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Fußball-Bundesliga
Mainz, wie es rennt und siegt

 Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer (Mitte) ballt nach dem Schlusspfiff des Spiels gegen Eintracht Frankfurt die Fäuste und jubelt. Beierlorzer hat mit Mainz nun sechs Punkte aus zwei Spielen geholt.
Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer (Mitte) ballt nach dem Schlusspfiff des Spiels gegen Eintracht Frankfurt die Fäuste und jubelt. Beierlorzer hat mit Mainz nun sechs Punkte aus zwei Spielen geholt. FOTO: dpa / Torsten Silz
Mainz. Der neue Trainer hat den Rheinhessen neues Leben eingehaucht. Das bekommt auch Eintracht Frankfurt zu spüren. sid/dpa

Zu einer Spitze gegen den Ex-Verein ließ sich Achim Beierlorzer trotz seines Traum-Einstands beim FSV Mainz 05 nicht herab. Genugtuung wegen seines Rauswurfs beim 1. FC Köln wollte der neue Trainer der Rheinhessen auch nach dem 2:1 (0:1) im Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt nicht verspüren. „Um Gottes Willen! Davon kann keine Rede sein“, beschied der 52-Jährige energisch. Was zähle, sei allein die perfekte Punktausbeute seiner neuen Mannschaft.

Die Fragen nach seiner persönlichen Gefühlslage wies Beierlorzer auch nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel als FSV-Trainer entschieden zurück. Und das, obwohl er nur etwas mehr als drei Wochen nach seinem Blitz-Wechsel innerhalb der Fußball-Bundesliga eigentlich allen Grund gehabt hätte, sich in seiner Arbeitsweise bestätigt zu fühlen. Doch Beierlorzer gab sich bescheiden. „Das ist es, was den Fußball ausmacht. Dass man manche Dinge nicht erklären kann“, sagte er.

Dabei lässt sich der Comeback-Erfolg gegen eine nach dem Platzverweis für Dominik Kohr (44.) lange in Unterzahl agierende Eintracht sehr wohl auch auf den Einfluss Beierlorzers zurückführen. Dass Karim Onisiwo (50.) und Joker Adam Szalai (69.) nach Martin Hintereggers Führungstreffer (34.) die Partie drehten, hatte nämlich nicht zuletzt mit der veränderten Einstellung der 05er zu tun. Besonders in Sachen Laufbereitschaft und Zweikampfhärte zeigte die Mannschaft ein anderes Gesicht als in den letzten Tagen unter Ex-Trainer Sandro Schwarz.



312 Sprints hätten seine Spieler angezogen, stellte Beierlorzer selbst heraus, eine ligaweite Bestmarke in der laufenden Saison. „Das ist ein Wert, der zeigt, dass die Mannschaft es unbedingt wollte, es unbedingt drehen wollte“, sagte er und bestätigte, was auch seine Schützlinge zu Protokoll gaben. „Er hat noch mal an ein paar Schrauben gedreht“, meinte Torschütze Onisiwo.

Die sichtbarste dieser Stellschrauben ist dabei der Wechsel der Grundordnung. Das 3-5-2, von Beierlorzer als „nicht mein bevorzugtes System“ bezeichnet, hat vor allem der Abwehr Stabilität verliehen. Zwar hat der FSV mit 32 Gegentreffern gemeinsam mit Schlusslicht SC Paderborn weiterhin die schlechteste Defensive der Liga, die Gegentorflut wurde gegen Frankfurt und zuvor gegen die TSG Hoffenheim (5:1) allerdings gestoppt.

Axel Hellmann stand derweil mit versteinerter Miene in den Stadionkatakomben. Die Derby-Pleite hatte dem Vorstand von Eintracht Frankfurt die Laune verdorben. Doch viel größer war sein Ärger über die eigenen Fans, von denen einige sogar die eigenen Spieler bepöbelt hatten. „Die haben zu mir gesagt: Verpiss dich“, berichtete Ersatzkapitän Sebastian Rode über seinen missglückten Versuch, eine kleine Gruppe von Krawallmachern zur Ordnung zu rufen. Kurz vor Beginn hatten einige Unbelehrbare einen Böller gezündet sowie mehrere Leuchtraketen auf den Rasen gefeuert und damit für eine zehnminütige Verzögerung gesorgt. „Was wir vor dem Anpfiff gesehen haben, war einfach nur destruktiv“, kritisierte Hellmann genervt.