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Homburg/Kirkel

03.09.2018, Brandenburg, Lichtenberg: Kinder des evangelischen Kindergartens in Frankfurt (Oder) nehmen sich zum offiziellen Start der Brandenburger Apfelsaison auf einer Plantage des Obsthofes Dohrmann Äpfel der Sorte Gala aus einer großen Kiste. In diesem Jahr erwarten Brandenburgs Apfelanbauer eine sehr gute Apfelernte im Vergleich zum witterungsbedingt schlechteren Jahr 2017. Nach ersten vorläufigen Meldungen wird 2018 mit 335 Dezitonnen je Hektar ein deutlich höherer Apfelertrag als im Vorjahr erwartet. Derzeit wird von einer Gesamterntemenge von gut 30.100 Tonnen ausgegangen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++
03.09.2018, Brandenburg, Lichtenberg: Kinder des evangelischen Kindergartens in Frankfurt (Oder) nehmen sich zum offiziellen Start der Brandenburger Apfelsaison auf einer Plantage des Obsthofes Dohrmann Äpfel der Sorte Gala aus einer großen Kiste. In diesem Jahr erwarten Brandenburgs Apfelanbauer eine sehr gute Apfelernte im Vergleich zum witterungsbedingt schlechteren Jahr 2017. Nach ersten vorläufigen Meldungen wird 2018 mit 335 Dezitonnen je Hektar ein deutlich höherer Apfelertrag als im Vorjahr erwartet. Derzeit wird von einer Gesamterntemenge von gut 30.100 Tonnen ausgegangen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++ FOTO: ZB / Patrick Pleul
Homburg/Kirkel.

Der Apfelabsatz in Deutschland liegt bei 15 Kilo pro Person im Jahr. Damit ist der Apfel die beliebteste einheimische Frucht. In diesem Jahr ist die Apfelernte im Raum Homburg und in Kirkel gut ausgefallen - und der Saft noch besser. Das ist das fachmännische Urteil der Experten aus den Obst- und Gartenbauvereinen.

In Erbach, wo sich Edgar Emser beim Obst- und Gartenbauverein auch um die Saftkelterei kümmert, herrscht Begeisterung anlässlich der diesjährigen Apfel-Ernte: „Trotz des heißen Sommers haben wir jede Menge Äpfel bekommen“, so Emser. Er hatte befürchtet, die Äpfel fielen wegen der andauernden Hitze „mehlig und klein“ aus, aber das sei nicht der Fall.

„Vielleicht sind sie etwas kleiner, aber so viel Saft hatten wir in den vergangenen Jahren nicht.“ In Erbach wird seit Anfang Oktober nicht mehr gekeltert, obwohl immer noch Nachfragen kommen,  „aber irgendwann ist mal Schluss“, so Emser, „wir haben unsere Grenze erreicht“.



20 000 Kilogramm Äpfel sind vom Erbacher OVG verarbeitet worden, „das bringt uns in Erbach auch körperlich an unsere Grenzen“, räumt Edgar Emser ein. 12 000 Liter Saft haben er und seine Mannschaft vom Obst- und Gartenbauverein auf Flaschen gezogen, „das ist unglaublich“. Angefangen hat der Erbacher Obst- und Gartenbauverein mit dem Apfelpressen am 3. September: „Das war ein Montag. Wir haben bis Samstag die ganze Woche durchgeschafft, jeden Tag waren wir  in unserer Anlage anwesend, sonst hätten wir die Äpfel gar nicht weggekriegt.“ Das sei schon eine große Leistung, wenn man bedenke, „dass wir alles Rentner sind, die meisten über 70.“

Wo kommen die vielen Äpfel her, die in Erbach angeliefert werden? „Aus der ganzen Umgebung, aus der Pfalz, aber auch aus Rohrbach, aus Bexbach, aus Altstadt. “ Im vergangenen Jahr gab es wegen ein paar eisigen April-Nächten kaum Saft: „Wir vom Erbacher OVG dürfen auf dem Websweiler Golfplatz ernten. Das hat uns vor einem Jahr gerettet, denn die Äpfel, die wir keltern konnten, kamen von dort. Da hatte der Frost nicht so zugeschlagen. In diesem Jahr hingegen war vom Golfplatz nichts zu holen. So ändert sich das von Jahr zu Jahr“, sagt Edgar Emser. 

