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Bilanz
Airbus – rote Zahlen, rosige Aussichten

 Strafzahlungen und Lieferverzögerungen belasten die Airbus-Bilanz. Für die kommenden Jahre zeigt sich der Konzern aber optimistisch.
Strafzahlungen und Lieferverzögerungen belasten die Airbus-Bilanz. Für die kommenden Jahre zeigt sich der Konzern aber optimistisch. FOTO: dpa / Marcel Kusch
Paris. Milliarden-Strafzahlungen zur Einstellung von Korruptionsermittlungen belasten die Bilanz des europäischen Flugzeugbauers. Von Knut Krohn

Milliardenverlust und dennoch zufriedene Gesichter. Die Verantwortlichen von Airbus präsentierten am Donnerstag in Toulouse die Bilanz des europäischen Flugzeugbauers. Wie Konzernchef Guillaume Faury mitteilte, schloss das Unternehmen das vergangene Jahr mit einem Minus von fast 1,4 Milliarden Euro ab. Der Grund für den Verlust sind Milliarden-Strafzahlungen zur Einstellung von Korruptionsermittlungen gegen den Flugzeugbauer. Nach einer Einigung mit Behörden hatte der Konzern eingewilligt, zusammen 3,6 Milliarden Euro in Frankreich, Großbritannien und den USA zu zahlen. Die Justiz in Paris und London war wegen des Verdachts der Schmiergeldzahlungen an ausländische Beamte sowie Geldwäsche tätig geworden.

Daneben steht der Konzern im militärischen Bereich vor Herausforderungen – etwa bei den Exportaussichten für den Militärtransporter A400M. Airbus verbuchte nach eigenen Angaben in diesem Bereich Sonderbelastungen von 1,2 Milliarden Euro. Zurückzuführen sei das auf die „wiederholte Verlängerung des deutschen Exportverbots nach Saudi-Arabien“, erklärte Airbus. Das deutsche Waffenembargo wurde nach der Ermordung des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi verhängt. Es läuft im März aus.

Beim A400M kam es zudem wiederholt zu Verzögerungen und technischen Pannen: Die Bundeswehr lehnte erst im November die Annahme von zwei Flugzeugen des Typs ab, nachdem bei Routinekontrollen Mängel an den Propeller-Muttern festgestellt worden waren. Der A400M soll die veralteten Transall-Transporter der Bundeswehr ersetzen.



Ohne diese Sondereffekte hätte der Gewinn vor Steuern und Zinsen 6,9 Milliarden Euro betragen, wie Airbus betonte. Dass Konzernchef Faury optimistisch in die Zukunft blickt, liegt aber auch an den vollen Auftragsbüchern. Die Produktion der Airbus-Mittelstreckenjets der A320­neo-Modellfamilie sei inzwischen bis ins Jahr 2025 ausgebucht, unterstrich Faury in Toulouse. Im kommenden Jahr werde der Konzern rund 880 Maschinen ausliefern, mehr als die 863 im vergangenen Jahr. Die Bestellungen seien von 747 im Jahr 2018 auf 768 im Jahr 2019 gestiegen, sagte Faury. Der Konzern lote gemeinsam mit seinen Zulieferern eine Ausweitung des A320-Programms über die monatliche Produktionsrate von 63 Maschinen aus

Mit diesem Ergebnis ist Airbus zum ersten Mal seit Jahren wieder zum Marktführer unter den Flugzeugbauern avanciert. Der US-Rivale Boeing steckt nach zwei Abstürzen in einer schweren Krise.

Bei Airbus wird aber auch mit Hochdruck an die Herausforderungen der Zukunft im Luftverkehr durch sich ständig verschärfende Umweltgesetze gedacht. Vor einigen Tagen hat der Konzern deshalb ein neues Modell für ein alternatives kraftstoffsparendes Flugzeugkonzept vorgestellt. Der sogenannte Blended-Wing-Body mit dem Namen „Maveric“ wird bereits seit Sommer 2019 getestet, wie Airbus am Dienstag bei der größten asiatischen Luftfahrtmesse in Singapur mitteilte. Blended-Wing-Body-Flugzeuge haben einen abgeflachten Rumpf, dessen Form fließend in die Flügel übergeht. Airbus untersucht damit unter anderem Fragen des Antriebs und des Kabinenaufbaus – das Design habe das Potenzial, 20 Prozent Kraftstoffeinsparung zu bringen.