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Wegen Coronavirus:
Gefangen auf dem Kreuzfahrtschiff

 Das Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ liegt im Hafen von Yokohama in Japan. An Bord des unter Quarantäne gestellten Schiffs ist bei 174 Menschen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus festgestellt worden.
Das Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ liegt im Hafen von Yokohama in Japan. An Bord des unter Quarantäne gestellten Schiffs ist bei 174 Menschen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus festgestellt worden. FOTO: dpa / Stanislav Kogiku
Yokohama/Bangkok. Das neue Coronavirus sorgt für Chaos auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“. Die Passagiere und die Crew sitzen dort fest. dpa

Es ist die erste Kreuzfahrt in seinem Leben. Doch was für den jungen Japaner als Traum begann, machte das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 zum Albtraum. Er habe zwar keine Angst, „selbst wenn ich infiziert wäre“, schildert der Japaner über Twitter aus seiner Kabine auf der „Diamond Princess“. Doch anderen Menschen an Bord des unter Quarantäne gestellten Schiffes gehe es anders. Das hätten sie ihm über soziale Medien wie Twitter mitgeteilt – denn direkten Kontakt habe man nicht. „Da spüre ich schon, dass sie Angst haben.“ Zusammen mit rund 3600 Passagieren und Crewmitgliedern ist der Japaner seit Tagen an Bord des Kreuzfahrtschiffes im heimischen Yokohama gefangen. Viele Betroffene müssen in Innenkabinen ohne Fenster oder Balkon ausharren. Und die Quarantäne gilt bis mindestens 19. Februar. Nirgendwo außerhalb Chinas ist die Zahl der mit dem Virus Sars-CoV-2 infizierten Menschen größer als auf dem Kreuzfahrtschiff vor Japan: 174 erfasste Fälle gab es am Mittwochmorgen. Wie viele es tatsächlich sind, ist unbekannt. Japans Gesundheitsminister Katsunobu Kato sagte vor dem Parlament, seine Regierung erwäge, alle verbliebenen Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffes zu testen, wenn sie das Schiff verlassen haben.

Wenn sie Krankenwagen unter den Fenstern ihrer Kabinen vorfahren sähen, fürchteten Passagiere, sie könnten die nächsten sein, sagte ein Japaner an Bord dem örtlichen Fernsehsender Fuji TV. Deutsche Staatsangehörige befinden sich nach Erkenntnissen der Botschaft in Tokio bislang nicht unter den positiv auf den Erreger getesteten Menschen. Man habe deutschsprachige psychologische Unterstützung organisiert, teilte die Botschaft am Mittwoch mit.

Gerade für die vielen Senioren wird die Isolation auf dem Schiff zunehmend zur Belastung. In Japans Medien ist von Klagen über unzureichende Medikamente für Krankheiten wie Diabetes zu lesen. Es gibt aber auch Stimmen von Menschen an Bord, die ihre Dankbarkeit für die Unterstützung durch die Crewmitglieder zum Ausdruck bringen. Die Medien sollten nicht immer nur das Tragische betonen, schreiben Japaner bei Twitter. Die Passagiere sollen in ihren Kabinen bleiben. Essen wird ihnen dorthin gebracht. Im Schichtwechsel dürfen sie rund eine Stunde am Tag an die frische Luft, mit Maske, und müssen dabei rund zwei Meter Abstand voneinander halten. Ansonsten haben die Menschen nicht viel zu tun.



Experten sorgen sich nicht nur um die Passagiere, sondern auch um die Crewmitglieder, die sich um die Gäste kümmern. Sie seien doppeltem Stress ausgesetzt – mit viel Pflichtbewusstsein absolvierter Arbeit und der Angst, sich infiziert zu haben, sagte Sho Takahashi von der Tsukuba Universität der Japan Times. Er wies auch darauf hin, dass Passagiere dazu neigten, ihren Frust an der Crew auszulassen. Mancher fragt sich, ob es nicht besser wäre, die Menschen in Quarantäneeinrichtungen an Land unterzubringen. So wie die 197 Japaner, die mit dem ersten Charterflug aus dem chinesischen Wuhan ausgeflogen worden waren. Sie wurden negativ getestet und durften am Mittwoch nach Hause. Andere Ausgeflogene sind noch in einem Hotel in Quarantäne. Mitfühlende Japaner munterten sie mit mutmachenden Schriftzeichen im Sand auf, andere musizierten vor dem Gebäude für die Betroffenen.

Die Regierung in Tokio sorgt sich, zumal in weniger als sechs Monaten die Olympischen Spiele in der Hauptstadt geplant sind. Bislang sind einschließlich der Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff 203 Infektionen mit Sars-CoV-2 in Japan
bestätigt.