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Walter Rimbrecht war in seinen anderthalb Jahrzehnten als BBS-Leiter nicht nur die Entwicklung der Schüler wichtig, sondern auch die der Lehrer



Zweibrücken
„Mit Leistung kommt man weiter“
Walter Rimbrecht war in seinen anderthalb Jahrzehnten als BBS-Leiter nicht nur die Entwicklung der Schüler wichtig, sondern auch die der Lehrer

Von Lutz Fröhlich, 13.07.2016 02:00
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Einer von Walter Rimbrechts letzten Tagen im Lehrerzimmer: Morgen ist seine Verabschiedungsfeier als BBS-Leiter. Foto: Lutz Fröhlich Foto: Lutz Fröhlich
In der Schule lernt man – aber manchmal wäre es auch hilfreich, von der Schule zu lernen. Letzteres empfiehlt der scheidende BBS-Direktor Walter Rimbrecht der Politik hinsichtlich Personalentwicklung und Leistungsprinzip.
An der BBS Zweibrücken (Berufsbildende Schule) endet eine Ära: Nach 30 Jahren als Lehrer – davon vierzehneinhalb als Schulleiter – geht Walter Rimbrecht in den Ruhestand.

„Wir haben in dieser Zeit circa 15 000 Jugendliche verabschiedet“, blickt der Oberstudiendirektor zurück: „Ich habe immer wieder gemerkt, wie stolz sie darauf sind, viele sind auch sehr erfolgreich im Berufsleben.“

Aber nicht nur auf seine Schüler ist Rimbrecht stolz. Auf die Frage nach seinen größten Erfolgen als Schulleiter nennt er neben dem „Aufbau neuer Bildungswege“ an der BBS wie dem beruflichen Oberstufengymnasium vor allem „die Personalentwicklung, die ich betrieben habe“. Die zurzeit über 100 Lehrkräfte seien „alle sehr zufrieden“, ebenso wie Schüler, Eltern und Betriebe, wie auch Prüfungen durch die Qualitätsagentur zeigten.

„Die Personalauswahl an der Schule ist anders als in der Politik“, sagt Rimbrecht, seit vielen Jahren auch einer der profiliertesten Politiker Zweibrückens: „An der Schule habe ich immer geguckt: Wen kann ich wie aufbauen. Außergewöhnlich viele junge Lehrkräfte haben bei uns Karriere gemacht. Das wirkt sich auch auf die Schüler aus, denn es zeigt: Mit Leistung kommt man weiter. In der Politik hat man manchmal das Gefühl, dass Leute vor Leistung Angst haben – die Ergebnisse sind dann manchmal traurig.“ Theoretisch hätte der 64-Jährige beantragen können, noch ein Jahr länger zu arbeiten. Das habe er aber nicht gemacht, denn „die jungen Menschen, die nachkommen, sollen auch eine Chance haben“. Er habe die Ignaz-Roth-Schule „so aufgestellt, dass man sie gerne übernimmt“. Rimbrechts Nachfolger wird zum 1. August sein bisheriger Ständiger Vertreter, Jürgen H. Bärmann.

Rimbrecht ist es aber nicht nur um die Qualität seiner Schule gegangen – sondern auch darum, dass diese Qualität sich herumspricht. Das zeigt schon ein Blick auf die BBS-Internetseite: Die dortige 175-jährige Schul-Geschichte ist (auf Papier gedruckt) fünf Seiten lang – drei davon behandeln Erfolge aus den vierzehneinhalb Rimbrecht-Jahren. Tue Gutes und rede darüber – das hat sich für die BBS bezahlt gemacht. Rimbrecht nennt ein Beispiel: „Früher galt es als Katastrophe, wenn man ein Gymnasium vor dem Abitur verlassen hat und zur BBS gewechselt ist – doch immer mehr erkennen, welche Chancen sie bei uns haben und dass es den Leuten bei uns oft besser geht, weil sie hier ihre Fähigkeiten besser einsetzen können.“

Was war für Rimbrecht die größte Enttäuschung seiner Amtszeit? „Der Rückgang der Teilzeit-Berufsschule.“ Der habe zwar großteils schon in den siebziger Jahren begonnen. Doch heute gebe es nur noch 500 Schüler an der BBS, die parallel eine Lehre machen, früher waren es bis zu 2500. Grund seien viele Veränderungen in der Bildungs- und Berufswelt. So machten heute viel mehr Schüler Abitur. „Und viele Neuntklässler sind wirklich nicht mehr in der Lage, eine Ausbildung zu machen – das liegt aber nicht nur an den Schülern, sondern vor allem an den heute viel höheren intellektuellen Anforderungen in sehr vielen Ausbildungsberufen.“ Aber auch hier verweist Rimbrecht auf Erfolge der BBS: „Nach ein oder zwei Berufsvorbereitungsjahren bei uns schaffen es mehr als zwei Drittel, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“ Im BVJ und in der Berufsfachschule 1 gehe es auch darum, die Persönlichkeit der Schüler zu stärken, „dass sie Freude an Leistung entwickeln, meistens kennen sie ja nur Misserfolg. Bei uns bekommen sie zunächst Erfolgserlebnisse im praktischen Bereich, und das macht es dann leichter im theoretischen Bereich.“ Und auch wer zum Beispiel gar kein Verhältnis zu Zahlen entwickeln könne, habe Chancen an der BBS: „Für den finden wir auch was, zum Beispiel im sozialen oder im Gesundheits-Bereich. Wir haben da mehr Möglichkeiten als allgemeinbildende Schulen.“

Rimbrecht ist auch deshalb überzeugt: „Investitionen in Berufsbildende Schulen rentieren sich.“ Wobei unternehmerisches Denken auch für Schulleiter wichtig sei: „Ich hatte da Vorteile, weil ich BWL, VWL und Organisation studiert habe.“ Das sei bei Schulleitern noch selten.

Dabei hätte Rimbrecht beinahe etwas völlig anderes studiert: Musik. „Ich habe dann aber an meinem Trompeten-Lehrer gemerkt, dass das beruflich sehr unsicher ist.“ Trompeter aber ist Rimbrecht geblieben – und antwortet auf die Frage, was er künftig mit seiner neu gewonnen Freizeit macht: „Mehr im musikalischen Bereich.“ So gebe er im Oktober mit einem Trio ein Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche. Will der Sozialdemokrat auch der Politik wieder mehr Zeit widmen? „Ich stehe mittlerweile auf dem Standpunkt, dass ich niemand zwingen will, mich als Kandidaten aufzustellen.“

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