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26.02.2010 00:06

Bald nur noch zwei Pfarreien in Homburg

Die katholische Kirche zählt immer weniger Mitglieder, damit sinken auch die Einnahmen. Gleichzeitig geht die Zahl der Pfarrer kontinuierlich zurück. Die Seelsorge in Homburg und Bexbach wird deshalb auf neue Beine gestellt, Pfarrgemeinden werden bis 2015 zu großen Einheiten zusammengelegt.

Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Homburg/Bexbach. "Unsere Ressourcen werden derzeit knapp. Die Zahl der Gläubigen ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Mit diesem Rückgang ist auch ein Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen verbunden. Zugleich wird das uns zur Verfügung stehende Personal weniger, und wir müssen sehen, wie wir hier unsere Seelsorge neu aufstellen." Generalvikar Franz Jung vom Bistum Speyer beschönigte anlässlich einer Pressekonferenz, eingebunden in eine ganztägige Information von Hauptamtlichen und Vertretern der Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte des Pfarrverbandes Homburg, am Dienstagabend im Pfarrheim Maria vom Frieden die aktuelle Situation des Bistums nicht. Sein Besuch war ein sichtbares Zeichen für die geplante Neugliederung der Pfarreien im Rahmen des "Gemeindepastoral 2015". Bis zum Jahr 2015 sollen aus den bislang 346 Pfarreien in 123 Pfarrgemeinschaften im Bistum 60 größere Pfarreien entstehen.

Diese Neustrukturierung wird auch vor Homburg und Bexbach nicht Halt machen, ab 2015 sollen die bestehenden Strukturen in drei großen Pfarreien aufgehen. Zu "Homburg 1" werden dann St. Fronleichnam und St. Michael in Homburg, Maria Hilf in Bruchhof, Maria Himmelfahrt in Kirrberg und Maria Geburt in Schwarzenacker gehören. "Homburg 2" wird aus St. Andreas und Maria vom Frieden in Erbach, St. Remigius in Beeden und St. Josef in Jägersburg bestehen. Die Pfarrei Bexbach wird St. Martin in Bexbach, St. Josef in Frankenholz, St. Maria in Höchen und St. Barbara in Oberbexbach umfassen. Die Schließung von Kirchenräumen und kirchlichen Einrichtungen schlossen sowohl der Homburger Pfarrverbandsvorsitzende Axel Brecht als auch Generalvikar Franz Jung gegenwärtig aus. Die früheren Pfarreien sollen als Gemeinden in den neuen größeren Pfarreien weiter bestehen bleiben. Die Namen der neuen Pfarreien stünden noch nicht fest, so Brecht und Jung.

Personell werden die Seelsorgeteams der neuen Einheiten aus einem leitenden Pfarrer, einem kooperierenden Priester sowie, abhängig von der Größe, aus mindestens einem pastoralen Mitarbeiter bestehen. Mit der neuen Struktur geht aber auch eine inhaltliche Neuausrichtung einher. Generalvikar Franz Jung: "Eine bestimmte Sozialgestaltung von Kirche geht ihrem Ende entgegen, namentlich die klassische Gemeindekirche der 70er Jahre. Wir erreichen immer weniger Menschen in unseren territorialen Pfarreien, wir merken, dass die Gottesdienstangebote für viele nicht mehr ansprechend sind." Dies bedeute, dass Gemeinde, wie sie noch in den 80er und 90er Jahren gelebt worden sei, immer weniger funktioniere. So gelte es, neue Versuche und neue Projekte von Seelsorge zu starten. Als Grundgerüst für diese inhaltliche Neuorientierung nannte Jung Spiritualität, Evangelisierung, Anwaltschaft und Weltkirche. "Es geht darum, unser Tun spirituell noch einmal neu zu durchleuchten." So gelte es beispielhaft zu prüfen, ob es neue Gottesdienstformen und -Orte geben könne. "Unsere Botschaft ist gut, wir müssen sie aber neu positionieren."

Für die Gläubigen, so Brecht und Jung, würden die neuen Strukturen keine qualitative Minderung an kirchlichem Angebot bedeuten, vielmehr sei die äußere und innere Neuausrichtung eine Chance zum Aufbruch. Das bestehende Konzept soll im November 2010 auf einem Diözesanforum beraten und zum Jahresende durch Bischof Wiesemann in Kraft gesetzt werden. Die Reform selbst soll 2015 ungesetzt werden.

Meinung

Auf einem dornigen Weg

Von SZ-Redakteur

Jürgen Neumann

Immer mehr Menschen kehren der katholischen Kirche den Rücken. Immer weniger junge Männer wollen Priester werden und immer teuerer wird die Unterhaltung der kirchlichen Gebäude. Dies bedeutet auf der einen Seite einen massiven Rückgang an Einnahmen und auf der anderen Seite den Zwang, sich aus dem geistlichen Engagement in den Orten zurückziehen zu müssen. Dass unsere Saarpfalz-Region auch davon betroffen ist, ist ganz logisch, denn wir leben hier nicht auf einer Insel der ahnungslosen Glückseligen. Zwischen Homburg und St. Ingbert hat der Katholizismus zwar seit Jahrhunderten einen festen Platz im Alltag der Menschen, doch die Realität macht keinen Halt im Irdischen. Was vor Jahren unter Bischof Schlembach als Sparprogramm angedacht war, setzt nun sein Nachfolger Wiesemann konsequent in die Tat um. Das Bistum Speyer ist auf einem dornigen Weg in die Zukunft. Wenn diese negative Entwicklung so weiter geht, dann singt bald fast keiner mehr das bekannte Kirchenlied "Nun jauchzet alle Welt". Dann muss der Gesangbuchs-Text in "Nun jammert alle Welt" umgeschrieben werden.


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