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Neue Jagd auf Elefanten und Nashörner?
Bedrohte Arten im Visier der Gewehre

 Elefanten trinken Wasser im Chobe-Nationalpark in Botsuana. Sie könnten bald gejagt werden.
Elefanten trinken Wasser im Chobe-Nationalpark in Botsuana. Sie könnten bald gejagt werden. FOTO: dpa / Charmaine Noronha
Genf. Afrikanische Länder wollen den Schutz von Elefanten, Nashörnern und Co. aufweichen. Tierschützer schlagen jetzt Alarm. Von Christiane Oelrich und dpa

Namibia will zur Großwildjagd blasen: Breitmaulnashörner sollen künftig wieder als Jagdtrophäen ausgeführt werden dürfen. „Die Population ist in 43 Jahren seit ihrer Wiederansiedlung nicht deutlich geschrumpft“, schreibt die Regierung. Sambia hat ähnliche Pläne mit seinen Elefanten: „Die wilde Population ist groß (etwa 27 000 Tiere) und stabil“, heißt es dort. Dies sind nicht die einzigen Länder, die den Schutz der Tiere aufweichen wollen: Auch Botsuana, Simbabwe, Eswatini (früher: Swasiland) wollen das auch. Sie wollen „nicht kommerziellen“ Handel treiben mit Elfenbein und Tierhäuten.

Auf der Artenschutzkonferenz in Genf (17. bis 28. August) wird über entsprechende Anträge dieser Länder abgestimmt. Dort tagen die 183 Vertragsstaaten des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (Cites). Der Vertrag schränkt den Handel mit mehr als 5000 Tier- und rund 30 000 Pflanzenarten ein oder verbietet ihn.

Tierschützer sind alarmiert: „Solche Anträge gab es schon einmal 2007, die Folgen waren verheerend“, sagt Daniela Freyer, Mitgründerin der Organisation Pro Wildlife. Damals durften die Länder Lagerbestände verkaufen, aber dem Elfenbein ist nicht anzusehen, ob es aus einem Lager oder von einem getöteten Tier stammt. „Auf dem Höhepunkt der Wildereikrise sind zwischen 2010 und 2012 mehr als 100 000 Elefanten gewildert worden“, sagt Freyer. „Es werden schätzungsweise immer noch 20 000 nur wegen ihres Elfenbeins im Jahr getötet.“



Zwar sei die Nachfrage stark zurückgegangen, seit China den Handel mit Elfenbein 2018 verboten hat. Aber Japan habe weiter Interesse, sagt Freyer. Der illegale Handel floriert nach wie vor: Mitte Juli hat der Zoll in Singapur eine der größten je entdeckten Elfenbeinlieferungen beschlagnahmt: fast neun Tonnen, Stoßzähne von etwa 300 Elefanten.

„Wir verlangen ein komplettes, nationales und internationales Handelsverbot für Elfenbein“, sagt Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW). Den Schutz zu lockern wäre falsch. Der Handel werde nie überall lückenlos überwacht, eine Lockerung kurbele  die Wilderei an. Kriminelle könnten dann illegales Elfenbein falsch deklarieren und als legale Ware verkaufen. Auch in der EU gebe es Schlupflöcher, etwa, weil älteres Elfenbein noch gehandelt werden dürfe. „Ausnahmen sollten allenfalls für antike Kunstwerke mit geringem Elfenbeinanteil von 200 bis 300 Gramm gelten, oder für antike Musikinstrumente.“

Cites-Generalsekretärin Ivonne Higuero sieht ein Dilemma, denn die afrikanischen Länder mit Elefanten weiter nördlich sind geschlossen gegen eine Lockerung des Schutzes. 32 sind in der African Elephant Coalition vertreten. Higuero hat aber Verständnis für die Anträge: „Ich war in Simbabwe, dort war ziemlich deutlich, dass die Populationen in einigen Gegenden stark gewachsen sind, und dass es immer mehr Konflikte mit der Bevölkerung gibt. Man kann die Schäden sehen, die die Tiere anrichten“, sagte sie.

Higuero betont, dass sie als Generalsekretärin neutral sei und die Vertragsstaaten allein über Anträge entscheiden. Sie würde die Cites-Diskussionen gerne verlagern: „Die Vertragsstaaten haben in der Vergangenheit auf den illegalen Handel mit wilden Tieren und Pflanzen geschaut“, sagt sie. „Aber wir müssen mehr Gewicht auf den legalen Handel legen.“ Die ortsansässige Bevölkerung müsse in der Lage sein, mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Tierbestände oder der Bäume und Pflanzen ein gutes Auskommen zu finden.

Im November 2018 organisierte China in Guangzhou eine Konferenz, um genau das zu demonstrieren: Wie gut geregelter Handel das Überleben von Arten sichern und der Bevölkerung zu Gute kommen könne. Als Beispiel dienten die Vikunja, eine Kamelart in den Anden in Südamerika, die vom Aussterben bedroht war. Einstige Jäger fanden Jobs im Tierschutz, die Tiere vermehrten sich und der kontrollierte Handel mit den Tierprodukten gibt Anwohnern jetzt ein Auskommen.