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07.09.2010 00:16

Premiere für ein kleines Bild

Gemälde aus dem 18. Jahrhundert stehen im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, die ab heute in der Galerie im Edelhaus des Römermuseums Schwarzenacker gezeigt wird. Unter weiteren Exponaten können Interessierte auch einen Blick auf ein Porträt einer jungen Dame werfen, die ein königlich-bayrischer Hofmaler in Szene gesetzt hat.

Jägersburg/Schwarzenacker. "Dieses Bild ist ein Glücksfall", sagt Gerd Steuer - und präsentiert ein auf Elfenbein gemaltes Miniaturporträt einer jungen Dame, das fast unmerklich die Signatur "L. Neureuther 1813" trägt. "Hinter dieser Signatur", so der Homburger Kunst- und Antiquitätenexperte, "verbirgt sich der aus Jägersburg stammende königlich-bayerische Hofmaler Ludwig Neureuther". Dass dieser jetzt wieder ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rückt, ist dabei vor allem dem auch in Homburg begangenen Jubiläum "600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken" zu verdanken: So wird das von Gerd Steuer entdeckte Porträt anlässlich der Sonderausstellung "Die Malerei am Pfalz-Zweibrücker Hof im 18. Jahrhundert" gezeigt, die ab heute in der Galerie im Edelhaus des Römermuseums Schwarzenacker zu sehen ist.

"Johann Ludwig Neureuther gehörte nicht zu den Spitzenkünstlern seiner Zeit, ist aber durchaus bemerkenswert", kommentiert Gerd Steuer das Werk und den Stellenwert jenes Porträtisten, Landschafts- und Figurenmalers, der sich darüber hinaus als Litograf und Radierer hervortat. Geboren wurde er 1770 in Jägersburg als Sohn des herzoglichen Postillions Christoph Neureuter und seiner Frau Catharina.

Seine zeichnerische Begabung brachte ihm bald die Aufmerksamkeit von Herzog Karl II. August ein - wodurch der Postillionssohn 1785 Schüler des Blumenmalers Christian Friedrich Wirth auf dem Karlsberg und später des großen Johann Christian von Mannlich wurde.

Von 1791 bis 1793 war Neureuther schließlich gegen Kostgeld und Auslagen fest als Künstler bei Hofe angestellt und folgte diesem auch, als Karl II. August 1793 vor anrückenden französischen Revolutionstruppen über Mannheim ins Exil nach Rohrbach bei Heidelberg floh. Als der Herzog dort 1795 starb, trat sein jüngerer, in Jägersburg erzogener Bruder Maximilian Joseph jenes Erbe an, das Karl II. August versagt geblieben war: Von 1799 an regierte er als Kurfürst Bayern sowie die noch verbliebenen Wittelsbacher Lande und wurde 1806 gar zum ersten König von Bayern gekrönt.

Mit dem Umzug Max Josephs nach München siedelte 1799 auch dessen Hofkünstler Neureuther dorthin über, bildete sich mit Mannlichs Unterstützung als Landschaftsmaler weiter und schuf während dieser Zeit unter anderem jene Zeichnungen bayerischer Trachten, die heute eine unschätzbare Hilfe für Volkskundler und Heimatvereine darstellen. Seit 1813 war Neureuther zudem als Zeichenlehrer am Bamberger Gymnasium tätig.

Während dieser Zeit entstand jenes rare Miniaturporträt einer unbekannten jungen Dame, das nun in Schwarzenacker erstmals einem größeren Publikum vorgestellt wird. Der Rahmen hierfür ist dabei ideal - beherbergt die Galerie im Edelhaus doch ausgewählte, von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als Dauerleihgabe überlassene Gemälde jener Pfalz-Zweibrücker Malergruppe, in deren Umfeld und Tradition sich auch der 1832 in Bamberg verstorbene Johann Ludwig Neureuther bewegte.

Bekannter als er wurden indes seine Söhne - der in den Adelsstand erhobene Architekt Gottfried von Neureuther und dessen Bruder Eugen Napoleon Neureuther. "Eugen Napoleon Neureuther", ergänzt Gerd Steuer in diesem Zusammenhang, "ging den Weg seines Vaters weiter, übertraf ihn und wurde ein Hauptvertreter der deutschen romantischen Tradition."

Der berühmteste Nachfahre des aus Jägersburg geflohenen Hofmalers ist jedoch zweifellos jener 1949 in Garmisch-Partenkirchen geborene Christian Neureuther, der als Ski-Ass von sich reden machte - und der sich seines aus der Saarpfalz stammenden Vorfahren durchaus bewusst ist.

"Es bleibt zu hoffen", so der Jägersburger Ortsvorsteher Siegfried Biegaj, "dass dieser in seiner einstigen Heimat weitgehend vergessene Künstler endlich wieder in angemessener Weise wahrgenommen wird". In diesem Zusammenhang erwägt er beispielsweise, Ludwig Neureuther, sein Werk und seine Zeit in Form einer speziellen Soirée im Rahmen der Kulturreihe "Homburger Solitaire" oder in Form einer Kabinettausstellung im Burg- und Schlossmuseum in der Gustavsburg vorzustellen. kf

Auf einen Blick

Die Sonderausstellung "Die Malerei am Pfalz-Zweibrücker Hof im 18. Jahrhundert" ist vom heutigen Dienstag, 7. September, bis einschließlich 14. November in der Galerie im Edelhaus/Römermuseum Schwarzenacker, Homburger Straße 38, täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Nähere Informationen gibt es dort unter Telefon (0 68 48) 73 07 77 sowie im Internet unter www.roemermuseum-homburg.de. kf


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