25.09.2008 10:16
Allzeit bereit zu Futterneid
Mathias Schneck
Zweibrücken. Der Tag, an dem die Eier Kopf standen – diesen Tag wird die Familie Junkes wohl nicht wieder vergessen. Treibt er ihnen doch heute noch die Lachtränen in die Augen. Aber der Reihe nach.
Mutter Irmgard Maria Junkes berichtet dem Merkur: „Wir haben drei Buben, Christof, Andreas und Markus. Aufgestellt in einer Reihe sah das so richtig ‚orgelpfeifenmäßig' aus.“
Soweit, so gut. Doch stellten die drei kleinen „Orgelpfeifen“ nicht geringe Anforderungen an die diplomatischen Künste ihrer Erziehungsberechtigten. Mutter Junkes weiß von vielen Fällen zu berichten, in denen die drei Buben ein nicht zu unterschätzendes Maß an Futterneid an den Tag legten. Mit Argusaugen achtete jeder darauf, dass die beiden anderen aus dem Dreiergespann ja nicht bevorzugt würden. Die Kirrbergerin nennt ein Beispiel, wenn der Futterneid besonders hochkochte. So liebten die Buben für ihr Leben Cola. Sonntags gab es zur Feier des Tages für die drei Naschkatzen jeweils ein Gläschen. Um auszuschließen, dass einer mehr bekam als der andere, hatten die Junkes ein Prozedere eingeführt, vor dem jeder Diplomat voller Hochachtung den Hut ziehen würde.
„Wir stellten drei Gläser dicht nebeneinander. Einer der Jungs durfte die Cola ausschenken, die beiden anderen beobachteten alles genau.“ Waren die Gläser gefüllt, durften die beiden Buben, die nicht ausgeschenkt hatten, sich jeweils ihr Glas selbst aussuchen. Ähnlich hielten es die Junkes mit der heiß begehrten Schokolade. Auch hier galt: Einer teilt die Tafel in drei Stücke, die anderen dürfen sich ihre Ration selbst aussuchen. „Auch die Krümel wurden gerecht geteilt“, erinnert sich Irmgard Maria Junkes schmunzelnd.
Nun zu den Eiern: Ein Nachbar der Junkes hielt freilaufende Hühner. Gelegentlich gab es für die Junkes einige der Eier. Da diese etwas besonderes waren, kennzeichnete Mutter Junkes die Eier mit einem großen „W“ – für „Wiesberger“, der Nachname der hühnerhaltenden Nachbarn.
So gekennzeichnet, kamen die Eier in den Kühlschrank. Dann kam der Tag, als jemand aus der Familie die Eier im Kühlschrank auf den Kopf stellte. Jetzt sah es so aus, als ob sie mit einem „M“ gekennzeichnet wären. Mutter Junkes: „Christof, unser Ältester, er war damals vielleicht zehn Jahre alt, öffnete den Kühlschrank.“
Wie erstarrt blieb der Junge vor dem geöffneten Kühlschrank stehen – Eier, mit einem großen M! Voller Empörung stellte er seine Eltern zur Rede: „Aha! Ein M auf den Eiern! Sind wir jetzt schon seit weit, dass sich Markus die guten Eier reserviert?“
Noch heute halten sie die Junkes die Bäuche vor Lachen, wenn sie an diese Gegebenheit denken. „Das ist mittlerweile 20 Jahre her“, blickt Irmgard Maria Junkes zurück. „Aus unseren Buben sind längst Männer geworden.“ Die werden inzwischen wohl selbst schmunzeln müssen angesichts des damaligen Futterneids – und haben seither bestimmt auch die hohe Kunst des Teilens gelernt.






