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Leichtathletik-EM in Berlin
Berliner City-Experiment ist geglückt

Berlin. Während der Leichtathletik-EM kommen 150 000 Besucher an den Breitscheidplatz zu Wettbewerben und Siegerehrungen.

Robert Harting genoss kurz vor der Diskus-Rente den Auftritt auf der großen Bühne am Breitscheidplatz, die deutschen Europameister um Speerwerfer Thomas Röhler ließen sich gerührt feiern. Das Experiment bei der Leichtathletik-EM mit der Arena für Siegerehrungen in der Berliner City ist geglückt: Nach Angaben der Organisatoren kamen während der Europameisterschaften rund 150 000 Besucher auf die Meile an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

„Das war eine tolle Feier, es war Wahnsinn“, sagte Zehnkampf-Champion Arthur Abele, nachdem er sein Gold erhalten hatte. Über eine Treppe liefen die Medaillengewinner durch ein Spalier begeisterter Fans, auch Robert Harting wurde am späten Samstagabend noch einmal bejubelt. „Es war ein toller Walk. Vielen Dank, dass ich hier sein darf“, rief der 33-Jährige den Zuschauern zu.

„Wir hatten schon große Erwartungen“, sagte Konstantin Krause, Direktor der Meile. „Diese großen Erwartungen sind weit übertroffen worden.“ In der extra errichteten Arena mit 3000 Sitzplätzen fand die große Mehrheit der Siegerehrungen statt, zudem wurden die Wettbewerbe im Gehen und Marathon in der City ausgetragen. „Die Stimmung war ein Wahnsinn an der Strecke“, sagte Geher Nils Brembach, der über 20 Kilometer Fünfter wurde. „Es war eine Super-Entscheidung, die Sportart zur Bevölkerung zu bringen.“



Normalerweise steigen die Siegerehrungen bei Leichtathletik-Großveranstaltungen direkt am Wettkampfort. „Ich war erst skeptisch, ob es funktioniert, außerhalb des Stadions zu gehen“, sagte Weitsprung-Silbergewinner Fabian Heinle. „Aber die Leute haben mich eines Besseren belehrt.“ Dabei war das Areal am Breitscheidplatz im Vorfeld keinesfalls unumstritten. Nur wenige Meter von der Partymeile entfernt befindet sich das Mahnmal in Gedenken an die zwölf Toten des Terroranschlags vor anderthalb Jahren. Das Leben an dem Ort gehe weiter, ohne die Opfer zu vergessen, sagte der Berliner Opferbeauftragte Roland Weber. „Es ist gut, dass dieser Platz während dieser EM ein friedlicher Ort sein wird“, betonte Berlins Bürgermeister Michael Müller während der Eröffnung. Größere Zwischenfälle gab es keine. Die aufsehenerregendste Panne unterlief den Veranstaltern, als sie bei der Ehrung für den polnischen Kugelstoß-Europameister Michal Haratyk die falsche Melodie einspielten.