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30.04.2010 09:29

Service-Gedanke wird in allen Jobs wichtiger

Von Merkur-Redaktionsmitglied Eric Kolling

 Foto: dpa

Was bringt es Firmen, in Dienstleistungs- und Serviceberufe zu investieren?

Armin Schätter: Zum einen erwarten die Kunden, dass sich der Service stetig verbessert, zum anderen stehen die Firmen im Wettbewerb. Jeder versucht, Kunden an Land zu ziehen und zu binden. Hat man ein gutes Dienstleistungsangebot, ist die Chance größer, dass das gelingt. Auch klassische Industrieunternehmen, bei denen man es zunächst nicht erwartet. John Deere zum Beispiel liefert Mähdrescher nach Tokmenistan mit der Garantie, jemanden zur Reparatur hinzuschicken, wenn ein Defekt auftritt. Das ist ein Service, den man zunächst nicht erwartet oder vermutet hätte.

Michael Sester: Imageförderung spielt eine wichtige Rolle, auch bei uns als Arbeitsagentur ist sie von großer Bedeutung. Um die Anspruchshaltung und Zufriedenheit der Kunden auszuloten, führen wir etwa Befragungen durch.

Wie hat sich die Nachfrage bei allgemeinen Serviceberufen, wie etwa dem Kellner, entwickelt?

Michael Sester:
Die Nachfrage ist da, Kellner oder Bedienungen braucht man täglich. In Geschäften gibt es ständig Wechsel, neue Gastronomen suchen neue Servicekräfte. Eine erfahrene Bedienung ist da Gold wert.

Welche neuen Service- und Dienstleistungsberufe sind in den vergangenen Jahren entstanden?

Schätter: Vor allem der des Systemgastronomen. Er arbeitet im Restauranteinkauf, Lagerhaltung, Küche, Service, Gästebetreuung, Personalplanung, Qualitätskontrolle, Kostenkontrolle oder im Marketing. Darüber hinaus verzeichnen wir gerade im Bereich Pirmasens/Zweibrücken eine Zunahme an Servicefachkräften für Dialogmarketing, also Call-Center-Mitarbeitern. Sie leiten Anrufe an bestimmte Stellen weiter oder beantworten sie, wenn möglich.

Welche klassischen Serviceberufe sind denn im Laufe der Jahre ausgestorben oder haben an Bedeutung verloren?

Schätter:
Einfallen würde mir da nur der Butler, der aber in Deutschland nie das große Thema war. Viele Jobs haben sich gewandelt, sind nicht so sehr verschwunden, eher vielfältiger geworden. Die Aufgaben haben sich verändert. Zum Beispiel gibt es heute in fast jeder Gemeinde Fitnessangebote in den Firmen, das war in den 70er und 80er Jahren nicht der Fall. Der Service an die Mitarbeiter besteht dann darin, eine Möglichkeit zu bieten, die Freizeit zu gestalten und sich gesund zu halten. Das hat zur Folge, dass die Fitnessbranche wächst.

Welche Serviceaspekte werden in Firmen noch groß geschrieben?

Schätter: Kinderbetreuung ist auch immer mehr ein Thema. Unternehmen sind daran interessiert, dass ihre Angestellten, vor allem die Frauen, die sich ja meistens um die Kinder kümmern, Familie und Beruf gut vereinbaren können. Eine besonders gute Fachkraft will oder kann man nicht aufgeben, wenn sie Nachwuchs bekommt. Und auch nicht, wenn Vater oder Mutter pflegebedürftig werden. Der demografischen Entwicklung tragen viele Firmen dahingehend Rechnung, dass sie den Mitarbeitern Dienste zur Betreuung und Pflege ihrer Eltern und Großeltern anbieten. Diese wiederum sind das Betätigungsfeld neuer Betriebe, die im Dienstleistungsbereich auftreten. Das schafft neue Arbeitsplätze.

Sester: Dabei entstehen natürlich nicht nur sozialversicherungspflichtige Stellen, viele Angebote stammen ebenso von Selbständigen, etwa als Tagesmütter oder Pfleger. Auch findet dieser Service nicht nur in Betrieben statt. Erziehung, Kinder- und Altenpflege ist allgemein ein zunehmender Markt. Bei uns werden dazu viele Stellengesuche geschaltet.

Der Bedarf an Krankenschwestern oder Altenpflegern ist also kaum zu decken?

Schätter:
Jein. In dem Feld geht sehr viel über öffentliche Haushalte und da gilt es, die meist klamme Haushaltssituation ins Auge zu fassen. Der Bedarf ist da und steigt, der finanzielle Rahmen muss aber stimmen, damit er gedeckt werden kann. Ein städtisches Krankenhaus ist beispielsweise an einen Stellenplan gebunden.

Wie verankert ist der Servicegedanke heute berufsübergreifend?

Sester: Sehr! Etwa der Fleischer, der früher nur Wurst verarbeitet hat, muss heute im Verkauf ran. Fehlt ihm die Servicementalität, merken das die Kunden direkt. Entgegenwirken kann er diesem Manko schwer.

Welche Angebote gibt es seitens der Arbeitsagenturen für Arbeitgeber, sich genau in einer solchen Situation schulen zu lassen?

Sester:
Es gibt viele Förderprogramme, sei es zum Verkaufstraining, der Hauswirtschaft, Rhetorik im Verkauf, freie Rede, Altenpflege, Haushaltsassistenz in der Pflege oder Call-Center-Agent. In einem Umkreis von 100 Kilometern um Pirmasens gibt es 34 Anbieter mit 60 Angeboten, die sich mit dem Thema Service auseinandersetzen. Wir haben immer wieder Qualifizierungsnachfragen, die in diese Richtung gehen. Darunter war etwa ein Krankenhaus, das fast in wie ein Hotel werden, also seinen Service gegenüber den Patienten so deutlich ausweiten wollte, dass es sich von den Mitbewerbern deutlich abhebt.

Aus welchen Gründen erwarten Sie, dass Service- und Dienstleistungsberufe weiter zunehmen?

Sester:
Kundenbindung wird in jedem Arbeitsumfeld steigend nachgefragt, es gibt immer mehr Auswertungsmöglichkeiten und Analysen, die man betreiben kann. Außerdem verändert die demografische Entwicklung die Selbstversorgung. So wie vor 20 Jahren ist diese nicht mehr, Pflegeleistungen und Freizeitgestaltungen werden wichtiger. Zum Beispiel die Putzfrau im Privathaushalt.


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