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„Ich fühle mich zerrissen“
„1917“ triumphiert bei Baftas – erneut Debatte um Diversität

 Joaquin Phoenix hat die Baftas aufgemischt.
Joaquin Phoenix hat die Baftas aufgemischt. FOTO: dpa / Chris Pizzello
London. Das Anti-Kriegsepos „1917“ räumt bei den britischen Filmpreisverleihungen sieben Mal ab. Für Aufsehen sorgt Preisträger Joaquin Phoenix.

Das Anti-Kriegsepos „1917“ von Regisseur Sam Mendes ist mit sieben Auszeichnungen der große Gewinner bei den als Baftas bekannten britischen Filmpreisen. „1917“ wurde eine Woche vor der Oscar-Verleihung als Bester Film und als Herausragender Britischer Film ausgezeichnet. Zudem erhielt Mendes die Trophäe als Bester Regisseur.

Wie bei den Golden Globes und anderen Preisverleihungen wurden Renée Zellweger („Judy“) und Joaquin Phoenix („Joker“) in der Kategorie Beste Hauptdarsteller prämiert, Laura Dern („Marriage Story“) und Brad Pitt („Once Upon A Time ... In Hollywood“) für die besten Nebenrollen. Damit gelten die Vier auch als Top-Favoriten bei der Vergabe der Oscars.

Schauspieler Phoenix, der am Sonntag an der Tower Bridge gegen Massentierhaltung und Klimawandel protestiert hatte, sorgte in der Royal Albert Hall mit einer Stellungnahme gegen Rassismus für viel Aufsehen. „Ich fühle mich zerrissen“, sagte der 45-Jährige, als er seine goldene Bafta-Trophäe entgegennahm, „weil so viele meiner Schauspielkollegen, die es verdienen, nicht dieses Privileg haben“.



Phoenix bezog sich darauf, dass alle zehn nominierten Schauspielerinnen und Schauspieler weiß waren. Die British Academy of Film and Television Arts war deshalb in die Kritik geraten. „Ich glaube, dass wir den People of Colour die klare Botschaft vermitteln, dass sie hier nicht willkommen sind“, sagte Phoenix.

Auch Bafta-Präsident Prinz William äußerte sich. „Schon wieder sprechen wir darüber, dass wir mehr tun müssen, um in diesem Sektor und bei der Preisvergabe Diversität zu gewährleisten“, sagte William, der mit seiner Frau, Herzogin Kate, zu der Verleihung gekommen war.

Der neuseeländische Filmemacher Taika Waititi freute sich über den Preis für das Beste Adaptierte Drehbuch für seine Hitler-Satire „Jojo Rabbit“. Der südkoreanische Überraschungserfolg „Parasite“ von Regisseur Bong Joon-ho erhielt zwei Baftas – für das Beste Originaldrehbuch und als Bester Nicht-Englischsprachiger Film.

Verlierer des Abends waren zwei hochgelobte Filme mit jeweils zehn Nominierungen. Für „Once Upon A Time ...“ von Quentin Tarantino bekam Pitt, der nicht anwesend war, den einzigen Preis. Martin Scorseses Mafia-Epos „The Irishman“ ging komplett leer aus.

Gemessen an den Nominierungen verlief der Abend auch für „Joker“ enttäuschend. Von elf möglichen Preisen gab es nur drei – neben Phoenix‘ Hauptrolle für die Filmmusik der isländischen Komponistin Hildur Guðnadóttir und für das Casting.