Auch in der Apfelverwertungsanlage in Kirkel stehen die Maschinen nicht still. Am kommenden Dienstag, 16. Oktober, ist der letzte Kelter-Tag, danach ist Schluss. „Wir haben ein tolles Apfeljahr“, sagt Patrick Schwaab vom Obst- und Gartenbauverein Kirkel-Neuhäusel, „es ist deutlich besser ausgefallen als 2017“. Bisher habe der  Verein 15 000 Liter Saft gekeltert, „wir haben noch drei Keltertage, am kommenden Samstag, am Montag und am Dienstag. Ich nehme an, am Ende werden wir auf 18 500 Liter kommen, das ist unsere absolute Höchstgrenze“,  so Schwaab. Zum Glück sei die Anlage modern und in einem Top-Zustand, sonst könne die Menge gar nicht bewältigt werden, „das sind tolle Maschinen, das macht Spaß, die zu bedienen“, betont Schwaab, „vor allem unsere älteren Mitglieder, die schon fast 80 sind, sind stolz darauf.“

Dennoch möchte er den älteren Mitgliedern die harte Arbeit nicht auf Dauer zumuten: „Wir müssen jünger werden. Wir haben auch schon tolle junge Leute gewinnen können.“ Das Problem sei, „dass die jüngeren Vereinsmitglieder  fürs Keltern Urlaub nehmen müssen. Das geht auf die Dauer nicht. Also haben wir beschlossen, den Keltertag vom bisher traditionellen Dienstag auf den Samstag zu verlegen. Damit gewinnen wir auch Berufstätige.“ In Kirkel ist nach dem 16.Okrober Schluss mit dem Keltern, „obwohl die Bäume auch auf unserer eigenen Anlage noch vollhängen. Aber mehr geht nicht.“  Außerdem, so Schwaab, erfreuten sich ja auch die Tiere an den Früchten: „Die Vögel, die Rehe, die Wildschweine sind begeisterte Apfelfresser. Also lassen wir den Tieren gerne ihren Anteil.“

Wie so oft, tanzt beim Obst- und Gartenbauverein die Natur ein bisschen aus der Reihe. „Alle stecken voll, bei uns ist nichts“, lacht Herbert Schwarz „wir haben von den rund 70 Apfelbäumen in unserem vereinseigenen Hortus Fructus nur einen Waschkorb voll Äpfel ernten können. Der Rest ist uns in einer kalten Frühjahrsnacht erfroren“. Gab es denn überhaupt eine kalte Nacht in diesem warmen Frühjahr? „In Kirrberg offensichtlioch schon“, lacht Schwarz. „denn auch unsere Kirschen und unsere Mirabellen sind ausgeblieben.“ Oberhalb von Kirrberg, „auf der Höhe“, sei das ganz anders, „die haben da oben Obst bis zum Umfallen“, so Schwarz. Schön seien nur die Birnen gewesen, „tolle Expemplare hatten wir. Und dann hat sie uns jemand geklaut. Die waren am nächsten Tag alle weg“. Schwarz ärgert sich darüber: „Wir hatten schon nicht viel, und was wir hatten, ist dann auch noch weg.“ Jetzt wartet der Kirrberger OVG noch auf die Quitten, „die man uns hoffentlich lässt“ und auf die  Mispeln, „Hundsärsch“ genannt. Aber die brauchen Frost, damit der Schnaps schmeckt. Wenigstens hier ist eine kalte Nacht nicht schädlich.

Streuobstwiese Wellesweiler. Foto: Franjo Schmitt
Streuobstwiese Wellesweiler. Foto: Franjo Schmitt FOTO: Franjo Schmitt
Bis zu acht Tonnen Aepfel   in der Stunde kann der Vollernter  Von Reinhold Anton aufsammeln. Beim Umladen  in den Transportcontainer muessen die Faulen aber  per Hand aussortiert werden. 

Foto: Rolf Ruppenthal/ 20. Sept. 2018

Foto: Rolf Ruppenthal/  20. Sept. 2018
Bis zu acht Tonnen Aepfel in der Stunde kann der Vollernter Von Reinhold Anton aufsammeln. Beim Umladen in den Transportcontainer muessen die Faulen aber per Hand aussortiert werden. Foto: Rolf Ruppenthal/ 20. Sept. 2018 Foto: Rolf Ruppenthal/ 20. Sept. 2018 FOTO: Ruppenthal