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Munro-Bagging
Auf steinigem Weg zu den Gipfeln

Etwa die Hälfte des Weges zum Gipfel des schottischen Bergs Ben Lomond ist geschafft: Während des Aufstiegs haben Wanderer den See Loch Lomond ständig im Rücken.
Etwa die Hälfte des Weges zum Gipfel des schottischen Bergs Ben Lomond ist geschafft: Während des Aufstiegs haben Wanderer den See Loch Lomond ständig im Rücken. FOTO: Stephanie Schwarz
Loch Lomond. Wer in Schottland alle 282 Berge über 3000 Fuß, Munros genannt, erklimmt, darf sich „Munroist“ nennen. Eine Lebensaufgabe, an der Namensgeber Sir Hugh Munro selbst Anfang des 20. Jahrhunderts ganz knapp gescheitert ist. Von Stephanie Schwarz

Berge einsacken, auch „Munro-Bagging“ genannt, ist eine schottische Volkssportart. Das Ziel: alle 282 Munros erklimmen. Das sind schottische Berge mit einer Höhe von über 3000 Fuß (914 Metern). Wer das schafft, darf sich offiziell „Munroist“ nennen.

Die Bezeichnung geht auf Sir Hugh Munro zurück, der 1891 als Erster eine Liste der schottischen Berge oberhalb der 3000-Fuß-Marke erstellte, diese vermaß und kategorisierte. Als begeisterter Bergsteiger war es Munros Lebensziel, auf jedem Gipfel der 282 Berge zu stehen. Er starb 1919, damals fehlten ihm zu seinem Ziel nur noch zwei Berge. Mehr als 6000 Menschen bezeichnen sich mittlerweile online als Munroist und standen auf allen 282 Gipfeln.

Der höchste und beliebteste Munro ist der Ben Nevis mit 1345 Metern, nahe des Ortes Fort William im Westen Schottlands. Nirgendwo im Land kommt man höher hinaus. Eine der schwierigsten Bergbesteigungen erwartet Besucher bei den zwölf luftigen Gipfeln der Black Cuillin auf der Insel Skye. Nur erfahrene Bergsteiger mit der richtigen Ausrüstung sollten diesen gefährlichen Weg wagen.



Aber es müssen ja nicht immer gleich Extreme sein und auch nicht alle Munros erklommen werden. Für Anfänger hat die schottische Bergwelt auch einiges zu bieten: den Ben Lomond beispielsweise. Der 974 Meter hohe Berg ist optisch gut platziert. Er erhebt sich an seiner westlichen Seite am Ufer des Sees Loch Lomond. An der östlichen Flanke erstreckt sich ein steiler Bergkessel. Beide Landschaften versprechen atemberaubende Aussichten, sofern das Wetter mitspielt – wofür Schottland leider weniger berühmt ist.

Im Loch Lomond lauert zwar kein schottisches Ungeheuer, dennoch gilt er als schönster See Schottlands. Vom Gipfel sehen  Bergsteiger über den See mit seinen kleinen Inseln. Beim Aufstieg ist der Loch stetig im Rücken der Wanderer. Deshalb sollte man genügend Zeit für einen Blick über die Schulter einplanen. Auf dem Rückweg dagegen haben Bergsteiger den See mit seinen verstreuten Inseln direkt vor Augen. Und damit eine wunderschöne Sicht auf die malerische schottische Landschaft.

Los geht’s mit der etwa siebenstündigen Wandertour am „Rowardennan car park“ am Loch Lomond. Der Schotterparkplatz unter Bäumen kostet am Tag drei Pfund. Bezahlt werden diese an einem Automaten, der nur Kleingeld nimmt – also nicht vergessen, welches einzustecken. Vor Ort gibt es auch ein kleines Häuschen mit Informationstafeln und den letzten Toiletten auf dem Weg nach oben.  Über den Winter sind diese jedoch geschlossen.

Der Weg geht direkt und für gut eine Stunde steil bergauf. Hin und wieder müssen Wanderer durch Metalltore, die die Schafe, die auf dem Berg grasen, innerhalb des Berggebietes halten. Manchmal hört und trifft man auch auf die scheuen Wolltiere. Auf Schildern werden Hundebesitzer darauf aufmerksam gemacht, ihre Tiere nicht frei herum laufen zu lassen – um die Schafe nicht unnötig aufzuscheuchen.

Mit jedem Schritt werden die Ausblicke auf den See atemberaubender. Nach gut einer Stunden taucht der Gipfel in der Ferne auf und man erkennt: Es ist noch ein weiter und anstrengender Weg bis ganz nach oben. Aber erst einmal wird die Steigung flacher und es geht über Grashügel vom See in Richtung Gipfel.

Auf dem letzten Drittel der Wanderung geht es erneut steil bergauf. Zick-Zack-Pfade schlängeln sich die erste Hälfte des letzten Bergstücks hinauf. Der Weg ist hier mit großen Steinblöcken übersät. Festes Schuhwerk ist notwendig, genauso wie regelmäßige Pausen – für die Anfänger unter den Wanderern. Ein weiterer Aussichtspunkt gibt den Blick frei auf die südlichen satten Grashügel-Landschaften, bevor ein langgezogener steiler Weg zur Nordspitze des Berges führt. Von hier aus sind es nur noch etwa 20 Minuten bis zum Gipfel. Es ist fast geschafft! 

Der Lohn der schweißtreibenden Wanderung ist ein 360-Grad-Rundumblick über den See, den Bergkessel und die umliegenden Berge. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Wanderer sollten, egal wo in Schottland sie unterwegs sind, immer das Wetter im Auge behalten. Sonnige Aussichten beim Start bedeuten nicht automatisch einen guten Ausblick vom Gipfel. Wind, Regen und Nebel können hierzulande sehr schnell aufziehen und den Gipfel-Ausblick trüben.

Was dann noch bleibt: Regenjacke anziehen, auf dem Weg nach unten nicht ausrutschen und es beim nächsten Munro noch einmal probieren. Wer das noch 281 Mal wiederholt, kann sich Munroist nennen.

Ausblick vom Gipfel des 974 Meter hohen Ben Lomond.
Ausblick vom Gipfel des 974 Meter hohen Ben Lomond. FOTO: Stephanie Schwarz
Ben Lomond und Loch Lomond in Schottland
Ben Lomond und Loch Lomond in Schottland FOTO: Stephanie Schwarz
Loch_Lomond in Schottland
Loch_Lomond in Schottland FOTO: SZ / Müller, Astrid