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Warum Deutschlands starke Wirtschaft allen nützt



Warum Deutschlands starke Wirtschaft allen nützt
Von Lothar Warscheid, 21.04.2017 02:00
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Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron tut's, Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), tut's und US-Präsident Donald Trump tut es sowieso. Sie alle schimpfen über den beständig hohen Leistungsbilanz-Überschuss der deutschen Wirtschaft. Von Trump hat man nichts anderes erwartet – seine ökonomische Weitsicht ist geprägt vom Blick aus dem Trump Tower hinab auf die Fifth Avenue in New York, wo er viele Mercedes auf der Straße und in den Parkbuchten ausgemacht hat. Macron und Lagarde hingegen müssten es eigentlich besser wissen. Denn sie erleben die enge Verflechtung zwischen der deutschen und französischen Wirtschaft hautnah und bekommen auch mit, dass dieser intensive Austausch von Waren, Kapital und Dienstleistungen beiden Seiten nützt.

Der fortlaufend hohe deutsche Leistungsbilanz-Überschuss lässt sich – grob gesprochen – auch mit dem Dauer-Abo des FC Bayern München auf den Spitzenplatz in der Fußball-Bundesliga vergleichen. Wer den Bayern vorschlagen würde, hin und wieder einfach etwas schlechter zu spielen, um anderen Mannschaften auch mal die Chance auf den Platz an der Sonne zu lassen, würde vermutlich auf schieres Unverständnis treffen und beißenden Spott ernten.

Das Beispiel kann zwar nicht eins zu eins übertragen werden, aber im Kern trifft der Vergleich zu. Denn der Leistungsbilanz-Überschuss resultiert in erster Linie daraus, dass die Unternehmen hierzulande mehr weltweit nachgefragte Güter produzieren als andere. Das hat viele Ursachen. Zum einen ist es die stark mittelständisch geprägte Struktur der deutschen Firmen mit ihrem Hang zum Tüfteln und Erfinden. Das hat dazu geführt, dass viele von ihnen mit sehr speziellen Produkten zu Weltmarktführern aufsteigen konnten, obwohl sie ihren Sitz häufig in der tiefsten Provinz haben. Oft gehören sie Familien, was die Kontinuität fördert und für Bodenhaftung sorgt.

Auch die Ausbildung, die deutsche Facharbeiter durchlaufen, ist ein wichtiges Pfund. Die Kombination von Schule und Betrieb zu Beginn eines Berufslebens ist weltweit einmalig. Und nicht zuletzt ist es der soziale Frieden, der in erster Linie von Gewerkschaften und Betriebsräten sichergestellt wird. Alle anderen Faktoren wie der im Vergleich zum Dollar günstige Euro oder moderate Rohstoff- und Energiekosten sind Einflussgrößen, deren Vorteile gern mitgenommen werden, auf die man sich aber nicht verlassen sollte.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat also Recht, wenn er mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank die deutsche Position zu Export-Überschuss und Welthandel erklärt. Den Oberlehrer brauchte er dabei nicht zu geben. Eigentlich genügt der Hinweis, dass deutsche Firmen auch sehr viel importieren und weltweit investieren. Von florierenden Volkswirtschaften haben viele etwas. Kränkelnde nützen niemandem, sie bringen nur Probleme.

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