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Chaos in Ernstweiler und Einöd



Zweibrücken
Chaos in Ernstweiler und Einöd
Von David Oliver Betz, 17.06.2017 02:00
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Am Freitag zog sich wegen der Vollsperrung auf der A 8 eine Blechlawine durch Ernstweiler und Einöd. Foto: David Oliver Betz
Autobahn-Sperrung sorgt für Blechlawinen auf der A 8, in Einöd und Ernstweiler sowie einen dramatischen Unfall am Stauende bei Limbach. Schon zum Erreichen der Umleitung brauchen Autofahrer zeitweise über zwei Stunden.

Die Autobahn 8 ist noch bis Samstagmorgen aus Richtung Neunkircher Kreuz kommend ab der Abfahrt Einöd voll gesperrt. Die großräumige Umleitung erfolgt offiziell am Neunkircher Kreuz über die A 6 und die A 62 – doch tatsächlich wälzten sich am Freitag Blechlawinen durch die Ortsdurchfahrten von Einöd und Ernstweiler.

Am schlimmsten war es am Nachmittag. Um 15.05 Uhr meldete der SR-Verkehrsfunk, nach einem Auffahrunfall in der Abfahrt Einöd staue sich der Verkehr bis zur Abfahrt Limbach, wenn man in Einöd abfahre, brauche über zwei Stunden, um überhaupt bis zur Umleitungsstrecke zu kommen. Um 15.08 Uhr dann fuhr ein Kleintransporter am Stauende bei Limbach ungebremst auf einen Lkw auf, obwohl dieser die Warnblinkanlage eingeschaltet hatte, so die Homburger Polizei auf Merkur-Anfrage. Der 28-jährige Fahrer sei schwer verletzt worden und habe Glück gehabt, dass er nicht in Lebensgefahr oder sogar tot sei. Die rechte Spur wurde zwei Stunden für die Bergungsarbeiten gesperrt.

Der Unfall an der Abfahrt Einöd sei wohl nur ein leichter gewesen, die Beteiligten hätten nicht auf die Polizei gewartet. Der lange Stau sei weniger den Unfällen geschuldet, sondern der Tatsache, dass viele Autofahrer die Sperrung nicht wie vorgesehen großräumig umfahren hätten, so der Polizeisprecher weiter. Zudem seien hinter der Abfahrt Einöd Ampelschaltungen nicht synchronisiert gewesen, dies habe man vergeblich versucht, kurzfristig ändern zu lassen.

Schon kurz vor 10 Uhr, als ein Merkur-Mitarbeiter vor Ort war, geht in der Homburger Straße auf der Spur, die nach Zweibrücken führt, nichts mehr. Die Autos stauen sich bis auf die Autobahn. Die Nerven liegen blank. „So eine verdammte Sch …“, brüllt ein Mann mit Neunkircher Kennzeichen. Wegen des schönen Wetters hat er alle Fenster offen, man hört seinen Schrei deutlich.

Der Verkehr wird über die Gottlieb-Daimler-Straße bis an den Kino-Kreisel umgeleitet. Dort und am Kreisel zur Bubenhauser Straße können die Autos dann wieder auf die Autobahn. Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass man an der Ampel zwischen Homburger Straße und Gottlieb-Daimler-Straße rechts Richtung Kreisel fahren muss. Geradeaus in die Stadt ist die Weiterfahrt durch Absperrungen und Barken verwehrt. Wenn man allerdings auf der Brücke wendet, dann kann man als Rechtsabbieger ungehindert an gleicher Stelle Richtung Innenstadt düsen. Diese scheinbar sinnlose Verkehrsführung trägt bei vielen Autofahrern noch mehr zum Unmut bei. Gerhard Schwarz aus Zweibrücken ist gerade auf dem Rückweg vom Globus, steht nun im Stau. „Das ist so typisch für Zweibrücken. Wenn die Autobahn gesperrt ist, fällt denen noch was Dummes ein, damit die Umleitung nur ja umständlich ist. Das regt mich maßlos auf“, schimpft er. „Wieso kriegen die Zweibrücker das immer hin, das zwei Baustellen sich gegenseitig behindern?“, fragt er wütend. „Wenn ich so schaffen würde, hätte ich schon lang die Kündigung“, ruft er zornig, als er weiter fährt.

Helmut Becker aus Neunkirchen nimmt's dagegen gelassen. „Ich habe jetzt seit der Abfahrt auf die Umleitung bis hierher fast 45 Minuten gebraucht. Aber aufregen bringt ja auch nix. Irgendwann müssen die Straßen gemacht werden und das passiert halt im Sommer. Ich wusste ja, dass Umleitung ist, und habe mir so mehr Zeit eingeplant. Deshalb hab ich mir extra zwei schöne CDs mit ins Auto genommen, so hab ich was vom Stau.“

Andere sind weniger entspannt. Es wird gestikuliert, gehupt, geschimpft. Die Ortsdurchfahrt Einöd und die Homburger Straße in Ernstweiler sind eine einzige riesige Blechlawine, unterbrochen nur von ein paar Ampeln. Stefan Backes aus Homburg, der Verwandte in Zweibrücken hat, ist sichtlich genervt. „Das geht gefühlt seit Jahren so. Erst war die Autobahnbrücke bei Einöd das Nadelöhr, dann war hier die Baustelle vor John Deere und jetzt dieser Quatsch. Ich fühl mich langsam veräppelt. Das kann ja nicht mehr normal sein“, schimpft er. „Nächstes Mal fahr ich gleich über Kirrberg, da hab ich wenigstens freie Fahrt“, sagt er und rollt im Schneckentempo weiter. „Oder ich bleib im Saarland, da ist es eh schöner“, ruft er noch augenzwinkernd beim Anfahren aus dem Fenster.

 

Zum Thema:

 

Noch bis diesen Samstag, 6 Uhr, soll die Vollsperrung auf der A 8 zwischen Einöd und Zweibrücken dauern. Von Freitag, 23. Juni, 19 Uhr bis Montag, 26. Juni, 5 Uhr ist die Autobahn dann in die andere Fahrtrichtung gesperrt. Dann wird derselbe Stau also genau in die andere Richtung führen. Doch damit nicht genug: Zwischen den Anschlussstellen Zweibrücken-Mitte und Zweibrücken-Ixheim in Fahrtrichtung Pirmasens ist noch bis Mitte Juli Baustelle, die Fahrbahn wird dort erneuert. Das heißt: einspurige Verkehrsführung und im Zweifelsfall noch mehr Chaos und Unmut.

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