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17.02.2010 07:35

Eine Zeit der Besinnung

Die Fastenzeit beginnt heute. Sie eröffnet den Menschen eine Möglichkeit, sich wieder neu zu orientieren, zu sich selbst zu finden und die wesentlichen Dinge neu schätzen zu lernen. Der Erbacher Pfarrer Axel Brecht erläuterte, was Fasten für ihn bedeutet.

Von Merkur-Mitarbeiterin Christine Maack

Erbach. Am Aschermittwoch ist alles vorbei – so sangen und schunkelten die Fastnachter noch bis gestern. Geradezu so, als käme danach etwas Unangenehmes: Verzicht üben, fasten, sich einschränken, sich etwas bewusst versagen.

Und das auch noch in einer Zeit, in der wir gewöhnt sind, dass alles auf Knopfdruck geliefert wird – vom Handy bis zum Hamburger. Doch wie für so vieles, gilt auch fürs Fasten, dass hinter dem vermeintlich überholten Ritual ein tieferer Sinn steckt: Das Angebot, seine persönliche Freiheit wieder zu finden.

Das betont der katholische Pfarrer Axel Brecht von der Erbacher Pfarrei Maria vom Frieden, der gestern zu Gast in unserer Redaktion war: ,,Fasten heißt nicht, dass man verbiestert und hungrig durch die Gegend läuft. In der Fastenzeit haben wir vielmehr Gelegenheit, unser Leben und unsere Bedürfnisse neu zu überdenken. Und dabei zu spüren, dass wir durchaus Ballast abwerfen können, um uns wieder neu zu fühlen.“ Der Verzicht auf üppiges Essen sei dabei nur ein Aspekt von mehreren. Pfarrer Brecht erinnert daran, dass in der Bibel das Fasten dazu gedient habe, sein Leben neu auszurichten.

„Moses fastete, bevor er Gott gegenüber trat, Jesus fastete, bevor er bewusst seinen Weg ging. Fasten ist immer auch eine Vorbereitung auf eine einschneidende Änderung im Leben.“ Konzentration, wieder zu sich selbst finden, seine Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen neu überdenken, das sei, so Pfarrer Brecht, auch für ihn persönlich sehr wichtig.

Zum Fasten gehören für ihn auch das Beten und das Geben von Almosen. Nur wer sich frei mache von irdischem Besitzdenken und kleinlichen Dingen, sei geistig offen, über neue Ideen und Lebensentwürfe nachzudenken. Die 40 Tage vor Ostern seien deshalb eine ganz wichtige Zeit im Jahr, in der die Menschen das Angebot bekämen, zu sich selbst zu finden. „Wenn man auf etwas nicht mehr verzichten kann, hat man auch die Freude verloren“, erklärt Axel Brecht, „nur, wer etwas wieder schätzen lernt, weiß, was es wert ist.“

Es sei auch ihm persönlich wichtig, „wenigstens einmal im Jahr die eigene Abhängigkeit zu überprüfen und mich zu fragen: Was brauche ich, auf was kann ich verzichten?“ Dass Zeitschriften die Fastenzeit als Diät verkauften, sei oberflächlich: ,,Ohne das spirituelle Element hat das Fasten kaum Bedeutung.“ Es ginge nicht darum, dass Pfunde verschwinden, ,,sondern dass wir uns bemühen, das Wesentliche für unser Leben zu finden.“ Das Bistum Speyer hält mehrere Angebote zur den Fastenwochen bereit, Klöster und Bildungshäuser laden die Menschen ein.

Meinung


Ein Tag, ein neues Leben

Lebenshilfe von der Kirche? Und das auch noch beim Fasten, für das es doch schon Psychologen und Ernährungsberater gibt. Was hat uns da die Religion zu sagen? Man denkt dabei höchstens an freudlose Aschermittwoch-Vorschläge wie „Verzicht üben“.

Doch es geht nicht um Selbstkasteiung, sondern um genau das Gegenteil – um das Wiederfinden der persönlichen Freiheit. Und um das Überprüfen der eigenen Situation: Wie abhängig bin ich von irdischen Dingen?

Was oder wer bestimmt mich? Kann ich versuchen, mich davon frei zu machen? Das sind die Überlegungen zur Fastenzeit. Es geht nicht um Fleisch oder Fisch, sondern um die Möglichkeit, sein Leben neu zu ordnen. Abstand zu gewinnen und sich neu zu konzentrieren. Der Aschermittwoch kann ein wichtiger Tag sein.

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