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05.02.2010 00:10

Die Kirche muss sparen

Das Bistum Speyer hat Probleme: Jedes Jahr kommt weniger Kirchensteuer in die Kasse. Der Pfarrverband Homburg hat reagiert und plant, die Pfarreien bis 2015 auf nur drei zu reduzieren: zwei in Homburg, eine in Bexbach.

Von SZ-Redakteurin Christine Maack

Homburg. Die Wirtschaftskrise wirkt sich nun auch voll auf den Haushalt des Bistums Speyer aus: Um zwölf Prozent werden die Kirchensteuereinnahmen 2010 gegenüber dem Vorjahr zurückgehen und liegen dann bei 105 Millionen Euro, so die Prognose der Bischöflichen Finanzkammer.

Das schlägt natürlich auch bis Homburg durch. Allerdings nicht unverhofft, wie Pfarrer Axel Brecht betont. Er ist Vorsitzender des katholischen Pfarrverbandes Homburg und somit auch mit Einsparungen und Umstrukturierungen befasst. "Wir arbeiten seit 2005 an der Umstrukturierung der Pfarreien", erklärt Brecht, "und bis 2015 wird es nur noch drei Pfarreien im Verband geben: zwei in Homburg und eine in Bexbach."

Nicht gespart wird an den katholischen Kindergärten und Kindertagesstätten. Vor einigen Monaten ist der Neubau der Kita St. Fronleichnam im Akazienweg fertig geworden, die Kosten lagen bei etwa 1,5 Millionen Euro. Auch in Kirrberg spielen die Kinder in neuen Räumen, zusammen mit der freiwilligen Ganztagsschule schlägt der Bau mit 1,5 Millionen Euro zu Buche. In Bruchhof wird in der Kita der Pfarrei Maria Hilf gearbeitet. Hier wird für etwa 1,5 Millionen Euro um- und angebaut. Fertig werden soll alles im Sommer. In der Kita Charlottenburg laufen ebenfalls Arbeiten. Für einen kleineren Anbau und Küche sind 110 000 Euro vorgesehen.

Mit der Fertigstellung wird ebenfalls im Sommer 2010 gerechnet. Für die Kita der Gemeinde St. Remigius Beeden sind Um- und Anbau in Planung, gerechnet wird mit Kosten von unter einer Million Euro. Für Arbeiten am Kindergarten der Pfarrei St. Andreas laufen die Planungen. Gerechnet wird mit Kosten von 1,3 Millionen Euro.

Die christliche Erziehung der Vorschulkinder sehen die Pfarreien als eine ihrer Kernaufgaben an. Das Bistum Speyer unterstützt diesen Schwerpunkt, zumal der Anteil der Zuweisungen für die 240 Kindertagesstätten des Bistums 10,2 Millionen Euro beträgt, das sind zehn Prozent der Kirchensteuereinnahmen. Dennoch - der Bistums-Haushalt musste auf 127 Millionen Euro reduziert werden, 2009 umfasste er noch 138 Millionen.

"Man vergisst dabei oft, dass die Kirchensteuer direkt an die Einkommenssteuer gekoppelt ist. Sobald Steuern umverlagert werden, kommt bei den Kirchen weniger an", erklärt Axel Brecht, "Einkommensteuer-Erleichterungen bedeuten für die Kirchen erneute Einnahmeverluste." Der Speyerer Generalvikar Franz Jung machte gestern bei der Vorstellung des Haushaltsplanes deutlich, dass in den Folgejahren der finanzielle Einbruch für das Bistum noch drastischer ausfallen werde. Ausschlaggebend dafür seien auch die zu erwartenden Steuersenkungen und die negative demografische Entwicklung. So werde bis 2013 ein Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um weitere zehn Prozent erwartet. Bezogen auf den Haushalt 2009 müssten deshalb bis dahin insgesamt 21 Millionen Euro eingespart werden. "Wir sind zum Handeln gezwungen. Und es bleibt uns nur wenig Zeit, ein wirksames Sparpaket zu schnüren", erklärte Jung. Seit 2004 seien schon rund 100 Stellen in Verwaltung und Seelsorge abgebaut worden.

Meinung

Kirche ist Heimat

Von SZ-Redakteurin

Christine Maack

Eltern schätzen christliche Kindergärten. Die Bistümer wissen, dass hier die "Mitnahme-Mentalität" weniger ausgeprägt ist, als man oft annimmt: Diejenigen, die die christliche Infrastruktur gerne nutzen, aber keine Kirchensteuer bezahlen, sind in der Minderheit. Seit die Sparpläne der Bistümer bekannt geworden sind, ist vielen Bürgern erst deutlich geworden, in wie viele wichtige Bereiche des Lebens die Kirchen hineinwirken. Und welchen Verlust an Lebensqualität es bedeutet, wenn sie weniger präsent wären. Wer möchte schon auf Konzerte, Sommerfeste und die Gesprächsangebote des Seelsorgers verzichten? All das ist Kirche - und ein Stück Heimat dazu.


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