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Hoher Zeitdruck bei Terex schadet allen



Kommentar
Hoher Zeitdruck bei Terex schadet allen
Von Lutz Fröhlich, 07.01.2017 02:00
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. pm-R0018604.JPG_3769

Terex in Zweibrücken Foto: Lutz Fröhlich

Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Diese Woche war wie kaum eine Woche zuvor in Zweibrücken von einem Thema beherrscht: Personal. Vom Eigner- und Führungswechsel bei Pallmann bis zur Personalnot bei JVA und vor allem Polizei. Diese Personalnot muss schnell behoben werden – im Interesse der Sicherheit und der überlasteten Beamten.

Personal-Sorgen ganz anderer Art gibt es derweil bei Terex: Der (noch) größte Arbeitgeber in Zweibrücken hat nicht zu wenig, sondern zu viel Personal, ist der neue Terex-Präsident überzeugt. Diese Woche wurden die Pläne zum Abbau von bis zu 500 Stellen erstmals konkret spürbar – in Form des Angebots an Beschäftigte in der Produktion, Terex „freiwillig“ zu verlassen. Und im Gegenzug eine Abfindung in doppelter gesetzlicher Höhe zu erhalten, plus 5000 Euro „Turboprämie“. Terex will damit betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

Dieses Angebot mag auf den ersten Blick verlockend klingen. Die Beschäftigten stellt es aber auch vor schwere Probleme. Denn zum einen bauen die meisten nicht allein wegen des Geldes Kräne, sondern sie sind stolz auf ihre Arbeit, die ihnen auch ein Stück Heimat ist.

Zum anderen müssen jetzt viele Beschäftigte viele Szenarien durchspielen, die viele Fallstricke haben: Nehme ich das Abfindungsangebot an? Versuche ich mehr herauszuhandeln? Lehne ich einen Aufhebungsvertrag ab und setzte darauf, dass ich nicht zu denjenigen gehören werde, denen Terex betriebsbedingt kündigt? Bei einer Kündigung: Bekomme ich im dann wahrscheinlichen Vergleich vorm Arbeitsgericht eine niedrigere oder höhere Abfindung?

 

Das sind Fragen, mit denen fast alle Betroffenen sich zum ersten Mal in ihrem Leben beschäftigen müssen. Weshalb sie sich nicht nur von der Personalabteilung beraten lassen sollten, sondern auch von Anwälten, Betriebsrat, Gewerkschaft oder anderen Vertrauenspersonen. Dabei stehen die Betroffenen auch zeitlich massiv unter Druck: Nur drei Wochen Zeit lässt Terex den Beschäftigten für ihre Entscheidung, bei der Turboprämie sogar nur gut eine Woche.

Terex dürfte mit diesem Druck-Szenario den einen oder anderen Euro sparen. Langfristig wäre Terex aber gut beraten, die Frist zu verlängern. Schließlich soll der Personalabbau erklärtermaßen nicht Selbstzweck sein: Terex hat auch hohe Investitionen angekündigt, um die beiden Werke in Zweibrücken in eine wirtschaftlich bessere Zukunft zu führen.

Erreicht Terex dieses Ziel, muss es irgendwann auch wieder Neueinstellungen geben. In Zeiten wachsenden Fachkräftemangels aber haben es Arbeitgeber schwer, die im Ruf stehen, bei schlechter Auftragslage nicht nur plötzlich massenhaft Personal abzubauen – sondern dabei Mitarbeiter auch noch unter Druck zu setzen, innerhalb weniger Tage weitreichende und hochspekulative Entscheidungen über ihr Arbeitsleben treffen zu müssen.

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