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03.09.2010 00:09

Die letzten Mohikaner

Früher waren Telefonzellen die einzige Möglichkeit, von unterwegs jemanden anzurufen. Den Siegeszug der Handys haben die heute Kommunikations-Terminals genannten Apparate überlebt - bisher.

Von Merkur-Mitarbeiterin Annika Schnell

Zweibrücken. Jeder hat ein Handy. Denkt man, wenn man selbst Grundschüler in der Fußgängerzone mit Handy am Ohr sieht. So mancher wäre verloren, wenn sein Mobiltelefon ganz plötzlich den Geist aufgäbe, er aber unbedingt mal telefonieren müsste. In dieser mobilen Telefonwelt sind die guten alten Telefonzellen ziemlich in Vergessenheit geraten. Aber: Es gibt sie noch. Allerdings sind sie in aller Regel nicht mehr gelb, sondern grau, verzichten auf die namensgebende Zelle und damit meist auf den stechenden Geruch von altem Urin. Die perfekte Tarnung im Grau der Städte.

Allein im Stadtgebiet von Zweibrücken stehen noch ganze 37 "Kommunikations-Terminals", wie Telefonzellen heute in der Sprache der Telekom heißen. 20 davon, sagt André Hofmann, Pressesprecher der Telekom für die Region West, sind Münztelefone, elf "All Payment"-Telefone (für Münz- und Kartenzahlung). Für sechs Stück braucht man eine Telefonkarte. Die Telefonier-Stationen, im April 1881 wurden die ersten gebaut, sind mit der Zeit gegangen. "Die klassischen gelben Zellen werden nicht mehr gebaut, weil zu viel Geld für die Reparatur von eingeschlagenen Scheiben verloren ging", sagt André Hofmann, "die Plexiglasscheiben genügen als Windschutz und die Zeiten, in denen man eine Dreiviertelstunde in der Zelle steht und telefoniert, sind allemal vorbei".

Genutzt werden die Zellen heutzutage natürlich weniger als noch vor zehn Jahren. "Trotzdem wird die Telekom immer und überall eine gewisse Grundversorgung an Telefonzellen bereitstellen", versichert Hofmann. "Es kann immer passieren, dass man sein Handy vergessen hat oder dass der Akku leer ist. Gerade für Notrufe ist es wichtig, dass ein Telefon nie zu weit weg ist."

Abgesehen vom Design hat sich auch die Ausstattung geändert: "Aus Kostengründen stellen wir keine Telefonbücher mehr in den Zellen zur Verfügung", berichtet Hofmann, "die Bücher wurden ganz oft angezündet und zerrissen. Und da ohnehin immer weniger Menschen die öffentlichen Telefone nutzen, rentiert es sich nicht mehr, so viel Geld für Reparatur und Ersatz auszugeben".

Eine gesetzliche Regelung zur Häufigkeit von Telefonzellen, beispielsweise eine Zelle auf 100 Einwohner, gibt es nicht. Die Telekom hat laut Hofmann auch keine festen Quoten, an denen sie sich orientiert. Man lege jedoch viel Wert darauf, dass überall eine Grundversorgung an Telefonen vorhanden ist, versichert der Telekom-Sprecher.


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