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12.02.2010 00:12

Schlüssel wechselte schnell den Besitzer

"Faulenzer", "Gartenzwerg" und andere Nettigkeiten dieser Art wurden ausgetauscht, ehe Prinz Holger I. von der edlen Kutsche den Rathaus-Schlüssel in seinen Besitz brachte und das närrische Volk bis Aschermittwoch die Macht übernahm: Bexbach erlebte gestern den kältesten Rathaussturm seit Jahren.

Von SZ-Redakteur Ralph Schäfer

Bexbach. Am Ende konnte man Prinzessin Christina I. die Vorfreude ansehen, als sie an dem Fenster des Bexbacher Rathauses stand, an dem normalerweise die politischen Verteidiger des hohen Hauses ihre Schmäh-Sätze den Angreifern entgegenschleudern, und nach dem Sieg verkünden konnte: "Endlich ist in Bexbach mal wieder was los!". Der kälteste Bexbacher Rathaussturm der vergangenen Jahre sorgte zwar dafür, dass der Rathausvorplatz nicht so voll wie gewohnt war - aber die Stimmung ließen sich die närrischen Truppen auch durch Schneefall und Kälte nicht vermiesen.

Man konnte die Uhr nach den vereinigten Angreifern der Bexbacher Karnevalsgesellschaft "Die Blätsch" und des Oberbexbacher Karnevalsvereins "Mer gehn metsamme" (MGM) stellen: Pünktlichst um 15.30 Uhr tauchten sie gestern vor der Rathaustreppe auf. Angeführt vom DJK-Fanfarenzug und dem Blätsch-Prinzenpaar Holger I. von der edlen Kutsche und ihrer Lieblichkeit Christina I., bezog man Stellung vor der Rahaustür, während im Stockwerk darüber die politischen Verteidiger mit Bürgermeister Heinz Müller, dem Beigeordneten Wolfgang Imbsweiler und zum ersten Mal dem neuen Ortsvorsteher Franz-Josef Müller wie gewohnt Aufstellung genommen hatten. In Bexbach scheint der Musketier das Ortsvorsteher-Standard-Kostüm zu sein: Müller trägt es und sein Amtsvorgänger Alfons Roth hat es auch jahrelang getragen.

Was folgte, war das obligatorische verbale Scharmützel: Blätsch-Präsident Klaus Fess nannte den Grafen Heinz Müller einen Angsthasen und Prinz Holger forderte ihn auf, sich blicken zu lassen. "Du alter Faulenzer, mach die Tür auf", schmetterte der Prinz in den ersten Stock, was ihm vom Graf Bürgermeister den wenig schmeichelhaften Titel "Gartenzwerg" einbrachte. Immerhin drohte der Schlafhaus-Chef massiv: "Ich komme gleich mal runter, dann erlebst Du Dein blaues Wunder", reimte Müller, erntete aber nur Gelächter von den vereinigten Truppen. Seine Ankündigung, den Rathaus-Schlüssel partout nicht herausgeben zu wollen, sorgte letztendlich für den Angriffsbefehl durch Klaus Fess. Die Tür hielt nicht lange stand, und Heinz Müllers Aufforderung, "schwätz net so viel und komm doch hoch", nahm Prinz Holger wörtlich - nach zwei Minuten war er im Besitz des begehrten Rathaus-Schlüssels.

Jetzt könne die Fastnacht offiziell beginnen, erklärte Holger, "Uns gehört ab jetzt das Bexbacher Narrenland." Die Rathausverteidiger wurden abgeführt und bei viel Musik schickte sich das närrische Volk an, an verschiedenen Orten in der Höcherberg-Stadt wieder so richtig Fastnacht zu feiern.

Auf einen Blick

Der Rathaussturm in Bexbach lief gestern genau nach Plan: Pünktlichst um 15.30 Uhr tauchten die vereinigten Truppen der Bexbacher Karnevalsgesellschaft "Die Blätsch" und des Oberbexbacher Karnevalsvereins "Mer gehn metsamme" (MGM), angeführt vom DJK-Fanfarenzug, am Rathaus auf. rs


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