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Noch viele Afghanen in Zweibrücken, regelmäßig einige Zweibrücker in Afghanistan



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Noch viele Afghanen in Zweibrücken, regelmäßig einige Zweibrücker in Afghanistan
Von Lutz Fröhlich, 19.06.2017 02:00
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Migrationsbeirat fordert Bleiberecht für 28 weitere Afghanen in Zweibrücken. Kommandeur Steinhaus wertet Fallschirmjäger- Einsatz trotz jetziger Rückschläge als Erfolg.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat auch Auswirkungen auf Menschen in Zweibrücken – insbesondere Flüchtlinge und Bundeswehr-Soldaten.

Die großen, teils tödlichen Einsätze der Soldaten der Fallschirmjäger der Niederauerbach-Kaserne in Afghanistan sind zwar seit dem Ende des internationalen Isaf-Mandats Ende 2014 vorbei. Seitdem sind aus dem Regiment aber jährlich etwa drei bis fünf Soldaten in Afghanistan, vor allem zur Beratung heimischer Sicherheitskräfte. Gerade wird auch in Zweibrücken wieder jemand auf einen Einsatz ab Juli in Afghanistan vorbereitet, erklärt Oberst Andreas Steinhaus, Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 26, auf Merkur-Anfrage. Anschläge radikaler Islamisten wie am 31. Mai mit über 100 Toten im streng bewachten Botschaftsviertel in der Hauptstadt Kabul führen auch in der deutschen Öffentlichkeit immer wieder zu Diskussionen darüber, ob der Isaf-Einsatz Afghanistan auf einen guten Weg gebracht hat. Steinhaus selbst war zwei Mal länger in Afghanistan, 2011 und 2013/14. Hat sich die Sicherheitslage dort seitdem verbessert oder verschlechtert, was berichten seine Soldaten? „Das ist schwierig zu sagen“, antwortet der Kommandeur. Denn die Sicherheitsverantwortung liege heute in afghanischen Händen, und internationale Soldaten seien in vielen Orten nicht mehr präsent. Fakt sei aber: Die einzelnen Soldaten seines Fallschirmjägerregiments 26, die seit dem Ende des Isaf-Mandats in Afghanistan waren, „können alle ihre Arbeit leisten“, und zwar auch unterwegs mit Afghanen. Es gebe zwar manchmal „konkrete Warnungen, dann werden Gegenmaßnahmen ergriffen – aber es gibt keine Auflösung der Sicherheitslage. Wir können unseren Auftrag erfüllen!“ Auch wenn es immer wieder Rückschläge gebe, wertet Steinhaus die deutsche Beteiligung am Isaf-Einsatz als Erfolg: „Die afghanischen Sicherheitskräfte sind in der Lage, die Sicherheit zu gewährleisten, wenn auch nicht absolut. Zum Teil ist die Lage auch unübersichtlich und schwierig, aber sie tun es!“ Fünf Zweibrücker Soldaten sind 2008 und 2009 im nordafghanischen Kundus getötet worden, der höchste Blutzoll einer Kaserne in Deutschland. Wie ist die Gefühlslage bei den Fallschirmjägern, wenn große Anschläge wie jetzt in Kabul Zweifel an der Befriedung Afghanistans wecken? Der Erfolg des Einsatzes messe sich für ihn, emotional betrachtet, nicht daran, was heute oder in 15 Jahren in Afghanistan geschehe, antwortet Steinhaus. „Dass erfolgreiche Schlachten durch die Geschichte revidiert werden, hat es immer gegeben“, setzt der Oberst andere Maßstäbe an: Seine Soldaten seien „stolz darauf, dass wir es geschafft haben, unser Gebiet gesichert an die afghanischen Kräfte zu übergeben“.

Auch emotional sehr mit der Gegenwart und Zukunft beschäftigt sind dagegen die 78 Afghanen, die derzeit als Flüchtlinge in Zweibrücken leben. Besonders 28 von ihnen – denn sie haben im Asylverfahren Ablehnungsbescheide bekommen und sollen nach Afghanistan zurückkehren. Bereits vor dem Anschlag von Kabul hat der städtische „Beirat für Migration und Integration“ deshalb einen offenen Brief an die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) geschrieben und sich „sehr besorgt über den Umgang des Bundes mit dieser Menschengruppe“ gezeigt. Denn: „Ihnen wird zugemutet, in ihre Heimat zurückzukehren und dort leben zu können, wo Familienangehörige umgebracht wurden und weiterhin Kampfhandlungen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen stattfinden.“Außerdem lebten diese 28 Afghanen schon seit mehr als zwei Jahren in Zweibrücken, lernten Deutsch und integrierten sich. Der Migrationsbeirats-Vorsitzende Kurt Liebmann schreibt in dem Brief zwar, man begrüße die Entscheidung der Landesregierung, abgelehnte Asylbewerber nicht nach Afghanistan abzuschieben. „Für die betroffenen Menschen bleibt aber ihre Zukunft ungewiss, da sie jeweils eine Duldung auf sechs Monate bekommen und damit auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance auf eine langfristige, angemessen bezahlte Beschäftigung haben.“ Der Beirat fordert deshalb die Landesregierung dazu auf, „sich auf Bundesebene verstärkt dafür einzusetzen, dass Afghanistan – so wie in den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für deutsche Staatsangehörige – als unsicheres Herkunftsland eingestuft wird.“ Eine Antwort aus Mainz stehe noch aus.

Der Anschlag im Botschaftsviertel von Kabul bestärkt den österreichischen Zweibrücker Liebmann in seiner Kritik: „Wenn sie das nicht beschützen können, wie soll das dann im ganzen Land gehen?“ Infolge des Anschlags von Kabul prüft die Bundesregierung derzeit, ob die Sicherheitslage in Afghanistan neu bewertet werden muss und schiebt zurzeit nur Gefährder ab.

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