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Zweite Demokraten-Vorwahl
Sanders schlüpft bei Vorwahl in New Hampshire in die Favoritenrolle

 Bernie Sanders, hier bei seiner Rede in Manchester, New Hampshire, punktet vor allem bei jungen Wählern.
Bernie Sanders, hier bei seiner Rede in Manchester, New Hampshire, punktet vor allem bei jungen Wählern. FOTO: AP / Pablo Martinez Monsivais
Washington . Von Friedemann Diederichs

Diesmal ging, anders als beim chaotischen Vorwahl-Auftakt in Iowa, alles ganz schnell. Schon deutlich vor Mitternacht stand für Bernie Sanders fest, dass er zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ganz stark abschneiden würde – und damit erst einmal in die Favoritenrolle für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten schlüpft. „Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende von Donald Trump“, war deshalb auch sein viel umjubelter Kernsatz vor Anhängern und seiner Familie in New Hampshire. Mit rund 26 Prozent verwies der 78-jährige Sanders den jungen Partei-„Shooting star“ Pete Buttigieg auf Platz zwei. Der 38-jährige Buttigieg, der bisher lediglich als Bürgermeister im Bundesstaat Indiana Erfahrung sammeln konnte und in Iowa die Mehrzahl der Delegierten erhalten hatte, kam auf 24,4 Prozent und sah sich in seiner Ansprache bereits als „Vertreter einer Mehrheit“ in den USA – und warnte davor, dass es für einen Wandel in der Gesellschaft keiner „Revolution“ bedürfe. Das war ein klarer Seitenhieb in Richtung Sanders, der mit einigen Positionen – wie einer Verstaatlichung des Gesundheits-Versicherungssystems – Politik propagiert, die Trump beispielsweise als „Sozialismus“ verurteilt hat.

Buttigieg könnte sich nach Ansicht von Beobachtern in den nächsten Vorwahlwahlrunden als Vertreter einer gemäßigten Mitte unter den Demokraten etablieren, zu denen auch die Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota zählt. Sie schnitt in New Hampshire auf Platz drei mit knapp 20 Prozent der Stimmen überraschend gut ab. Doch es gab auch klare Verlierer am Wahltag. Die Senatorin Elizabeth Warren, wie Sanders vom linksprogressiven Flügel der Partei, kam auf gerade einmal 9,3 Prozent. Und Ex-Vizepräsident Joe Biden, der dank seiner acht Jahre als Vertreter von Barack Obama die größte Regierungserfahrung mitbringt, schaffte lediglich Platz fünf mit 8,4 Prozent. Medien wie die New York Post sprachen deshalb gestern auch von einem „spektakulären Kollaps“ des einstigen Favoriten für die Nominierung. Biden hatte diese Pleite angesichts der Umfragen schon vorhergesehen und war deshalb am Dienstagabend gar nicht mehr in New Hampshire, sondern bereits in South Carolina, wo am 29. Februar abgestimmt wird. Dort erwartet er sich dank seiner Unterstützung durch die Afro-Amerikaner einen klaren Sieg und eine Wiederbelebung seiner Kampagne. Doch auch Sanders hat zuletzt seine Beliebtheit bei Schwarzen und Latinos ausbauen können. Das unterscheidet ihn auch von Buttigieg, der Umfragen zufolge von Farbigen so gut wie keine Unterstützung erwarten kann. Und Sanders hat, das zeigen die Ergebnisse von Iowa und New Hampshire, noch weitere Vorteile. Fast die Hälfte aller Wähler unter 30 Jahren stimmte für ihn – ein Wert, den kein anderer Kandidat derzeit erreicht.