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Ein Roboter entdeckt seine Seele



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Ein Roboter entdeckt seine Seele
Von Martin Schwickert, 30.03.2017 02:00
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Eine ernstzunehmende Superheldin: Scarlett Johansson als Major. Foto: PPG

Foto: PPG
Gibt es Leben auf dem Mars? Daniel Espinosas Weltraumhorror„Life“ beantwortet diese Menschheitsfrage mit Ja. Und stellt die These auf: Diese beiden Spezies sollte man lieber nicht aufeinander loslassen.

Im Reich der Superhelden kann von Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau keine Rede sein. Zwar wurde Scarlett Johansson in der Rolle der Black Widow als Quoten-Amazone ins „Avengers“-Team aufgenommen, aber im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen hat sie es im Marvel-Imperium nie zu einem eigenen Kino-Franchise gebracht.

Auch unter den „X-Men“ gibt es durchaus einige interessante Frauencharaktere. Wenn es jedoch um die Führungspositionen geht, bleibt man auch im Mutantenlager patriarchalen Stigmatisierungen treu. Nun kommt mit Rupert Sanders „Ghost in the Shell“ endlich eine ernstzunehmende Superheldin als Hauptfigur auf die Leinwand.

Die Story des Films beruht auf einem legendären japanischen Science-Fiction-Manga von Masamune Shirow und ist an der fließenden Grenze zwischen Mensch und Maschine angesiedelt.

Major (Scarlett Johansson) ist ein humanoider Roboter, in den ein Menschenhirn eingepflanzt wurde, und ist zur Terroristenbekämpfung beim Verteidigungsministerium unter Vertrag. Ein Unbekannter setzt Regierung mit digitalen, aber auch physischen Angriffen unter Druck. Je näher sich Major an den Bösewicht heran arbeitet, umso deutlicher werden die Erinnerungsvisionen an ihre menschliche Vergangenheit. Anders als die männlichen Kollegen in der Superhelden-Branche, deren übernatürliche Kräfte zur Durchsetzung eigener ethischer Vorstellungen in Gebrauch genommen werden, ist Scarlett Johanssons Major eine Kampfmaschine, die allmählich ihre Seele entdeckt.

Das Ringen zwischen Fremdprogrammierung und Selbstbestimmung ist der Grundkonflikt der Figur, der gerade in unserer kommunikationstechnisierten Gesellschaft breite metaphorische Spielräume eröffnet. Sanders panasiatisches Metropolis ist kein dystopisch-düsterer Ort, sondern eine bunte, vielschichtige Welt mit einem leicht verregneten Grauschleier.

Die städtebaulichen Visionen, die hier zusammengepixelt werden, sind ein Erlebnis für sich und belegen zugleich den gesamtkunstwerklichen Anspruch des Unternehmens.

Mit diesem durch und durch souveränen Erstauftritt seiner Superheldin ist „Ghost in the Shell“ auf jeden Fall eine ernstzunehmende Konkurrenz und erholsame Abwechslung zu dem üblicherweise männerdominierten Marvel-Universum. (USA 2017, 120 Minuten, Regie: Rupert Sanders; Buch: Jamie Moss, William Wheeler nach der Comicvorlage von Masamune Shirow)

Zum Thema:

„Ghost in the Shell“ von Rupert Sanders USA 2017, 120 Minuten Regie: Rupert Sanders. Darsteller: Scarlett Johansson, Takeshi Kitano, Juliette Binoche und Michael Pitt.

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