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03.09.2010 00:09

Von Mädchen, Katzen und Verrätern

Egal ob Rockröhre, Balladenkönig oder Metal-Gott - sie alle blicken wehmütig auf das erste eigene Lied zurück. In einer Merkur-Serie erinnern sich Zweibrücker Künstler an ihren musikalischen Erstling. Heute: Mitglieder von "Smokestack".

Von Merkur-Redakteur Eric Kolling

Zweibrücken. "Smokestack" ist in der Zweibrücker Musikszene seit 2003 ein Begriff: Fünf Musiker, die sich einer Mischung aus Blues, Rock'n'Roll, Metal und Punk verschrieben haben. Selbst nennen sie schmutzige Gitarrenriffs oder aggressive Drums als zentrale Bestandteile ihre Musik. Es sind Elemente, die sich auch in den Frühwerken einige Bandmitglieder wiederfanden. Bei Bassgitarrist David Schwebius zum Beispiel, der 2004 den Weg zur Band fand. "Baby, don't cry" (übersetzt in etwa: "Mädchen, weine nicht") - einen aufmunternden Titel wählte er für den Startsong, der ein "Funk"-Lied gewesen sei. Entstanden sei das Stück in den neunziger Jahren im Schulbus zwischen Reifenberg und Zweibrücken, erklärt Schwebius, David Schwebius, 1999 rasta-lockiger Oberbürgermeister-Kandidat in Zweibrücken: "Wie ich auf die Melodie gekommen bin, weiß ich heute nicht mehr."

Sehr wohl im Gedächtnis ist ihm aber noch das Thema des Songs: "Positiv denken, sich von Sorgen nicht erdrücken lassen!" Und in den Erinnerungen festgebrannt haben sich die Proben der damaligen Jungband in Reifenberg. "Strukturell war das Lied noch nicht ausgefeilt. Heute würde ich Strophe, Refrain besser einteilen, den Song besser durchdenken und etwa mit einer Pointe am Schluss versehen", beschreibt Schwebius, welche Lehren er aus seinem Frühwerk gezogen hat. Smokestack-typische "groovige Baselines und verzerrte Gitarren" hätten sich auch schon in diesem ersten Lied wiedergefunden.

Auch das Debüt von Band-Sänger Marcel Stork klang musikalisch schon so wie heute, nicht aber textlich, denn für den Part war er nicht verantwortlich bei der damaligen Heavy-Metal/Cruch-Band High Blood Pressure, für die er komponierte. Stork würde das erste Lied auch heute "wieder genauso schreiben wie damals". Denn er findet "Betrayer" (Verräter) auch nach 18 Jahren noch gut. Ein Stück, das er im Keller seiner Eltern ersonn. "Ich habe mit der Gitarre einfach vor mich hin gespielt", erzählt er und fügt an, "es handelte von Krieg, Atombombenversuchen und den damit verbundenen Lügen gegenüber der Menschheit." So schwer diese Beschreibung auch klingt, für den Liedermacher ist der Song bis heute eine Erinnerung an "eine geile, unbeschwerte Zeit."

Eine sehr wertvolle Freundschaft ist es hingegen, die Smokestack-Gitarrist Thorsten Feiertag mit seinem ersten Song "The day the cat died" (Der Tag an dem die Katze starb) verbindet. "Vor dem Fernseher", sagt Feiertag, habe er die Melodie zufällig durch Ausprobieren ersonnen. "Lustige Nachtschichten im Heimstudio" hat er beim Gedanken an das Lied immer noch vor seinem geistigen Auge. Ein Remake würde Feiertag "aufbauschen": "Der Song selbst war sehr reduziert und bestand lediglich aus diversen Gitarrenarrangements kombiniert mit mehrstimmigem Gesang und dezenten Streichern im Hintergrund. Schlagzeug würde bei einem Remake nicht fehlen."

Hintergrund

"Smokestack" setzt sich zusammen aus Sänger Marcel Stork, den Gitarristen Steffen Bücklein und Thorsten Feiertag, Bassist David Schwebius und Drummer Alex O'Connor. Gegründet wurde die Formation 2003, in ihrer aktuellen Besetzung spielt sie seit 2005. Die Musiker waren vorher unter anderem bei The Contagious Q-Tips, Come Up Screaming oder High Blood Pressure.

Ihr nächstes Konzert gibt Smokestack am morgigen Samstag, 21 Uhr, im Route 66 in der Zweibrücker Gewerbestraße. ek


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