25.09.2008 09:59
Der Sog der Flimmerkiste
Jan Althoff
Zweibrücken. Wer einfache Antworten will, sollte sich keine Kinder anschaffen. Denn der Patentrezepte gibt es nur wenige. Auch beim Thema Kinder und elektronische Medien sind keine in Sicht. Was es gibt, sind grobe Anhaltspunkte und Anlaufstellen, deren Mitarbeiter man als Lotsen einspannen kann. Wenn die eigene Intuition zum Beispiel durch ein Übermaß an Information ins Taumeln geraten ist.
In Zweibrücken ist die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, kurz und etwas verkürzt Erziehungsberatung genannt, eine solche Adresse. Dort haben Christian Roland und Margarete Eicher-Schwarz ein Ohr für Eltern oder Kinder. Und auf Wunsch Ratschläge parat – aber keine Patentrezepte. Immerhin kann man, sagt das Duo bei der Erziehungsberatung, holzschnittartig ein paar Eckpfosten einschlagen: Babys müssen eigentlich überhaupt nicht vor der Glotze hocken. Drei- bis Fünfjährige können ein paar Minuten gucken, Sechs- bis Neunjährige etwa fünf Stunden pro Woche. „Ab dann wäre es günstig, mit den Kindern auszuhandeln, was gesehen wird“, sagt Roland. „Wäre günstig.“ Heißt wiederum: Vorsicht, kein Patentrezept, keine unumstößliche ewige Wahrheit. Hilfreiche Tipps könnten sein, besonders in den ersten Fernsehjahren mit den Kindern gemeinsam das Kinderprogramm zu gucken und darüber zu sprechen; trotz aller pädagogisch wertvollen Programme den Nachwuchs lieber selber etwas ausprobieren lassen, als sich zum Beispiel ein Experiment auf dem Bildschirm vorkauen zu lassen; unmittelbar vor dem Einschlafen die Glotze aus lassen; eine „Flimmerkasten-Zeit“ einführen, die für alle elektronischen Medien gilt: wie die Zeit zwischen Fernseher, PC und Konsole verteilt wird, kann das Kind selber entscheiden.
Generell gilt, sagt Roland: „Wenn ich eine Medienerziehung mache, die nicht zu meiner sonstigen Erziehung passt, bekomme ich ein Problem. Wenn ich was übernehme, nur, weil es in einem Erziehungsratgeber geschrieben steht.“ Wer nicht vorlebt, was er predigt, wird als Erzieher früher oder später scheitern. Immerhin, sagt Margarete Eicher-Schwarz, ist die Situation an der Medienfront nicht hoffnungslos. Ganz im Gegenteil. „Junge Eltern gehen heutzutage schon recht umsichtig mit dem Thema um“, hat sie festgestellt. Es soll sogar Eltern geben, die in die virtuellen Welten an PC und Konsole eintauchen, um mit ihren Kindern auf Augenhöhe darüber reden zu können. Ein Fortschritt.
Einmal im Monat treffen sich interessierte Eltern in der Beratungsstelle in der Poststraße zum Eltern-Forum. Die nächsten Termine sind heute und am 21. Oktober, jeweils ab 20 Uhr. Infos unter Telefon (06332) 5669985.






