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Der Dino taumelt in Liga zwei
Auflösungserscheinungen beim HSV

Das darf doch nicht wahr sein: Der neue HSV-Trainer Christian Titz konnte es in den Schlussminuten der 1:2-Heimniederlage gegen Hertha BSC kaum noch mitansehen. Der erstmalige Bundesliga-Abstieg rückt immer näher.
Das darf doch nicht wahr sein: Der neue HSV-Trainer Christian Titz konnte es in den Schlussminuten der 1:2-Heimniederlage gegen Hertha BSC kaum noch mitansehen. Der erstmalige Bundesliga-Abstieg rückt immer näher. FOTO: Daniel Reinhardt / dpa
Hamburg. Mit Neu-Trainer Christian Titz führt der Hamburger SV gegen Hertha BSC zur Pause mit 1:0 und verliert dennoch.

Der schwarze Samstag steckte Frank Wettstein tief in den Knochen. Mit fahlem Gesicht trat der Vereinschef des Hamburger SV rund 18 Stunden nach den schmerzlichen Auflösungserscheinungen beim Bundesliga-Dino vor die Kameras und kündigte Konsequenzen an. Für die Gewalttäter, die rund um die 1:2 (1:0)-Niederlage gegen Hertha BSC bei Krawallen sechs Ordner verletzt hatten. Und für den einstigen Vorkämpfer Kyriakos Papadopoulos, der nach seiner Frustattacke gegen Neu-Trainer Christian Titz auf dem Abstellgleis steht. „Wir werden solche Aussagen nicht tolerieren“, sagte Wettstein mit ernstem Blick: „Er hat sich und uns keinen Gefallen getan. Er hat nicht das Recht, die sportliche Situation zu ignorieren.“

Sogar eine Suspendierung des Griechen scheint nicht ausgeschlossen. Nach dem schweren Rückschlag im Kampf um den Klassenverbleib gegen die Berliner hatte der Abwehrspieler seine Nichtberücksichtigung öffentlich kritisiert. Es sei „schade, dass ich nicht spiele und dass manche erfahrene Spieler nicht in der Mannschaft waren“, sagte der 26-Jährige, in der Vorsaison das Gesicht der Rettung: „Die Mannschaft braucht diese Spieler.“

Er habe „keine Ahnung, warum ich nicht gespielt habe. Der Trainer hat nicht mit mir gesprochen. Ich werde das Gespräch auch nicht suchen“, sagte Papadopoulos und attackierte noch indirekt seine Kollegen. Nach der 1:0-Führung hätte man die Partie „nicht verlieren dürfen“. Die Hertha-Fans sangen da schon: „Endlich 2. Liga – HSV!“



Sieben Spiele hat der taumelnde Club noch, sieben Punkte Rückstand sind es dank der Patzer der Konkurrenz bis zum Relegationsrang. Aber Wettstein, nach dem Aus von Heribert Bruchhagen alleiniger Vorstand des Clubs, will weiter an das Wunder von der Elbe glauben. „Wir können natürlich die Tabelle lesen“, sagte er, aber sei noch „nicht der Moment“ gekommen, „in dem man sagt: Das ist nicht mehr möglich. Es wird halt immer schwieriger.“

Und dies haben sich die Hanseaten einmal mehr selber zuzuschreiben. Titz ging volles Risiko, brachte nach seiner ersten Trainingswoche fünf neue Spieler. Und Torwart Julian Pollersbeck, Antreiber Matti Steinmann und Co. konnten zunächst auch überzeugen, Douglas Santos (25.) brachte den HSV in Führung. Doch in der zweiten Halbzeit brach die mit 23 Jahren und 359 Tagen jüngste HSV-Startelf seit dem 5. Januar 1974 ein – Valentino Lazaro (56.) und der eingewechselte Salomon Kalou (63.) drehten die Partie für Berlin. Und am Ende war der HSV, der nach dem gestrigen Kölner Sieg gegen Leverkusen jetzt Letzter ist, wieder einmal überfordert

„Wir haben es nach dem Seitenwechsel nicht mehr geschafft, den Druck aufzubauen und sind in Rückstand geraten. Gegen einen Gegner wie Hertha wird es dann schwer“, sagte Titz: „Uns ist es leider nicht mehr gelungen, Torchancen zu erspielen, um das Spiel wieder zu drehen.“

In der Länderspielpause muss der Nachfolger von Bernd Hollerbach nun vor allem daran arbeiten, dass sich die Mannschaft nicht völlig auflöst. Papadopoulos kündigte in seiner kleinen Wutrede bereits an, in der 2. Liga nicht mehr für den HSV spielen zu wollen. Gestandene Profis wie Dennis Diekmeier, Mergim Mavraj, Walace, Andre Hahn und Sven Schipplock schafften es gegen Hertha nicht einmal in den Kader.