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Leichtathletik-EM in Berlin
Berlin lädt zur Leichtathletik-Party

 Arbeiter errichten auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche eine Zuschauertribüne für die Leichtathletik-Europameisterschaft.
Arbeiter errichten auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche eine Zuschauertribüne für die Leichtathletik-Europameisterschaft. FOTO: dpa / Paul Zinken
Berlin. Hauptstadt gerüstet für großen Ansturm. Über 270 000 Karten schon verkauft.

Neun Jahre nach dem WM-Spektakel mit den Fabelweltrekorden von Usain Bolt lädt Berlin zur großen Leichtathletik-Party. „Europa erwartet eine EM der Superlative“, sagt der OK-Geschäftsführer Frank Kowalski vor dem Start der Titelkämpfe am Montag. Die Macher haben keine Mühen gescheut. Mit vielen Innovationen im Stadion, der „Europäischen Meile“ im Herzen der Stadt und der Einbettung in die European Championships wollen sich die Titelkämpfe in modernem Glanz präsentieren.

„Berlin ist eine Hochburg der Leichtathletik. Die Wettkämpfe passen hervorragend zu unserer Stadt“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Der Senat steuerte zwölf Millionen Euro zum Budget dazu. Für weitere sechs Millionen wurden Sportstätten modernisiert, 1,5 Millionen flossen ins Rahmenprogramm. Der EM-Gesamtetat liegt bei 33 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel soll durch das Ticketing wieder reinkommen, weiteres Geld fließt durch Vermarktung und Merchandising. „Wir benötigen 330 000 verkaufte Tickets für eine schwarze Null“, sagt Kowalski. 270 000 Tickets wurden bislang verkauft – so viele wie noch nie bei einer EM.

Weitere Zuschauer will man im Herzen der City-West auf der „Europäischen Meile“ abholen. Eine blaue Laufbahn führt um die Gedächtniskirche, der 50 Meter hohe Glockenturm taucht in die EM-Farben ein. Täglich werden bis zu 100 000 Besucher erwartet, die die Siegerehrungen mitverfolgen können. Zusätzlich wird eine Arena mit 3000 Sitzplätzen aufgebaut, weil es auch Sport zu sehen gibt. Die Kugelstoß-Qualifikation der Männer am frühen Montagabend, die Marathon- und Geher-Wettbewerbe am Dienstag, Samstag und Sonntag finden am Breitscheidplatz statt.



Das schlimme Attentat am Breitscheidplatz auf dem Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten im Dezember 2016 hatte die Veranstalter zunächst von der Idee abgebracht. „Wir haben uns aber bewusst entschieden, es doch zu machen. Die Menschen sollen dort Appetit bekommen“, sagt Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Die EM-Macher wollen dem Vorfall Rechnung tragen. Die blaue 400-Meter-Bahn rund um die Kirche soll dort unterbrochen werden, wo der Laster einst entlangraste. Man wird einen Raum der Stille einrichten, außerdem gibt es einen ökumenischen Gottesdienst, bei dem der Opfer des Attentats gedacht wird.

Auch bei den Athleten ist der schlimme Anschlag noch nicht vergessen. „Die Bilder haben alle noch vor Augen. Aber ich glaube, dass es jetzt ausreichend Sicherheitsvorkehrungen geben wird“, sagt der dreimalige Kugelstoß-Europameister David Storl. Generell verspüren die meisten der über 120 deutschen Athleten durch den Ausrichter Berlin großen Rückenwind. „Die Zuschauer werden uns beflügeln“, sagt Hürdensprinterin Cindy Roleder, die wie Storl den EM-Titel zu verteidigen hat.