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24.02.2010 00:11

Missbrauchte Johanneum-Pater Schüler?

Ein früher in Homburg tätiger Ordensgeistlicher ist wegen Vorwürfen des Missbrauchs beurlaubt worden. Unterdessen werden auch in der Region Trier immer mehr Missbrauchsvorwürfe gegen Priester laut.

Homburg/Münster. Ein Pater der Hiltruper Missionare des Bistums Münster soll vor mehr als 20 Jahren an Schülern sexuelle Handlungen vorgenommen haben, als er am Gymnasium Johanneum im saarländischen Homburg arbeitete.

Das erklärte das Bistum Münster gestern. Demnach habe der Ordensobere der Hiltruper Missionare Kenntnis über die Vorwürfe gegen den Pater erhalten. Ähnliche Vorwürfe seien der "Kommission für Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger" aber auch von dritter Seite angezeigt worden, teilte die Bischöfliche Pressestelle in Münster mit.

Bis zur Prüfung der gegen den Priester erhobenen Vorwürfe sei dieser beurlaubt worden. Nach Abschluss der Untersuchung erstatte die Kommission dem Bischof Bericht. Über das weitere Vorgehen entscheide der Bischof im Anschluss.

Unterdessen werden auch in der Region Trier immer mehr Missbrauchsfälle durch katholische Priester bekannt. Ein Kaplan verging sich in den 60er Jahren in Trier und im Vulkaneifelkreis offenbar an mehreren Messdienern. Und im ehemaligen kirchlichen Internat in Biesdorf gab es offenbar nicht nur einen Missbrauchsfall.

Die Fälle liegen schon über 40 Jahre zurück, jetzt kommen sie ans Licht, weil Opfer sich melden. Das Trierer Bistum bestätigte Recherchen der Tageszeitung "Trierischer Volksfreund", wonach zwischen 1965 und 1967 ein damals 31-jähriger Kaplan in Trier fünf Messdiener missbraucht haben soll. Ein Opfer hatte sich vergangene Woche beim Bistumsbeauftragten für Missbrauchsfälle gemeldet. Bis dahin habe man nichts von den Fällen gewusst, sagt Bistums-Sprecher Stephan Kronenburg. Er bestätigte, dass der Kaplan vor seiner Versetzung nach Trier bereits im heutigen Vulkaneifelkreis einen Jugendlichen missbraucht hatte. Der Beauftragte des Bistums Trier für sexuellen Missbrauch räumte ein, dass es damals ein schwerer Fehler gewesen sei, "keine Konsequenzen" aus dem Fall in der Eifel gezogen zu haben. Nach drei Jahren regulärer Kaplanszeit in Trier war der Geistliche jahrelang Pfarrer im heutigen Eifelkreis Bitburg-Prüm. 1973 schied er aus dem Priesteramt aus. Grund: Er heiratete eine Frau, die von ihm schwanger war. Der heute 76-Jährige war bis zu seiner Pensionierung Religionslehrer an einer pfälzischen Schule. Gestern meldete sich zudem ein weiteres mögliches Opfer aus dem Internat Biesdorf. dpa/kat/wie

Hintergrund

Am Homburger Johanneum sind heute keine Patres mehr im Schuldienst tätig, das Internat wurde bereits vor vielen Jahren geschlossen. Die Privatschule wurde in eine Stiftung mit der Bezeichnung gemeinnützige Gesellschaft umgewandelt. Im Stiftungsrat sind Patres vertreten. Schulleiterin ist seit 2008 Eva-Maria Wenzel-Staudt. Alle Schulleiter vor ihr gehörten dem Hiltruper Orden an. Derzeit besuchen etwa 1000 Schüler das Gymnasium. red


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