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Lokalausgabe Zweibrücken-Land

Zur Tafel kommt, was übrig bleibtPlanen und Aufwärmen, statt Wegwerfen

Von Christof Paulus und Franziska Keßler (Merkur)

Zweibrücken. Die Deutschen werfen pro Jahr sozusagen einen erwachsenen Mann weg: Über 80 Kilogramm an Lebensmitteln landen durchschnittlich im Abfall - pro Person (wir berichteten). Wie sieht der Zweibrücker Einzelhandel dies? Andrea Huber vom Cap-Markt sagt, es sei nicht möglich, die Nachfrage zu decken, ohne Lebensmittel aus dem Verkauf nehmen zu müssen (Veröffentlicht am 17.03.2012)

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Gewaltige Mengen an Lebensmitteln landen jedes Jahr in deutschen Mülltonnen. Foto: Frank May/dpa

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. Zweibrücken. Die Deutschen werfen pro Jahr sozusagen einen erwachsenen Mann weg: Über 80 Kilogramm an Lebensmitteln landen durchschnittlich im Abfall - pro Person (wir berichteten).

Wie sieht der Zweibrücker Einzelhandel dies? Andrea Huber vom Cap-Markt sagt, es sei nicht möglich, die Nachfrage zu decken, ohne Lebensmittel aus dem Verkauf nehmen zu müssen. Fünf Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gibt der Betreiber des Cap-Marktes, die Heinrich-Kimmle-Stiftung, die Produkte an die von ihm ebenfalls betriebene Behinderten-Werkstatt, weiter. Vor allem Joghurt und Milch landen dort. Trotzdem kaufe Huber "wirtschaftlich" ein. So müssten die Mitarbeiter im Cap-Markt "eigentlich gar nichts" entsorgen. Aber nicht nur ältere Lebensmittel kommen aus dem Regal: Auch wenn die Banane ein paar braune Flecken hat oder die Quarkverpackung eingedrückt ist, gibt der Cap-Markt sie an die Werkstatt weiter. "Die Kunden kaufen das dann einfach nicht mehr", sagt Huber. Die größten Verschwender sind aber eh nicht die Märkte, sondern das meiste landet in den Mülltonnen der Privathaushalte. Mehr als die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel werden zu Hause weggeworfen.

Sabine Ernst vom Edeka-Markt in Zweibrücken klagt, dass Deutschland eine "Überfluss-Gesellschaft" sei. Edeka versuche, wenig wegzuwerfen und stattdessen das weiterzugeben, was noch gut ist. Empfänger der Lebensmittel sind das Kinderhilfswerk oder die Tafel, eine Hilfseinrichtung für Bedürftige. Außerdem könne man die Lebensmittel noch als Tierfutter verwenden, erklärt Sabine Ernst weiter.

Bei der Abfuhr der Biotonnen ist dem Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) nach eigener Aussage "nichts Eklatantes" bezüglich weggeworfener Lebensmittel aufgefallen. Daraus könne aber nicht geschlussfolgert werden, ob in Zweibrücken besonders viele Lebensmittel weggeworfen werden oder nicht, so das Unternehmen weiter.

Oft würden abgelaufene Lebensmittel nämlich nicht in der Biotonne entsorgt, sondern mitsamt Verpackung von den Bürgern in den Gelben Sack geworfen, für den der UBZ aber nicht zuständig ist. Zweibrücken. Eine schöne Städtereise über das Wochenende: Das entspricht in etwa dem Wert der Lebensmittel, die jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr ohne Not weg wirft. Insgesamt landen Waren im Wert von mehr als 300 Euro auf dem Müll, 65 Prozent davon wären ganz oder zumindest teilweise vermeidbar. Das geht aus einer Studie des Bundesverbraucherministeriums hervor. Warum werfen wir so viel weg? Und wie geht man am Besten dagegen an? Der Pfälzische Merkur hat sich in der Zweibrücker Fußgängerzone umgehört.

"Die Leute machen sich keine Gedanken drüber", sagt Brigitte Klingler aus Zweibrücken. Sie hält es für "Wahnsinn, was alles weggeworfen wird." Sie selbst gehe so oft wie möglich zum Metzger oder in die Bäckerei, um frisch einkaufen. "Mittags wird gekocht und abends wieder aufgewärmt", sagt sie.

Der Zweibrücker Markus Gietzen setzt auch auf frische Lebensmittel: Er gehe häufig und planvoll einkaufen, das sei aber auch einfach, da er in der Nähe der Innenstadt wohnt. Auf Vorrat kaufe er nur, was länger haltbar ist.

Für Manfred Schäfer aus Zweibrücken ist Einkaufen nicht unbedingt ein Thema: "Meine Frau kümmert sich darum, die passt da sehr gut auf." Damit sie nicht so viel wegwerfen müssen, plane er mit seiner Frau akribisch den Essensplan durch. Dafür schauen sie jede Woche die Prospekte durch und kaufen dann das, was sie brauchen.

Viele Leute werfen ihre Lebensmittel weg, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist. Die Lebensmittel sind dann aber noch haltbar. Deshalb schlägt Andreas Conrad aus Contwig vor, das Mindesthaltbarkeitsdatum anzupassen. Im Moment sei das Datum nur ein "Puffer", Joghurt könne man ja problemlos auch noch einen Tag später essen. Die Märkte wollten nur sicher gehen, nicht verklagt zu werden. "Wenn man das später setzt, wird auch weniger weggeworfen." chp/fke

Foto: chp

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