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Sportpolitik
Neuer „Goldener Plan“ lässt Sportler hoffen

 Dagmar Freitag, Ausschussvorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag.
Dagmar Freitag, Ausschussvorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. FOTO: dpa / Axel Heimken
Berlin. Ab 2021 soll ein Milliarden-Investitionsprogramm zur Sportstättensanierung gestartet werden. dpa

Duschen mit kärglichem Wasserstrahl, marode Toiletten, muffige Kabinen, bröckelnder Putz an Hallen mit undichten Dächern und veralteten Einrichtungen: Dieses Dilemma der deutschen Sportstätten soll ein Ende haben. Ab 2021 soll ein Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm gestartet werden, um heruntergekommene Sportanlagen zu sanieren, zu modernisieren oder neu zu bauen. „Nach meinen Informationen werden entsprechende Mittel in den Haushaltsplan-Entwurf für 2021 von Minister Horst Seehofer eingesetzt“, sagt Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag.

Anfang Dezember 2019 hatte die SPD-Politikerin beim für Sport zuständigen Bundesinnenminister um dieses Großprojekt geworben, obwohl es nicht im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. „Wenn sich im Verlaufe der Wahlperiode Notwendigkeiten ergeben, kann man ja zu einer Neubewertung einer Sachlage kommen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren“, meinte Freitag. Bei CSU-Minister Seehofer kam die Idee so gut an, dass er schon bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 7. Dezember ankündigte, einen dritten „Goldenen Plan“ auflegen zu wollen.

Bereits in den 1960er Jahren und nach dem Mauerfall in den 90ern waren zwei initiiert worden. „Nur mit erstklassigen Sportstätten können wir auch den Breitensport und den Spitzensport weiterhin als tragendes Element unserer Gesellschaft halten“, sagte Seehofer. Wohlwissend, dass für Bau und Sanierung von Anlagen für den Breitensport die Bundesländer und Kommunen zuständig sind. „Ich bin davon überzeugt, dass wir in einer Zeit leben, in der die Menschen nicht hören wollen, wer zuständig ist, sondern wer für unbestritten vorhandene Probleme Lösungen anbietet“, meinte Freitag. In Deutschland gebe es einen Investitionsstau, der über Straßen und Brücken hinausgehe.



„Sportstätten sind, wenn man von denen für Schulen absieht, eine freiwillige Aufgabe von Kommunen. Und wenn Geld fehlt, wird oftmals hier zuerst gespart“, erklärte sie. Deshalb müsse der Bund die Sportstätten mit einem eigenständigen Programm einbeziehen. Freitag: „Der Sport ist immer noch der Bereich, der den größten Teil unserer Gesellschaft erreichen und begeistern kann.“

Der DOSB beziffert den Sanierungs- und Modernisierungsbedarf der rund 231 000 Sportstätten im Land auf mindestens 31 Milliarden Euro. Freitag sieht solche Erhebungen eher kritisch. Unabhängig davon sei sie sicher, dass ein solches Programm „ein großer Erfolg“ werden könnte. Sie wisse aber ebenso, „dass immer irgendwer verkünden wird, es sei nicht genug“.

Besonders wichtig sei, dass die Gebäude energietechnisch dem neuesten Standard entsprechen. „Energetische Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit sind für mich zwei Dinge, die zumindest bei Neubaumaßnahmen nicht verhandelbar sind“, erklärte Freitag. Zudem mahnte sie: „Kommunen sind sicherlich gut beraten, wenn sie an die Folgekosten denken. Nicht alles, was auf den ersten Blick preiswert zu erstellen ist, erweist sich über die Jahre als Glücksgriff.“

Investitionen für den Breitensport vor Ort könnten sich auch positiv auf die Zustimmung der Bevölkerung für eine Olympia-Bewerbung auswirken. „Das kann ein gewünschter Nebeneffekt sein“, sagte Freitag. Olympische Spiele hätten aufgrund der immensen Kosten und der fehlenden Nachhaltigkeit der Spiele einen verheerenden Ruf. „Ich kann mir gut vorstellen, leichter eine breite Zustimmung für ein innovatives Konzept wie Rhein-Ruhr 2032 zu bekommen, wenn auch die Sportstätten im Dorf und in der Stadt in gutem Zustand sind“, meinte Freitag.