| 22:11 Uhr

Blieskastel
47 Alarmierungen in wenigen Minuten

Hochbetrieb herrschte am Sonntagabend bei der Feuerwehr in Bliekastel. Hier fördern zwei Schlauchleitungen das Pumpenwasser aus den Kellern.
Hochbetrieb herrschte am Sonntagabend bei der Feuerwehr in Bliekastel. Hier fördern zwei Schlauchleitungen das Pumpenwasser aus den Kellern. FOTO: Eric Dessloch/Feuerwehr der Stadt Blieskastel
Blieskastel . Schon wieder „Land unter“: Starkregen und Gewitter hielten am Sonntag die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Blieskastel auf Trab. Bis spät in die Nacht hatten die Wehrleute alle Hände voll zu tun. Von Joachim Schickert

Glück im Unglück hatte am Sonntagabend die Bevölkerung der Stadt Blieskastel, als ein Starkregen beim Sommergewitter über Blieskastel niederging: Niemand wurde verletzt, wie die Wehr mitteilt. Dennoch hatten die Löschbezirke der Freiwilligen Feuerwehr Blieskastel alle Hände voll zu tun: 47 Alarmierungen innerhalb weniger Minuten brachten den Wehrleuten viel Arbeit. „Schon fast zu oft waren die Feuerwehren wegen Sommerunwetter in diesem Sommer eingesetzt. Nur dieses Mal ging es nicht für die Blieskasteler Feuerwehrleute in andere Gemeinden, wie zu Beginn des Monats Juni nach Mandelbachtal und Heusweiler, sondern das Gewitter traf punktgenau Blieskastel-Mitte und Lautzkirchen. Insgesamt wurden in den Ortsteilen Blieskastel, Lautzkirchen und Webenheim 47 Einsatzstellen gemeldet und abgearbeitet“, teilt Wehrsprecher Marco Nehlig mit.

Zum ersten Einsatz am Sonntag alarmierte die Integrierte Leitstelle (ILS) Saarbrücken den Löschbezirk Blieskastel-Mitte um 16.40 Uhr zu einem überfluteten Straßenzug im Stadtteil Lautzkirchen. Hier konnten die Kanaleinläufe die massiven Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Straße war 30 Zentimeter überflutet, die Regeneinläufe mussten freigelegt werden.

Danach ging es Schlag auf Schlag, eine Einsatzadresse folgte der nächsten. So mussten die Kameraden aus Blieskastel-Mitte, die mit 28 Feuerwehrleuten und sechs Fahrzeugen bereits ausgerückt und unterwegs waren, schnell um eigene Verstärkung rufen. Die Löschbezirke Bierbach an der Blies, Biesingen, Blickweiler, Breitfurt, Mimbach, Webenheim und der Löschbezirk Kirkel-Neuhäusel der Nachbargemeinde unterstützten bei dem Starkregenereignis rund um die Barockstadt. Nun folgten viele Einsatzstellen parallel, so dass direkt zu Beginn eine „Örtliche Einsatzleitung“ (ÖEL) in der Feuerwache in Blieskastel-Mitte eingerichtet wurde. Wie Marco Nehlig weiter berichtet, wurde auch das Webenheimer Bauernfest von den Regenfluten heimgesucht. Die Zufahrt zum Festgelände war bis zu 15 Zentimeter überflutet. Hier waren die Wehrleute aus Webenheim einsatztechnisch gebunden.



Parallel wurden in Blieskastel und Lautzkirchen Keller leer gepumpt und Straßen gereinigt, die vor dem eindringenden Schmutzwasser mit Geröll überflutet waren. Die Blieskasteler Wehren sorgten schnell an den Örtlichkeiten für Abhilfe, denn die nächsten Einsatzstellen warteten schon. „In der Blieskasteler Altstadt waren vor allem die Von-der-Leyen-Straße, die Gerbergasse, das Mühleneck und die Kardinal-Wendel-Straße betroffen. Hier stand das Wasser fast 30 Zentimeter hoch. Die Kanalisation konnte die kurzzeitigen Spitzenwerte des Starkregens mit Hagel einfach nicht schaffen“, so einer der durchnässten Feuerwehrkräfte.

Ein weiterer Einsatzschwerpunkt lag im Stadtteil Lautzkirchen. Hier kämpfte die Feuerwehr parallel zu den anderen Ereignissen, wie abgebrochene Äste, mit den eindringenden Regenmassen in Kellerräumen. Die Straßen „In der Mühldell“ und „Am Eichberg“ in Lautzkirchen waren hier besonders betroffen. Mehrere Keller und Wohnungen liefen voll und mussten ausgepumpt werden. Gleichzeitig wurden durch das Team der „Örtlichen Einsatzleitung“ auf der Feuerwache in Blieskastel in Spitzenzeiten bis zu 25 Einsatzörtlichkeiten parallel disponiert. Auch ein Blitzeinschlag in die Hauptstromleitung sorgte kurz für Aufregung. Die Drehleiterbesatzung kontrollierte diese Einsatzstelle neben dem Radweg in der Florianstraße und informierte die Stadtwerke Bliestal über die Schäden. Acht Löschbezirke machten sich auf den Weg an die unterschiedlichen gemeldeten Einsatzstellen, während weitere Einheiten die Bereitschaft für Folge- und Prioritätseinsätze sowie den Brandschutz im Stadtgebiet sicherstellten. Aufgrund dieser Einsatzentwicklung und weiterer möglicher Alarmierungen im Stadtgebiet wurde der Löschbezirk Breitfurt mit dem Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug sowie Sonderfahrzeuge aus der Stadtwehr für den Grundschutz in Bereitschaft gesetzt. Die „Örtliche Einsatzleitung“ wurde in der Einsatzzentrale der Feuerwache Blieskastel-Mitte eingerichtet. Sie disponierte alle Einsätze, mit 110 Feuerwehrleuten und 19 Feuerwehrfahrzeugen. Hinzu kam die Rufbereitschaft des Baubetriebshofes mit zwei städtischen Mitarbeitern. Bis spät in die Nacht wurden die Einsätzeabgearbeitet.

Die Bürgermeisterin der Stadt Blieskastel informierte sich noch am Sonntagabend über den aktuellen Sachstand der Einsätze beim Krisenstab auf der Feuerwache in Blieskastel. „110 Feuerwehrfrauen und -männer wurden in Bewegung gesetzt, um die Stadt zu schützen. Viele haben weit über das erträgliche Maß hinaus gearbeitet. Dafür bedanke ich mich bei meiner starken Wehr. Die Einsatzkräfte haben hervorragend und professionell gearbeitet, hier ein dickes Lob“, so die Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener abschließend.