Umlaufbahn verfolgen. Das weltweite Überwachungssystem kann mit über 15 Millionen Miniatursendern an jedem Ort der Erde kommunizieren. Da sich die Flugbahn der ISS bei jedem ihrer 93 Minuten dauernden Orbits um 2500 Kilometer nach Westen verschiebt, decken die Empfangsantennen an einem Tag bis zu drei Viertel der Erdoberfläche ab. Wissenschaftler des deutsch-russischen Tierbeobachtungssystems haben nun erstmals in Namibia Elefanten, Antilopen, Gnus, Giraffen, Zebras und Geparden mit fünf Gramm schweren elektronischen Ohrmarken versehen, um das System zu prüfen, berichtet der Forschungsverbund Berlin. „Wir wollen testen, welche der Sender für die Beobachtung der Tierwanderungen in der afrikanischen Savanne am besten geeignet sind“, sagt Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie und Leiter von Icarus.



Viele der großen Säugetiere Afrikas legten bei der Suche nach neuen Weideplätzen riesige Entfernungen auf dem Kontinent zurück. „Die Icarus-Sender werden uns künftig verraten, wo Mensch und Tier aufeinandertreffen und wie wir die Tiere am besten schützen können“, erklärt Jörg Melzheimer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

Beim Datensammeln erhoffen sich die Icarus-Wissenschaftler in einem zweiten Schritt auch Unterstützung am Boden. Wenn das System voll in Betrieb ist, können Schüler und Hobbyforscher mit sogenannten Animal-Tracker-Apps Zusatzinformationen sammeln. Denn das Computersystem verrät den Biologen nur den Standort der Tiere, aber nicht, was es gerade tut.

www.tiersensoren.mpg.de/4100/
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