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10.08.2010 08:29

Dracula-Geschichte als Live-Hörspiel

Ihn kennen viele als Synchronsprecher von Hollywood-Schauspieler Ben Stiller und von Serienfigur Justus Jonas (Die drei Fragezeichen): Doch Oliver Rohrbeck (Foto: pm), kreativer Kopf und Gründer des Organisators „Lauscherlounge“ bringt auch selbst ganz neue Stoffe auf die Bühne. Am 26. August inszeniert er im Rahmen der Trierer Kaiserthermen-Open-Air-Reihe „Bram Stokers Dracula“ als Hörspiel – von prominenten Synchronsprechern gelesen und gespielt. Auf was genau die Fans sich freuen können, wollte Merkur-Redakteur Eric Kolling von Rohrbeck wissen.

Herr Rohrbeck, können Sie zunächst kurz skizzieren, was die Lauscherlounge macht?
Oliver Rohrbeck: Sie ist ein Spezialveranstalter für Wortproduktionen, also Live-Hörspiele, Drehbuchlesungen oder inszenierte Lesungen. Was wir inzwischen sehr oft machen, sind Prima-Vista-Lesungen. Das heißt, das Publikum bringt uns selbst geschriebene Texte mit, die wir lesen. Wir verlesen uns da auch auf der Bühne, denn die Leute bringen etwa Gebrauchsanleitungen von koreanischen Fernsehern mit, die von Computerprogrammen schlecht übersetzt wurden.

Haben Sie die erfolgreichen Live-Hörspiel-Tourneen 2003 und 2009 mit den drei Fragezeichen motiviert, sich auch anderen Stoffen zu widmen?
Oliver Rohrbeck: Wir haben schon bei der Tour 2003 gemerkt, dass da mehr Potenzial drinsteckt. Ich war fasziniert von dieser für mich damals völlig neuen Kunst- und Kulturform des Live-Hörspiels. Direkt danach habe ich zunächst einen Western geschrieben – es ist natürlich der Wunsch eines jeden Bubis, einmal im Leben bei einem Western mitsprechen zu dürfen. Mit so Sätzen wie „Lasst mich zurück, dann kommt ihr schneller voran“. 2006 kam ich auf den Gedanken, Dracula zu machen.

Sie haben die Hörspiele auf der Bühne sehr weit entwickelt. Und Sie sprechen nicht nur, Sie führen fast ein kleines Theaterstück auf.
Rohrbeck: Das ist beim Dracula ähnlich, nur haben wir da nicht ganz so komplizierte Lichttechnik, weil das eine solche Veranstaltung umso aufwändiger und damit unbezahlbar macht. Es bleibt ein Hörspiel mit Sounddesign.

Aber auch diesmal greifen sie wie bei den Drei-Fragezeichen-Auftritten wieder einen Geräuschemacher zurück.
Rohrbeck: Es ist sogar der aus den Drei-Fragezeichen-Auftritten, nämlich Dieter Klinkenberg. Der Geräuschemacher ist immer der heimliche Star bei so einer Hörspielveranstaltung. Und mit Dracula haben wir auch viel mehr die Möglichkeiten, große Schlösser, quietschende große Türen, Pferde einzubringen. Auch Kutschengequietsche oder Achsgeknarre sind zu hören.

Sie haben beeindruckende Stimmen wie David Nathan (Johnny Depp), Detlef Bierstedt (George Clooney) oder Melanie Pukass (Lauren Graham) für das Projekt gewonnen. Mussten Sie große Überzeugungsarbeit leisten?
Rohrbeck: Ich kriege sehr viele Anfragen von Kollegen. Seit ich 2003 die Lauscherlounge aufgebaut habe, machen wir einmal im Monat in der Kulturbrauerei in Berlin Aufführungen. Viele Kollegen, die man nur als Stimme aus dem Studio kennt, haben da schon mitgemacht. Das sind alles gelernte Schauspieler, denen ich nicht abverlange, dass sie auf die Bühne Shakespeare spielen. Wir machen das, was wir im Studio auch gut können: Wir schauspielern Texte und können sogar vom Blatt ablesen. Das ist ein großer Luxus und daher machen auch gerne viele Kollegen mit bekannten Stimmen mit.

Woher rührt Ihr persönliches Interesse an Bram Stoker?
Rohrbeck: Hörspiele eignen sich immer, wenn sie einen Gruselfaktor haben. Dracula ist zudem sehr bekannt und eignet sich auch sehr für ein Live-Hörspiel, weil das Buch in Tagebucheinträgen geschrieben ist. Dazu haben wir viele dialogische Szenen, sodass sich wie beim Hörspiel auch die eigene Fantasie einschaltet und Bilder im Kopf losgehen.

Der Veranstaltungsort, hier die Trierer Kaisertherme, spielt in Ihren Überlegungen also eine wichtige Rolle?

Rohrbeck: Es bringt nichts, wenn man sagt: Wir mieten eine runtergekommene Rock’n’roll-Halle und führen das dort irgendwie auf. Wir haben Dracula schon mal in einer Kirche gemacht, da ist der Kirchenrat vorher zusammengetreten und hat beraten, ob sie möchten, dass man Dracula in der Kirche pflockt. Sie haben es erlaubt und die Pflock-Szene hatte eine ganz besondere Atmosphäre.

Planen Sie das Dracula-Hörspiel später als CD zu veröffentlichen?
Rohrbeck: Wir haben Dracula tatsächlich schon mal als Studioproduktion gemacht. Es gibt es als CD schon, aber nicht mit Publikum. Wir werden auf jeden Fall einen Mitschnitt machen. Die Technik dafür haben wir. Und dann müssen wir uns das hinterher mal anhören ob wir den Live-Mitschnitt wenigstens zum Download bereitstellen.

Würden Sie bei folgenden Hörspielen auch ihre Kollegen von den drei Fragezeichen mal gerne einbinden oder denken Sie, dass das bei anderen Hörspielen gerade unpassend wäre?

Rohrbeck: Ehrlich gesagt versuchen wir ja schon, den Leuten klarzumachen: Jens Wawrczek, Andreas Fröhlich und ich machen auch noch andere Sachen. Wir haben schon Lesungen zu dritt gemacht mit Geschichten und Märchen, da sind wir auch getourt mit und wir haben schon die Hörspiele „Drei Mann in einem Boot“ herausgebracht. Das ist vom Stoff her etwas ganz anderes, aber sehr witzig und komödiantisch. Wir versuchen, bei den Leuten in den Köpfen festzusetzen: Hallo, wir machen auch was anderes und man soll uns doch bitte nicht nur auf die Drei Fragezeichen reduzieren. Insofern werden wir auf jeden Fall noch andere Projekte zusammenmachen.

Können Sie zum Abschluss zusammenfassen, was die Leute in Trier erwartet?
Rohrbeck: Eine außergewöhnliche Veranstaltung in einem ganz besonderen Rahmen. Ein Live-Hörspiel passiert wohl nicht so häufig in Trier. Es ist was völlig neues, kein Konzert, keine Lesung, wo ein Autor mit einem Glas Wasser seine eigenen Bücher in der Bücherei liest. Es ist ein Schauspiel in einem ganz besonderen Rahmen, das Platz lässt für eigene Fantasie und eigene Bilder.

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