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Preußischer Feldprediger Samuel Christoph Wagener widmete sich dem Dialekt



Zweibrücken
Der Dialekt als kulturelles Erbe
Preußischer Feldprediger Samuel Christoph Wagener widmete sich dem Dialekt

Von Klaus Friedrich, 21.02.2015 00:00
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Rosemarie Saalfeld setzt sich als Regionalleiterin des Vereins Deutsche Sprache für die Region 66/Pfalz und stellvertretende Leiterin der bundesweit tätigen Arbeitsgruppe „Dialekte und Regionalsprachen“ im VDS auch für Pfälzisch ein. Foto: Klaus Friedrich Foto: Klaus Friedrich
Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Pfalz erstmals auch in kultureller Hinsicht in einem Buch beschrieben. Sehr ausführlich beschäftigte sich Autor Samuel Christoph Wagener mit dem Dialekt.
Nach Einschätzung der Unesco ist die Hälfte der heute rund 6000 weltweit gebräuchlichen Sprachen in Gefahr, zu verschwinden – und längst gelten auch die in Rheinland-Pfalz hauptsächlich gesprochenen Mundarten Rheinfränkisch wie das „Pälzische“ und Moselfränkisch als bedrohte Sprachen. Vor diesem Hintergrund kommt dem alljährlich am 21. Februar begangenen „Internationalen Tag der Muttersprache“ der Vereinten Nationen gerade in Zweibrücken besondere Bedeutung zu.

„Muttersprachen sind der Kitt, der Gesellschaften zusammenhält“, betont in diesem Zusammenhang Walter Krämer, Gründer und Vorsitzender des weltweit über 30 000 Mitglieder zählenden Vereins Deutsche Sprache (VDS), der zum bevorstehenden „Internationalen Tag der Muttersprache“ sein Jahresmotto „MutterspracheLandessprache – Mitsprache“ bekannt gegeben hat. „Eine gemeinsame, sozial- und kulturgeschichtlich gewachsene Landessprache“, so Krämer, „ist die beste Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis und demokratische Mitsprache“.

Zu dieser Landessprache gehören für Rosemarie Saalfeld, VDS-Regionalleiterin für die Region 66/Pfalz, zum einen die hochdeutsche Muttersprache, die „ohne unnötige und unverständliche Anglizismen auskommen sollte“, und zum anderen ganz selbstverständlich die lokal gebräuchlichen Muttersprachen, die ihrer Ansicht nach noch immer nicht ausreichend als kulturelles Erbe gewürdigt werden. „Für mich sind beide gleichwertig“, hebt die gebürtige Zweibrückerin im Gespräch mit dem Merkur hervor. Als stellvertretende Leiterin der bundesweit tätigen Arbeitsgruppe „Dialekte und Regionalsprachen“ im VDS beobachtet sie die unablässig geführten Pro-und-Contra-Dialekt-Debatten sehr genau und nimmt sie als mitunter sehr befremdlich wahr. „Statt dafür oder dagegen zu argumentieren, sollte man lieber die Hochsprache gleichberechtigt neben die lokalen Muttersprachen stellen und Dialekte als gelebten Ausdruck regionaler Identität sehen“, so Rosemarie Saalfeld. „Und egal, ob man Hochdeutsch oder ‚Zweebrigger Platt‘ bevorzugt: Beherrschen sollte man beides!“

Das Motto „Muddaschprooch muss uff die Schtroos“, mit dem man 2015 in der Saar-Pfalz-Region die Notwendigkeit unterstreichen möchte, die lokalen Mundarten verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, ist ganz im Sinne von Rosemarie Saalfeld. Immerhin geht mit jeder neuen Generation ein Stück Dialekt verloren, und „die heutige Jugend kommuniziert weniger verbal, schreibt dafür aber lieber SMS in Kürzeln“. „Muddaschprooch uff die Schtroos“ zu bringen, heißt für sie auch, Pfälzisch auf die Bühne zu holen. „Ich persönlich“, berichtet sie, „habe wieder ein Theaterstück in unsere Westpfälzer Mundart übertragen und zugleich Regie geführt. Mit großem Erfolg. Gerade gestern habe ich wieder erfahren, dass es den Mitbürgern gefällt, Theateraufführungen in ‚ihrer‘ Sprache zu erleben“. Für sie ist es bei all dem interessant „das örtliche Sprachkolorit zu entdecken“ – denn: „Jeder Ort hat so seine Eigenheiten“. Dieses „örtliche Sprachkolorit“ ist für Rosemarie Saalfeld jedoch nicht alleine auf die Westpfalz beschränkt, sondern gleichfalls auf die benachbarte Großregion. „Da wir eine Grenzregion sind, sollte es für uns wichtig sein, dass in Lothringen und im Elsass die traditionelle Sprachkultur erhalten bleibt.“ Umso mehr begrüßt sie es, dass bei der an diesem Samstag in Saarbrücken stattfindenden Zentralveranstaltung zum „Internationalen Tag der Muttersprache“ zwischen Pfalz, Saar und Mosel ausdrücklich Podiumsgäste aus Saargemünd und Rheinland-Pfalz zusammen- und zu Wort kommen werden.



vds-ev.de

Dass die pfälzische Mundart etwas Besonderes ist, wusste bereits 1795 der preußische Feldprediger und Literat Samuel Christoph Wagener (1763 – 1845) zu berichten. In seinem Buch „Ueber die Pfalz am Rhein und deren Nachbarschaft.“ widmete er ihr gleich mehrere Seiten.

Mit dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und dem Versuch der preußischen Armee, diese aufzuhalten, wurde 1793 auch der Westrich Kriegsschauplatz. Vor diesem Hintergrund verschlug es den lutherischen Theologen und Schriftsteller Samuel Christoph Wagener in seiner Eigenschaft als Feldprediger des preußischen Leibcarabiner-Regiments in das Land zwischen Saar und Pfalz. 1795 erschienen seine Berichte in gedruckter Form unter dem Titel „Ueber die Pfalz am Rhein und deren Nachbarschaft. Besonders in Hinsicht auf den gegenwärtigen Krieg, auf Naturschönheiten, Kultur und Alterthümer“ – und erschien damit zugleich das vermutlich erste Buch, das die Pfalz in dieser Form beschrieb.

Besonders fasziniert schien Samuel Christoph Wagener dabei vom pfälzischen Dialekt gewesen zu sein. So schrieb er: „Aber lassen Sie uns von etwas anderem sprechen. – Ich habe seit einiger Zeit besonders Gelegenheit gehabt, den Pfälzer immer mehr zu studiren, und kennen zu lernen. Er scheint mir in mehr als einer Hinsicht zwischen dem Deutschen und dem Franzosen in der Mitte zu stehen.“ Und weiter befand Wagener: „Selbst die deutsche Mundart des Pfälzers französirt schon in mancher Hinsicht; und beweiset durch einige ihrer Eigenthümlichkeiten, und namentlich durch das Verschlukken mehrerer Buchstaben, besonders des Mitlauters N am Ende der Zeitwörter, daß seine größere Flüchtigkeit und seine Sprachorgane schon mehr die Geschmeidigkeit und Gewandheit der französischen Sprache erheischen.“
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