| 22:53 Uhr

Die „Badische Zeitung“ aus Freiburg meint zum Tarifabschluss in der Metallindustrie:

Das „Westfalenblatt“ aus Bielefeld meint zum Verzicht von SPD-Chef Martin Schulz auf den Außenminister-Posten:

Die politische Kultur erlebt dieser Tage einen Tiefpunkt in Deutschland – und das längst nicht nur wegen der Schlammschlacht unter den Sozialdemokraten. Martin Schulz wird endgültig zur tragischen Figur. Seinen unrühmlichen Abgang hat er voll und ganz selbst verschuldet, indem er jede Glaubwürdigkeit verspielt hat. Würdelos bleibt das Ganze dennoch. Die SPD wird trotzdem fürs Erste aufatmen. Dass Schulz notgedrungen auf den Posten als Außenminister verzichtet, dürfte vielen Mitgliedern das „Ja“ zum Koalitionsvertrag erleichtern. Das ändert aber nichts daran, dass die Partei in einem desolaten Zustand ist.

Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ blickt in die Zukunft:



Die SPD kann nach dem schwarzen Freitag mit neuem Mut nach vorn schauen. Die Koalition mit der Union, die als größtes Hindernis für die Erneuerung der Partei galt, stellt sich plötzlich als genau das heraus, was die Partei zur inneren Reinigung brauchte. Wenn sie diesen Geist in die Regierungsarbeit trägt, kann die Große Koalition auch für das Land ein Gewinn werden.

Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ aus Heidelberg geht davon aus, dass das Klüngeln in der SPD jetzt weitergeht:

Ob Schulz alleine stürzt oder ob er noch einmal seine gesamte Partei weiter mit in die Tiefe reißt, das entscheidet sich in den nächsten Tagen. Sigmar Gabriel, so sieht es aus, taumelt bereits - man wird sehen, ob er sich wieder fängt. Sein Plus: Beliebtester Sozialdemokrat. Sein Minus: Er hat es zugelassen, dass Schulz von Brüssel nach Berlin wechselte. Und er ist dabei nach exakt der gleichen Ego-Manier verfahren wie jetzt Schulz und Nahles, die die schönen Posten unter sich ausmachten. Der mangelnde Wille zur Basisdemokratie ist aber auch der springende Punkt, an dem jetzt noch das Ja zum Koalitionsvertrag scheitern kann. Denn das Klüngeln geht ja weiter.

Die „Augsburger Allgemeine“ lobt Schulz für seine Entscheidung:

Schulz fing an als einer, der sich nicht verbiegen lassen wollte. Und er endet als einer, dem die absurdesten Verrenkungen nicht zu peinlich waren, um seine eigene Karriere zu retten. Das Scheitern des SPD-Vorsitzenden ist aber auch eine tragische Geschichte. Die Schuld an einem derart historischen Absturz, wie ihn die SPD gerade erlebt, kann unmöglich ein Mann allein tragen. Doch jene Genossen, die Schulz am Anfang noch zu Füßen lagen, traten ihn am Ende mit Füßen. Sein Rückzug war die beste Entscheidung seit Monaten – auch für ihn selbst.