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Möbelhaus „überflüssig und risikoreich“



Zweibrücken/Contwig
Möbelhaus „überflüssig und risikoreich“
Von Lutz Fröhlich, 17.03.2017 02:00
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Das Möbelhaus ist auf diesem Feld gegenüber der Turbokreisel-Zufahrt an den Style Outlets geplant. Foto: dauelsberg

Foto: dauelsberg
Grüne aus Stadt und Land lehnen Pläne für die Truppacher Höhe ab: Randsortimente würden Innenstädte gefährden.

Zu den seit Dezember 2015 bekannten Plänen, ein großes Möbelhaus auf der Truppacher Höhe zu errichten, hat jetzt die erste Partei eine klare Position bezogen: Der Grünenkreisverband Zweibrücken und die Grünenfraktionen im Stadtrat sowie der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land lehnen die Pläne als „überflüssig und risikoreich“ ab, auf der Truppacher Höhe ein Möbelhaus mit 39 500 Quadratmetern Verkaufsfläche zuzulassen. „Weder besteht ein solcher Bedarf, noch werden in wesentlichem Umfang neue Arbeitsplätze geschaffen. Vielmehr ist zu erwarten, dass die Innenstädte in der Region zusätzlich unter Druck geraten“, so die Grünenspitzenpolitiker Felix Schmidt, Rita Graushaar und Norbert Pohlmann gestern in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Die Grünen schreiben von einem „Mega-Möbelhaus“, dieses werde „annähernd die doppelte Verkaufsfläche der Style Outlets haben. Tatsächlich sprach die Investorenfirma „Kleinpoppen Projekt“ in den jüngsten Stadt- und Verbandsgemeinderatssitzungen von 39 500 Quadratmeter – die Outlets haben, je nach Berechnungsart, 21 000 bis 28 000 Quadratmeter.

Die Grünen kritisieren, das vom Verbandsgemeinderat eingeleitete Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren habe kaum Diskussionen provoziert – „obwohl wesentliche Dinge ungeklärt bleiben und obwohl die Risiken entgegen allen Beteuerungen nicht allein beim Investor liegen“. Mit einem eindeutigen „Nein“ lässt sich für die Grünen die Frage beantworten, ob in der Region ein Mangel an Möbelanbietern herrscht. Zwar habe selbstverständlich die Politik nicht die Aufgabe, etablierten Betrieben neue Konkurrenz vom Leib zu halten. Wohl aber solle sie „gewachsene Strukturen berücksichtigen und die Innenstädte vor weiterem Ausbluten schützen“, argumentieren die Grünen: „Wenn in der Begründung des Änderungsplanes Konsequenzen einer Schließung bestehender Möbelhäuser in Zweibrücken, Pirmasens und Homburg diskutiert werden, sind solche Schließungen offensichtlich denkbar. Das bekräftigt, dass kaum zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, sondern dass bestehende verlagert werden.“

Anders als die von den Investoren beauftragten Gutachter erwarten die Grünen zudem „einen Rückgang der Besucherfrequenz in den Innenstädten der Region“: „Denn ein Möbelhaus mit fast 40 000 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet eben nicht nur Möbel und Küchen an (laut Plan lediglich 78 Prozent), sondern auch Randsortimente in erheblichem Umfang.“ Üblich seien zudem Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte, Sommer- und Weinfeste oder Schlussverkaufsaktionen, die vor dem Hintergrund der Möbelhaus-Dimension Sogwirkungen entfalten werden, warnen Pohlmann, Graushaar und Schmidt. Wer solche Randsortimente im Möbelhaus kaufe, werde als Kunde in der Innenstadt fehlen. „Zumal die Annahme, das neue Möbelhaus werde ein über die Region hinausgehendes Einzugsgebiet mit einer Einwohnerzahl von 1,83 Millionen Menschen erreichen, in den Bereich der Fabel gehört“, finden die Grünen. Die Partei erinnert auch daran, dass das Fabrikverkaufszentrum nur eröffnen durfte, weil Verträge geschlossen wurden, die zum Schutz der Innenstadt und zum Abwenden von Klagen der Nachbar-Kommunen erlaubte Sortimente auf bestimmte Warengruppen beschränken. Ein Möbelmarkt mit einem breiten Randsortiment würde „diese Verträge ad absurdum führen“, warnen die Grünen.

Sie schließen mit den Worten: „Niemand in der Region braucht ein XXXL-Möbelhaus, kaum jemand profitiert davon, und mit Ausnahme des reinen Investitionswagnisses trägt die Region das Risiko einer solchen Ansiedlung. Grund genug, den Plänen nicht zuzustimmen.“

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