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Zwei Dutzend Rieschweiler-Mühlbacher beim mitternächtlichen Neujahrssingen



Rieschweiler-Mühlbach
Lieder statt Böller
Zwei Dutzend Rieschweiler-Mühlbacher beim mitternächtlichen Neujahrssingen

Von Norbert Schwarz, 02.01.2017 02:00
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Das Neujahrssingen in der noch weihnachtlich geschmückten protestantischen Kirche. Foto: cos

Foto: cos
Mehr als 20 Sängerinnen und Sänger aus allen Altersgruppen trafen sich in der Silvesternacht zum uralten Brauch des gemeinsamen Neujahrssingens bei der Rieschweiler Dorfkirche.

Schriftliche Nachweise darüber, wie lange es das Neujahrssingen in Rieschweiler-Mühlbach schon gibt, existieren keine. Doch Dorfchronist Paul Wagner oder Hans Isemann schwören Stein und Bein darauf, dass es das Singen schon seit Menschengedenken gibt. Der Kreis derer, die sich dafür einsetzen, dass dieser ganz besondere Brauch auch künftig nicht in Vergessenheit gerät, wechselt, schwankt in der Regel zwischen 20 und 30 Sängerinnen und Sängern.

In diesem Jahr war die Schar der Sänger wieder erfreulich groß – und zufrieden stellte Pfarrerin Ulrike Höflich fest, dass keineswegs nur ältere Mitglieder aus der protestantischen Pfarrgemeinde noch während des Neujahrsgeläutes sich auf den Weg zur Dorfkirche machten. Zu ihnen zählte einmal mehr Helmut Bayer, der sich vor einigen Jahren in die Sängerschar einreihte. „Mein Vater hatte mich früher schon mal mitgenommen. Dann kamen andere Interessen. Als ich vor Jahren in den Vorruhestand trat, haben mich Bekannte animiert, an diesem Singen doch wieder teilzunehmen, und seitdem bin ich dabei und freue mich über dieses doch außergewöhnliche Neujahrssingen.“ Nicht allein dem ehemaligen Fußballer haben in der ersten Stunde des neuen Jahres Besinnlichkeit, Gesang und passenden Worten der Pfarrerin Ulrike Höflich viel gegeben.

Von diesem, zugegeben nicht alltäglichen Brauch wollen viele jedenfalls nicht abrücken und nehmen dabei gern in Kauf, den sonst üblichen Wechselrhythmus vom alten ins neue Jahr atypisch zu gestalten, wenn nicht sogar „ein Opfer“ zu bringen. Denn derweil der doch überwiegende Teil der Dorfbewohner ausgiebig in Privathäusern den Jahreswechsel feiert, treffen sich die Sänger unter dem Eingangsportal des Gotteshauses, stoßen auf das neue Jahr an und singen zur Ehre Gottes Lieder. Das Teilnehmeralter ist dabei Nebensache. Jüngere und ältere Dorfbewohner nehmen an diesem mitternächtlichen Singen teil. Hans Isemann zählt ebenso zur großen Schar der Dauersänger und weiß, dass Bilder darüber existieren, wo nur eine handvoll singender Bürger unter dem Eingangsgewölbe standen und mit Gesang das neue Jahr willkommen hießen. Keine Frage, es ist ein Ritual, das schon Generationen vorher pflegten, wie jeder versichert – und alle hoffen, wie das bei Gesprächen zwischen den Gesängen offenkundig wird, dass es noch lange so bleibt. Ingo Joob, die inzwischen schon auf die 80 zusteuert, kommt seit den 90er Jahren regelmäßig zum Neujahrssingen und freut sich das ganze Jahr über auf diese ganz besondere Nacht. Der Jahresanfang gebe ihr immer so viel Kraft für die verbleibenden 364 Tage, meint Joob, die auch das Miteinander in der großen Sängerschar besonders schätzt.

Sakraler Gesang ist es, der alljährlich in der Neujahrsnacht am Hauptportal der protestantischen Dorfkirche erklingt. Gesang, mit dem die Dorfbewohner das neue Jahr begrüßen und mit ihrem Singen Jesus Christus, den Herr der Schöpfung ehren.

Als Pfarrerin Ulrike Höflich vor etwas mehr als einem Jahrzehnt ihre Pfarrstelle antrat und von diesem Brauch hörte, war sie überrascht und gespannt zugleich. Der dörfliche Kirchenbrauch zum Jahreswechsel war ihr bis dahin unbekannt. Längst ist aber auch sie vom Virus „Neujahrssingen“ gepackt, freut sich von Mal zu Mal über die vielen Mitstreiter. In jedem Jahr gebe es neue Gesichter, aber vor allem viele bekannte, die schon viele Jahre dabei sind.

Diesmal erinnerten sich alle auch wieder an Helene Stütze, die langjährige Kirchendienerin, die zuletzt sogar im Sitzen dem Neujahrssingen beiwohnte, bis Alter und Krankheit dies unmöglich machten. Sie war eine große Verfechterin dieses Brauches gewesen und hätte sich gewiss auch diesmal wieder aufrichtig darüber gefreut, dass der Freundeskreis der Brauchtumspfleger weiter Bestand hat.

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