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Bad Gastein
Ein Alpenstädtchen macht sich schick

Mitten in Bad Gastein liegt das Wahrzeichen des österreichischen Städtchens, der Wasserfall. Hier soll sich Kaiserin Sisi fast hineingestürzt haben.
Mitten in Bad Gastein liegt das Wahrzeichen des österreichischen Städtchens, der Wasserfall. Hier soll sich Kaiserin Sisi fast hineingestürzt haben. FOTO: KOENIGSHOFER
Bad Gastein. Bad Gastein war einst ein Treffpunkt der europäischen Prominenz. An diese Geschichte will die österreichische Stadt wieder anknüpfen. Von Eric Kolling

Ein Abstecher zum Bad Gasteiner Wasserfall ist für Besucher Pflicht. Nicht nur, weil das imposante Wahrzeichen mitten im Zentrum der mondänen Alpenstadt in Österreich tost. Vielmehr liegt es daran, dass sich jede Menge Geschichten um ihn ranken. Elisabeth Kröll, die für den Kur- und Tourismusverband Bad Gastein Führungen durch den Ort veranstaltet, kennt sie alle.

So soll etwa Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi, in selbstmörderischer Absicht beinahe von der Brücke hineingesprungen sein. Und noch eine weitere Prominenz hätte sein Ende gut hier finden können. Der britische Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle soll erwogen haben, sich dort seines Helden Sherlock Holmes zu entledigen. Fans des scharfsinnigen Detektivs wissen, dass das finale Kapitel seiner Krimi-Reihe dann allerdings an den Schweizer Reichenbachfällen gespielt habe, erklärt Kröll.

Früher seien illustre Gäste wegen der Landschaft, der Kuren, dem radonhaltigen Wasser und dem nahegelegenen Heilstollen gekommen, erzählt Kröll. Gründervater der deutschen sowie der amerikanischen Industrie wie Thyssen, Krupp, Opel, Siemens, Rockefeller oder Vanderbilt residierten dort ebenso wie Bischöfe, Herzöge, Kaiser, Diplomaten und Filmmogule wie Goldwyn und Mayer.



Sigmund Freud habe hier Kuren verbracht, dem Schauspieler und Rheumatiker Franz Grillparzer der Aufenthalt dort vielleicht das Leben gerettet. Komponist Franz Schubert habe an seinen Werken gearbeitet. Hugh Grant, Marlene Dietrich und Jude Law das Leben hier ebenso genossen wie Erfolgsregisseur Billy Wilder und Mitglieder von ABBA.

Die Musikformation U2 sei zu Zeiten ihres Erfolgsalbums „The Joshua Tree“ in den frühen Achtzigern bei einem kleinen Konzert fast aus einem Pub nahe der Tankstelle geflogen, erzählt Kröll weiter. Der Betreiber habe sie furchtbar gefunden, sei aber von den Gästen davon abgehalten worden. Falco habe in einer Pizzeria in der Nähe einmal Bier in Sektgläsern geordert. Es sei darüber zur Schlägerei gekommen. Um ein dabei zugezogenes Veilchen zu überdecken, habe er beim Optiker nebenan eine Brille erstanden – die fortan so etwas wie sein Markenzeichen wurde.

Regisseur Wes Anderson sei angeblich auch durch das Grand Hotel de l‘Europe für seinen mehrfach Oscar-prämierten Film „Grand Budapest Hotel“ inspiriert worden. In besagtem Hotel habe im Rahmen eines früheren Aufwertungsversuchs ein Hauch von „Monte Carlo der Alpen“ entstehen sollen. Ab 1982 traten Stars auf, Liza Minnelli etwa, Charles Aznavour oder Ray Charles. Szenen für „Die Narbe“ mit Mario Adorf und Max von Sydow wurden dort gedreht. Und auch Sir Peter Ustinov arbeitete in dem Gebäude.

Ob solche Größen auch in Zukunft wieder kommen? Zumindest als Drehort ist Bad Gastein nie in Vergessenheit geraten. Die Innenaufnahmen des Bergsteigerfilms  „Nordwand“ aus dem Jahr 2008, die im Hotel Bellevue des Alpes spielen, wurden etwa im Hotel Weismayr aufgenommen. 2011 entstanden im Ort Szenen für „Der letzte Tempelritter“ mit Nicolas Cage.

Doch in Bad Gastein wird auch der Kontrast zwischen glanzvoller Zukunft und trauriger Realität  deutlich. Die früheren Edelhotels sowie das Rathaus vegetieren in bester Lage nahe des Wasserfalls vor sich hin. Kröll erklärt, seit den 1980er Jahren würden hier Ideen präsentiert, die den Verfall des Städtchens aufhalten sollen. So etwa die einer Seilbahn mitten ins Ortszentrum. 18 lange Jahre blieb es nur bei Ideen. Erst im November 2017 erwarb das Land drei Objekte, die saniert, an private Investoren weiterveräußert und touristisch genutzt werden sollen.

Eines dieser Bauwerke ist etwa das verfallene Hotel Straubinger, in dem 1865 mit den Gasteiner Verträgen die Verteilung Schleswigs und Holsteins nach dem Dänenfeldzug vereinbart wurde. Außerdem das Badeschloss am Straubingerplatz und das Postgebäude. Bald, so die Hoffnung, könnten also wieder zahlreiche Filmstars, Politiker und Künstler durch die Tore Bad Gasteins schreiten.